Thüringen: Streit um Wolfsriss-Protokolle

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Thüringens ehemaliger dienstältester Rissgutachter Uwe Müller (WuH berichtete) wirft seinem früheren Arbeitgeber Urkundenfälschung vor. Das bestätigte er auf WILD UND HUND-Nachfrage. Zwei von ihm erstellte Protokolle über Wolfsrisse seien im Nachhinein vom Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) verändert worden. 

In Thüringen wirft ein Rissgutachter seinem ehemaligen Arbeitgeber Urkundenfälschung zu Ungunsten der Nutztierhalter vor.
Foto: Tobias Bürger

Während er „optimaler Wolfsschutz“ bestätigt habe sei später „Optimaler Wolfsschutz lag nicht vor“ attestiert worden. Auf Anfrage von WILD UND HUND bezeichnete das Landesamt die Aussagen von Müller, gegen den man sich „rechtliche Schritte“ vorbehalte, als „falsch“. Müllers Schadensaufnahmen seien – wie bei jeder Rissbegutachtung – nur eine „Ersteinschätzung“ gewesen. Die Protokolle „waren – ohne genetische Analyseergebnis und Plausibilitätsprüfung– noch nicht abgeschlossen. Bei der Plausibilitätsprüfung wurde festgestellt, dass zwischen dem tatsächlich vorgefundenen und auch mit Fotos belegten Herdenschutz und den bei der Schadensaufnahme getroffenen Aussagen zum optimalen Herdenschutz Widerspruch bestand. Herr Müller hatte einen optimalen Herdenschutz bescheinigt, obwohl dieser – zumindest zum Zeitpunkt der Begutachtung (nachweislich der Fotos von Herrn Müller) – nicht vorlag“, so das TLUBN. Es kommt zu dem Ergebnis: „Die genannten Protokolle wurden also völlig korrekt abgeschlossen.“
In beiden Fällen von Anfang August handelt es sich um die Ohrdrufer Wölfin. Sie hatte nach Müllers Feststellung zum wiederholten Male den empfohlenen 1,20 Meter hohen Stromzaum mit Flatterband überwunden, mit dem der betroffene Schäfer seine Herde sichern wollte. Der Gutachter hielt zudem handschriftlich fest, dass der Schäfer obendrein einem halben Meter vor dem Stromzaun eine zweiten, 90 Zentimeter hohen Zaun aufgebaut hatte. Dass Müller und sein Dienstherr grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung sind, war wenige Wochen später deutlich geworden, als der Gutachter beim Landesamt kündigte: „Ich habe mich in der DDR von den Kommunisten nicht verbiegen lassen und ich lasse mich auch jetzt nicht von den Grünen verbiegen“, begründete er damals seinen Schritt. Derweil wird vom Landesverband Thüringer Schafzüchter die Vermutung kolportiert, die Behörden wollten gezielt die Ohrdrufer Wölfin schützen. Denn wenn sie immer wieder Weidetiere trotz Optimalschutz reiße, könne sie zum „Problemwolf“ werden. Und Problemwölfe können legal getötet werden. chb

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