Zuverlässig, universell, präzise

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Wer auf schwere Bassen, Ungarn-Hirsche oder schussharte Antilopen jagen will, kann das natürlich mit einer x-beliebigen Büchse tun. Aber wie heißt es so schön: „Das Bessere ist der Feind des Guten“, und so gibt es auch bei Waffen, Munition und Optik immer wieder spezielleProdukte, die sich auch auf stärkeres Wild besonders gut bewährt haben.

FOTOS: ARNDTBÜNTING, FRANKRAKOW

Waffe, Munition und Optik für schweres Wild

Alaska war immer mein Traumland. Starke Elche, riesige Bären, Karibus, Wölfe und Dallschafe – Jägerherz, was begehrst du mehr. Als ich dort Anfang der 90iger Jahre bei einem Outfitter arbeitete, musste natürlich eine entsprechende Büchse ins Haus. Und wie das so ist mit Mitte 20, man denkt, hinter jedem Erlenbusch und hinter jeder Weide könnte ein Kodiak-Bär stecken, der sich aus dem Hinterhalt zähnefletschend auf einen stürzt und seinemonotone Lachsdiät durch „fast food“ aus Deutschland bereichern will. Schaut man übrigens heutzutage ins Internet, bekommt man schnell den Eindruck, dass an dieser Vision etwas dran sein könnte. Also kam nur ein Repetierer in Frage, der zuverlässig genug ist, in jeder Situation einen Bären zu stoppen, selbst wenn er schon über einem steht (was vorkommen kann), und selbst wenn er über 1 000 Kilogrammwiegen sollte (was relativ selten vorkommt). Da mein Budget nicht sonderlich strapaziert werden durfte, entschied ich mich nach reiflicher Überlegung für eine Kombination, die sich seit Jahrzehnten bewährt hatte. Und warum sollte das, was für Anno Hecker und seine Wildhüter in Afrika gut war, nicht auch das Richtige für mich sein?

Ich entschied mich deshalb für die seit Jahren gefertigte Frankonia „Favorit Safari“, eine Büchse mit Original-98er-System, in meinem Falle aus DWM-Fertigung, im Kaliber.375 Holland & Holland Magnum. Einschwerer 65-cm-Lauf, Riemenbügel und Kornsattel mit Ringen über den Lauf gezogen, Querstollenverschraubung um den Schaft besser vor den Rückstoßkräften zu bewahren, horizontal zu betätigende Schlagbolzensicherung, Timney-Abzug, EAW-Schwenkmontage und zusätzlich ein Schmidt & Bender 1,25–4×20 machten die Büchse für meine Verhältnisse perfekt –dachte ich. War sie eigentlich auch, aber mit der Zeit fielen doch einige kleinere Schwächen auf. Das Standard-Mauser-System war für die die lange Patrone (metrisch9,5×72) zwar speziell aufgearbeitet, aber bei vollem Magazin und schnellem Repetieren gab es doch hin und wieder Zuführprobleme – was bei Patronen mit kürzeren Hülsen in diesem System so gut wie nie vorkommt.

Hatte man die Waffe eine längere Zeit im Scabbard (Leder-Sattelmagazin am Pferd), löste sich durch die Feuchtigkeit die Brünierung auf, und der Lauf war nach wenigen Wochen schon fast blank. Außerdem war sie im dichten Unterwuchs mit 118 Zentimetern recht lang, was in den kleinen Supercub-Buschflugzeugen immer wieder Platzprobleme mit sich brachte.

Manchmal wünschte ich mir nichts sehnlicher als einen Wechsellauf in einem kleineren rasanteren Kaliber, wenn wir irgendwo in der Tundra mal auf einen der scheuen Timberwölfe trafen, die uns nie näher als 400 Meter heranließen. Aber an Waffen mit Wechsellauf oder gar echte „Take-Downs“, die auf „Knopfdruck“ zerlegbar sind, war damals gar nicht zu denken.

