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Eine besondere Falle

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OTB 22/17

AUS DEM WILD UND HUND-TESTREVIER Zwei Männer suchen den Weg zurück in die Arbeit. Wie ihnen ein Fanggerät dabei hilft, erfuhr Peter Schmitt.

Wirklich gesprächig ist Alexander Michajlow nicht. Auch Uwe Kniffka ist eher von der wortkargen Sorte. Vielleicht liegt es daran, dass sie von Jagd nicht wirklich Ahnung haben. Deswegen mag es verwundern, dass die beiden Absolventen des Berufspraktischen Lehrgangs für Rehabilitanten des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft e. V. in Montabaur mir heute eine große Kastenfalle als ihr Abschlusswerk präsentieren.

Es dauert etwas, bis ich die vielen durchdachten Details, wie zum Beispiel die arretierbare, ebenerdige Wippe, anpassbare Schieber-Sicherung und ausgeklügelte, absolut lichtdichte Fangklappenränder, entdecke. Keine großen Worte, sondern eher verlegenes Lächeln verraten, dass sich die zwei Handwerker – ebenso wie ich – über das gelungene Werk freuen.  Der neunmonatige Lehrgang hat das Ziel, Personen, die aufgrund einer Beeinträchtigung ihrem ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr nachgehen können, wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Er endet mit einer praktischen Arbeitsprobe. Für Lehrgangsleiter Peter Bill die Möglichkeit, unter anderem die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer zu beurteilen und Naturschutz sowie jagdliche Öffentlichkeitsarbeit damit zu verbinden. Denn die entstandenen Werke werden gespendet, und darüber entsprechend berichtet.

So entstanden in den durch die Deutsche Rentenversicherung und die Berufsgenossenschaft geförderten Kursen zur beruflichen Rehabilitation unter anderem bereits Nisthilfen für Singvögel, Käuze und Insekten sowie eine geschlossene

Kanzel. In diesem Jahr wurden im Rahmen des Projekts „Jagd heute – Schutz heimischer Tiere“ zwei große Kastenfallen gebaut. Denn Kursleiter Bill ist nicht nur passionierter Waidmann und jagdlicher Praktiker mit einem Faible fürs Fallenstellen. Er ist auch unermüdlich, wenn es darum geht, die Jagd in der Öffentlichkeit positiv darzustellen und über ihre Notwendigkeit aufzuklären. „Raubwild zu regulieren, besonders nicht heimische Tierarten, wie Waschbär und Marderhund, ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz“, weiß der Schreiner.

Alexander Michajlow und Uwe Kniffka sind zwar keine Jäger, haben aber keinerlei Berührungsängste. „Früher war ich mal Treiber bei meinem Nachbarn, der Pächter war“, verrät Kniffka. „Aber wenn wir mit unserer Arbeit noch etwas für die Natur machen können, ist das doch toll – dazu muss ich ja kein Jäger sein.“ Und so schlägt das Fallen-Projekt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie soll zwei tüchtigen Männern wieder zu Arbeit verhelfen, einen Beitrag zum Naturschutz leisten und die Notwendigkeit der Fangjagd und des Artenschutzes in die Öffentlichkeit transportieren. Nicht nur aus Jägersicht eine Aktion zum Nachahmen.

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