Auf Abruf

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In der vergangenen Ausgabe beschäftigte sich WuH mit der Effizienz von Kunstbauen. Dazu wurden fünf Einfahrten über fünf Monate mit sendefähigen Kameras überwacht. Aber ließe sich das, was zum Monitoring gut ist, nicht auch dazu nutzen, die Bodenjagd zu optimieren? Von Peter Schmitt

(Foto: Jaroslav Vogeltanz)

Auf leisen Sohlen haben wir uns zielstrebig genähert. Die Positionen sind bezogen. Handzeichen. Der Hund wird geschnallt. Er nimmt geradewegs die Röhre des Kunstbaues an. Ein kurzes Bewinden der Einfahrt, und schon ist der Teckel abgetaucht.

Eigentlich stünde heute keine der im etwa 14-tägigen Turnus durchgeführten Kunstbau-Kontrollen an. Aber die Sendekamera, die dauerhaft auf diese Röhre ausgerichtet ist, hatte heute Nacht ein Foto geschickt. Darauf zu sehen: Reineke direkt vor dem Kunstbau, die Lunte abgespreizt, den Kopf quasi schon fast in der Einfahrt. Eine weitere Aufnahme vom wegschnürenden oder wieder ausfahrenden Rotrock existierte nicht. Reineke könnte also noch stecken!

Während wir gespannt auf den einsetzenden Laut des Erdhundes warten, hören wir bereits das charakteristische Kratzen seiner Krallen auf Beton, dann steht er vor uns. In seinem Blick schwingt etwas von „und was war das jetzt?“ mit. Der Bau ist blank, die Kontrolle auf Abruf war erfolglos.

Eigentlich ist die Idee, Kunstbaue mit Sendekameras zu überwachen, einfach und genial. Die Wahrscheinlichkeit, genau dann zufällig auf Reineke zu treffen, sobald der periodische Kontrolldurchgang ansteht, ist doch recht unwahrscheinlich, bei entsprechendem Raubwildbesatz sogar schwindend gering (s. WuH 7/2021). Der Plan: Die Fotofalle schickt fast in Echtzeit ein Bild vom einfahrenden Rotrock. Sobald kein weiteres vom ausfahrenden ankommt, steckt er noch im Kessel und kann gezielt bejagt werden. Doch wie wir lernen mussten, ist es leider nicht so simpel bzw. eindeutig.

Fährt er ein oder windet er nur? Bei lediglich einer Aufnahme ist deren Aussagekraft selten eindeutig. (Foto: Peter Schmitt)

Sendekameras können Fotos nur in bestimmten Intervallen verschicken. Das bedeutet, dass z. B. nur ein Bild pro Minute rausgeht. In dieser Zeit kann einiges passieren, was dem Betrachter aber verborgen bleibt. Da die erste Aufnahme in der Regel vom heranschnürenden Rotrock geschossen wird, lässt sich kaum sagen, was danach im entscheidenden Moment geschieht. Unter Hunderten Aufnahmen von Füchsen, Wildkatzen und Dachsen an den fünf überwachten Kunstbauen waren gerade einmal drei, die das Wild genau in dem Augenblick zeigen, in dem es einfährt. Das Ausfahren war jedoch stets dokumentiert, da die erste festgehaltene Bewegung ja der Räuber ist, der wieder in der Röhre erscheint.

Als komplett gescheitert kann man das Vorhaben aber nicht bezeichnen. Denn eins zeigten die Kontrollen hundertprozentig: Ist der Bau laut Sendekamera leer, ist er auch leer. D. h. wurde kein Wild abgelichtet oder zeigte sich, dass Reineke, nachdem er die Baueinfahrt bewindet hat, weitergeschnürt ist, war auch die Kontrolle erfolglos. Das belegt eine gut funktionierende, zuverlässige Technik und Methode, wovon nicht grundsätzlich auszugehen war.

Wer weiß, dass er Ende Februar einen Schmalzmann und somit ggf. eine führende Fähe auf dem Bau hat, kann seinen Erdhund vor üblen Blessuren schützen. (Foto: Peter Schmitt)

Man kann sich also unnötige Kontrollen sparen, bzw. nur dann zu bestimmten Bauen fahren, wenn die Aufnahmen zumindest einen Jagderfolg in Aussicht stellen. Dieses Vorgehen vermeidet unnötige Hundewittrung im Bau und menschliche in dessen Umfeld.

Auch die einst an verheißungsvoller Stelle abseits installierten Baue, die erst nach 15-minütigem Anmarsch erreicht werden, und die spätestens zwei Jahre nach dem Einbau regelmäßig jagdlich links liegen gelassen werden, können so wieder ihre angestammte Aufgabe übernehmen. Denn die zahlreichen An- und Abmärsche, die letztendlich doch umsonst waren, lassen sich mit Sendekameras vermeiden.

Unliebsame Untermieter wie Grimbart haben die unangenehme Angewohnheit, ihre Behausung auszupolstern. Ebenso wird gerne eine der Röhren oder Teilstücke als Abort benutzt. Um einen so dekorierten Kunstbau macht Reineke in aller Regel einen großen Bogen. Mit Sendekameras lässt sich leicht feststellen, ob Schmalzmann einen Bau auspolstert, und – je nach Jagdzeit – zügig eingreifen. Aber auch, wenn einem die Hände durch die Schonzeit gebunden sein sollten, weiß man zumindest, wo im kommenden Jagdjahr der Kessel geöffnet werden muss und der Frühjahrsputz ansteht.

Ein weiterer Vorteil, Kunstbaue mit Kameras zu überwachen, bietet sich, wenn junge und/oder unerfahrene Erdhunde eingesetzt oder an ihr Haupteinsatzgebiet herangeführt werden sollen. Nicht jeder hat einen zweiten, erfahrenen Vierläufer zur Verfügung, um die Arbeit des Eleven zu bestätigen. Ich habe es mehrfach erlebt, dass junge Hunde, die noch das Abenteuer Schliefenanlage im Hinterstübchen hatten, aufgeregt in den Revier-Kunstbau einschlieften und mit lockerem Hals Wild anzeigten, das gar nicht vorhanden war. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde dann z. B. der Kessel aufwendig geöffnet.

Um das Verhalten junger oder unerfahrener Hunde richtig zu deuten, ist es wertvoll zu wissen, ob und was im Bau steckt. (Foto: Dr. Karl-Heinz Betz)

Weiß man nicht, was im Bau los ist, ist der anschließende Umgang mit dem vierläufigen Auszubildenden oft unklar: Anrüden, loben, tadeln? Schließlich will man dem Erdhund ja nicht Unrecht tun oder ihn falsch prägen. Ebenso mangelt es dem ein oder anderen Führer am Vertrauen gegenüber seinem unerfahrenen Partner. Will der erprobte Veteran erst gar nicht einschliefen, ist klar: Der Bau ist leer. Aber ob der Junghund das auch schon so zielsicher beurteilen kann?

So oder so, eine Kamera vor dem Bau hilft, die Situation genau einzuschätzen und den Umgang mit dem Erdhund zu optimieren. Ebenfalls können brenzlige Situationen vermieden werden. Schließlich muss der junge Teckel oder Terrier nicht zur Premiere an einen starken Wildkatzenkuder oder an Grimbart geraten.

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