Die richtige Büchse

Nimmt man die Möglichkeiten, die man als Waffenkäufer heute hat, hätte ich mich damals wohl anders entschieden. Während der Zeit in Alaska wuchs mir das Kaliber .375 ans Herz. Es ließ mich im Bärengebiet gut schlafen, jedenfalls wachte ich nicht allzu häufig durch Albträume auf, in denen Bären zu mir ins Zelt wollten. Bei einer Nachsuche auf einen Grizzly versorgte es einen mit dem nötigen Selbstbewusstsein, um in ein brusthohes, verfilztes Weidengebüsch zu kriechen, und den Bären nach einem im Nachhinein festgestellten guten Schuss eines Jagdgastes dann doch schon verendet vorzufinden.

Einen 600-kg-Elchschaufler ließ das 19,4-Gramm Nosler-Geschoss aus der .375 blitzartig in der Fährte zusammenbrechen, und der zweite Schuss auf den Träger war eigentlich nicht mehr nötig. Jedenfalls mochte ich die .375 von da an nicht mehr missen. Zwar bin ich im Moment nicht mehr im Besitz einer Waffe dieses Kalibers, aber immer wieder begleitete sie mich von da an auf Jagden, bei denen Eindringtiefe in Kombination mit Geschossmasse nötig waren (E0:rund 5 700 bis 6 000 Joule, zum Vergleich 7×64: 3 300 bis 4 000 Joule). Wer vom Bulgarien-Keiler über Brunfthirsche in den Karpaten bis hin zum Büffel in Afrika ein geeignetes Kalibersucht, sich tendenziell in der Schussdistanz bis 200 Meter beschränkt, der braucht sich bei der Patronenauswahl keine Gedanken zu machen:

Mit der „Holland & Holland“hat er das Beste gefunden, was der Markt hergibt.

Zwar ist die Hülsengeometrie etwas veraltet und mittlerweile (oder schon wieder) erobern leistungsstärkere Patronen im Kaliber .375 die Jägerherzen, aber die alte .375 ist überall zu haben, schießt sich aus Büchsen mit einem Gewicht ab vier Kilogramm noch recht angenehm, lässt sich bei entsprechender Geschosswahl unglaublich vielfältig einsetzen und ist zudem noch recht günstig zu erstehen. Die 9,3×64 bietet sicher das gleiche Leistungsspektrum, ist international aber nicht überall erhältlich und weist – zumindest, wenn Sie kein Wiederlader sind – nicht die Vielfalt der Geschosskonstruktionen auf. In das Standard-98er-System passt sie allerdings besser rein. In diesem Frühjahr reiste ich zusammen mit zwei handvoll internationaler Journalisten zur Antilopenjagd in die Ostkap-Provinz Südafrikas.

Mit im Reisegepäck war eine Sauer 202 „Take Down“ im Kaliber .300 Winchester Magnum mit Wechsellauf in .375 Holland & Holland. Auf der Waffe war mittels EAW-Schwenkmontage ein Schmidt & Bender 1,5–6×42 Zenith montiert. Neben mir führten noch 14 weitere Jäger in unserer Gruppe dieselbe Kombination. Bequem reiste man mit der zerlegten Waffe im kurzen Sauer-Gewehrkoffer. Es gab keine Probleme am Flughafen, bei der Weiterreise und der Fahrt über holprige Pisten ins Camp. Wenn man bedenkt, dass auch unter den Flughafenangestellten hin und wieder einmal ein Jagdgegner ist, der einen langen Gewehrkoffer als solchen mit geschultem Blick sofort erkennt und dann „aus Versehen“ beim Beladen der Maschine aus zwei Metern Höhe auf die Landebahn fallen lässt – was hin und wieder vorkommen soll –, dann ist es schon ein gutes Gefühl, die Waffe sicher in einem Gewehrkoffer verstaut zu haben, der als solcher nicht unbedingt erkannt wird.

Auf den obligatorischen Probeschuss anschließend im Camp hätte ich getrost verzichten können: Die „Take Down“ über die Kegelsteck-Verbindung blitzschnell zusammengebaut, das Schmidt & Bender drauf, und der erste Schuss aus dem .300er-Lauf saß gleich im Schwarzen. Allerdings beruhigt ein Probeschuss immer, und man sollte tunlichst nie darauf verzichten. In den nächsten Tagen fielen einige Antilopen damit, und selbst die ruppigste Behandlung auf den schlechten Pisten in den Jagdgebieten der bergigen Ost-Kap-Provinz konnten der Kombination nichts anhaben – weder Funktions- noch Präzisionsprobleme traten auf. Das war übrigens bei den anderen Gruppenmitgliedern genauso. Wenn man bedenkt, dass bei 15 Mann und sieben Jagdtagen insgesamt 105 Jagdtage zusammenkamen, in denen mit dieser Kombination einige Warzenschweine sowie

über 50 Antilopen vom rehgroßen Bergriedbock bis zum 250kg-Streifengnu problemlos und ohne „Funktionsstörungen“ der Waffe oder des Glases zur Strecke kamen, war das schon recht beeindruckend. Das einzige, was ich mir gewünscht hätte, wäre statt der Hochglanzbrünierung eine Ilaflon-Beschichtung auf der Waffe, die aber Sauer selbstverständlich optional anbietet. Wenn man einmal eine Büchse mit einem solchen oder ähnlichen „rostsicheren“ Finish hatte, wird man es gerade beim Einsatz unter widrigen Witterungsverhältnissen nicht mehr missen wollen. Als Allroundpatrone für den Einsatz auf stärkeres Wild bewährt sich die .300 Winchester seit ihrer Markteinführung 1963. Bei entsprechender Geschossauswahl bietet sie gute Tiefenwirkung und „Knock-Down-Power“. Die Rasanz mit 11,7 Gramm schweren Geschossen (Geschossabfall auf 300 Meter bei auf GEE eingeschossener Waffe etwa 30 Zentimeter, E0 zwischen 4 700 und 5 100 Joule) macht sie auch für weite Schüsse tauglich, so dass sie noch universeller als die .375 H&H ist. Wobei ihr Wildartenspektrum naturgemäß nicht in den Großwildbereich reinreicht.

Hier ist bei einer 600-Kilo-Elenantilope definitiv Schluss. Wer etwas mehr Geschossmasse bevorzugt, aber den Weg der „Goldenen Mitte“ gehen möchte und keine Büffelpatrone benötigt, ist mit der .338 Winchester Magnum mit 13 bis 16 Gramm Geschossen gut bedient (E0 zwischen 5 000 und 5 300 Joule). Nicht zu vergessen ist die 8x68S (Geschossgewichte zwischen 11 und 14 Gramm, E0 zwischen 5 400 und 5 700 Joule), die aber wiederum auch den Nachteil hat, im Ausland schlecht erhältlich zusein – ein klares Plus für angloamerikanische Erfindungen. Wer hingegen Rasanz nicht ganz so wichtig findet, aber dafür Geschossmasse will, ohne gleich ein „Magnum“ hinter der Patrone zu benötigen, der kann getrost auf die altbewährten 9,3×62 oder ihre Randvariante 9,3×74 R zurückgreifen (E0 zwischen 4 600 und 4 900 Joule). In Kombination an einer Büchse mit Wechselläufen sind Sie mit diesen Patronen für alles Wild der Welt gerüstet. Zwar heißt es, dass man sich Feinde über das Leben hinaus schafft, wenn man sich für bestimmte Kaliber ausspricht, aber trotzdem hier meine Wahl für schweres Wild:

Eine Büchse in .300 Win. Mag., 8x68S oder .338Win. Mag. und dazu ein Wechsellauf in .375 H & H. Wer doch einmal auf Dickhäuter gehen möchte, dem sei zusätzlich noch ein Wechsellauf in .416 Remington oder gar .458 Lott empfohlen. Da alle diese Kaliber nicht gerade einen zärtlichen Rückstoß entwickeln, sollten die Waffengewichte nicht zu leicht ausfallen. Etwa 4 bis 4,5 Kilogramm einschließlich Zielfernrohr dürfen es schon sein. Zwar gibt nes noch viele andere Patronen in diesem Leistungsbereich, aber sie bringen in der Praxis nicht mehr als die hier genannten. Egal für welche Patrone Sie sich entscheiden, eines sollte man immer bedenken:

Die Geschoss-Konstruktion

Es ist niemals das Kaliber, was das Wild streckt, sondern immer das Geschoss. Im Umkehrschluss heißt das nichts anderes, als dass der Geschossauswahl eine weitaus größere Bedeutung zukommt als der Kaliberwahl – vorausgesetzt natürlich, dass Sie nicht gerade mit einer Spatzenbüchse auf Wild anlegen, das eigentlich einer „Kanone“ bedarf, sprich das Kaliber sollte schon der Wildart angepasst sein. Für die rasanten Magnumpatronen beim Einsatz auf schweres Wild in Gewichtsklassen zwischen etwa 100 und 600 Kilogramm würde ich keinesfalls auf einfache Teilmantelgeschosse ohne Zwei-Kammer- oder entsprechend starke Mantel-Konstruktionen zurückgreifen. Zwar wirken herkömmliche 11,7-g-Teilmantel zum Beispiel im Kaliber .300 Winchester bei einem guten Schuss häufig blitzartig, jedoch bieten sie bei hohen Geschwindigkeiten (kürzere Schussentfernungen) kaum ausreichend Tiefenwirkung, wenn das Wild einmal schräg steht oder der Schuss auf der Blattschaufel sitzt Bewährte Konstruktionen sind hier das „Partition“ von Nosler, das „TUG“ von Brenneke oder das „Dead Tough“ von A-Square. Für noch besser halte ich die in letzter Zeit immer häufiger auf dem Markt zu findenden Geschosse mit Kern-Mantel-Verbund, bei dem der Bleikern über einen bestimmten Prozess („Bonding“) mit dem Mantel unlösbar verbunden ist. Das bietet den Vorteil von unglaublich hohen Restgewichten. Während beim TUG oder beim Partition Restgewichte nach Schüssen auf schweres Wild von durchschnittlich 50 bis 60 Prozent erhalten bleiben, haben die   „Bonded“-Konstruktionen je nach Geschoss ein Restgewicht von etwa 80 bis 90 Prozent oder gar darüber. Und ein höheres Restgewicht bedeutet bessere Eindringtiefe und damit einhergehend bei starkem Wild eine bessere zielballistische Wirkung.

Wer will, kann auch auf „bleifrei“ zurückgreifen, was sich zum Beispiel in Form des Barnes-X („XLC“) oder des „Naturalis“ von Lapua durchaus bewährt hat. Bei der Antilopenjagd zeigte das 10,7Gramm schwere „Torpedo Optimal-Geschoss“ (TOG) von Brenneke in der .300Win.-Mag., was in ihm steckt. Das relativ neue Geschoss mit Mantel-Kern-Verbund erzielte eine sehr gute Eindringtiefe bei guter zielballistischer Wirkung und schien noch eine Spur härter zu sein als das auch verwendete 13g-Oryx von Norma, ebenfalls ein Verbundgeschoss. Die „Oryx“-Geschosse in diesem Kaliber pilzten bilderbuchmäßig auf (Die TOG-Geschosse hatten immer einen Ausschuss, daher konnten keine Restgewichte ermittelt werden). Die zum ersten Mal verschossenen 19,4g-Oryx aus der .375 H & H beeindruckten durch ihre hohen Restgewichte bei gleichzeitig sehr gutem Aufpilzvermögen. Zwei aus einem Streifengnu geborgene Geschosse hatten Restgewichte von

99 und 89 Prozent, was bei Treffern in der Kammer von Wild in der 250- bis 300-Kilo-Klasse beachtlich ist. Mein erster Schuss spitz von vorn ließ den Bullen im Schuss zusammenbrechen. Dann nahm er sich nochmals auf, und ein zweiter Schuss halbschräg nach vorn drang auf Pansenhöhe ein und steckte auf der gegenüberliegenden Seite im Schulterbereich. Das bedeutet, dass Geschoss hat immerhin knapp einen Meter im Wildkörper zurückgelegt – bei dem doppelt kalibergroß-aufgepilzten Geschossrest eine ausgezeichnete Tiefenwirkung.

Andere Verbundgeschosse oder „Bleifreie“ (zum Beispiel „Trophy Bonded“ von Federal, „Naturalis“ von Lapua) bringen je nach Kaliber sogar noch bessere Tiefenwirkung, pilzen dafür aber in der Regel nicht ganz so stark auf wie das Oryx. Egal für welche Waffen-Kaliber-Geschoss- und Zielfernrohrkombination Sie sich entscheiden, auf eines kommt es letztlich an: Der Schuss muss da sitzen, wo er hin soll. Stimmt dann noch die Ausrüstung, steht einem Waidmannsheil auf schweres Wild sicher nichts mehr entgegen.

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