Ende eines Schönen – Fasan im Fokus Teil 1

1930

Dem Fasan geht es schlecht. Was sind die Gründe dafür? Was kann der Jäger tun? WILD UND HUND nimmt sich diesem Thema in einer Serie an.

JAGDWILD FASAN

1,3 Millionen Fasanen Jahresstrecke – das war einmal. Aktuell sind es in Deutschland weniger als 200 000. Was sind die Ursachen dieser Entwicklung?

Dr. Heinrich Spittler und Alexander Feemers

Foto: IStock

Treibjagden wurden abgesagt, und Pessimismus macht sich breit. Ursache: Wildmangel. Die Strecken des Jagdjahres 2013/14 sind erneut ernüchternd ausgefallen. In einigen Gebieten ist die Rede von einem weiteren Streckeneinbruch beim Fasan um bis zu 70 Prozent. Viele Revierpächter sprechen von „drastischem Rückgang“, und einige befürchten gar, der Fasan sei für immer verloren.

Bei allen Hauptniederwildarten kam es in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Besatz- und damit Streckenrückgang. Das Rebhuhn spielt jagdlich gesehen kaum mehr eine Rolle. Die Gründe für seinen Niedergang sind weitestgehend bekannt. Die Lebensraumverschlechterung, die durch die Intensivierung in der Landwirtschaft eingetreten ist, sowie die starke Zunahme der Prädatoren sind in diesem Zusammenhang als Primärfaktoren anzuführen. Je stärker die Feldschlaggrößen zunehmen und je enger sowie monotoner die dortige Fruchtfolge wird, desto weniger findet das Rebhuhn geeignete Brut- und Äsungsplätze.

Für den Rückgang des Feldhasen kommen im Prinzip dieselben Faktoren zum Tragen. Wobei er gegenüber dem Rebhuhn mit Blick auf den sich verändernden Lebensraum deutlich „robuster“ ist. Er vermag, mit Schlaggrößen von zehn Hektar noch problemlos auszukommen. Erst wenn sie weit darüber hinaus gehen, kommt es auch bei ihm zu spürbaren Besatzrückgängen.

Treibjagd auf Fasan: In diesem Jahr wurden sie in zahlreichen Revieren abgesagt. Foto: Burkhard Winsmann-Steins

Da der Fasan aber deutlich andere Ansprüche an den Lebensraum hat als Rebhuhn und Hase, spielen bei ihm die größeren Feldschläge sowie die einseitigere Fruchtfolge nur eine untergeordnete Rolle. Der starke Einbruch beim Fasan muss folglich andere Gründe haben.

Bevor man sich allerdings über diese Gedanken macht, sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, welche gravierenden Ausmaße der Rückgang inzwischen angenommen hat. Vielfach ist diese Situation im Detail nämlich nicht bekannt.

Bekannt ist vielen zwar, dass die Strecken in den letzten Jahren immer geringer geworden sind, für eine vergleichende Einordnung fehlt es aber häufig an der genauen Kenntnis der früheren Jagdergebnisse. Schließlich sind diese von
einer Spitzenstrecke im Jagdjahr 1971/72 mit über 1,3 Millionen auf unter 200.000 Stück zurückgegangen (siehe Grafik Seite 45). Das macht deutlich, in welcher Misere sich diese Flugwildart aktuell befindet.

Dieser Rückgang ist flächendeckend bei allen Bundesländern in annähernd gleichem Ausmaß eingetreten, wie der Blick auf die führenden Niederwild-Länder Nordrhein Westfalen, Niedersachsen und Bayern zeigt. In ihnen werden derzeit zusammen rund 90 Prozent der Bundesstrecke erzielt. Die dortigen Rekordergebnisse fielen bis auf Bayern – dort wurden die meisten Fasanen im Jagdjahr 1974/75 erlegt – jeweils auf das Jagdjahr 1971/72. Deutlich zu erkennen ist, dass die Strecken zu Beginn der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts vergleichsweise niedrig waren. Der Grund hierfür ist die „Hegebedürftigkeit“ des Fasans. Wird er nicht intensiv gehegt, gehen die Besätze zurück. Da das in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht möglich war, wurde zwangsläufig weniger erlegt.

Die Resultate stiegen jedoch, insbesondere in den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, bis zum Jahr 1971/72 steil an. Die Gründe hierfür sind unterschiedlicher Art: Zunächst einmal erfuhr der Fasan in dieser Zeit in vielen Revieren eine intensive Hege in Form von Lebensraumverbesserungen. Zum anderen war der auf den Fasanen lastende Prädationsdruck in dieser Zeit ausgesprochen niedrig. Auch das Klima kam dem Fasan entgegen. In dieser Phase gab es wiederholt in kurzer Abfolge Jahre, in denen die Witterung für das Heranwachsen der Küken optimal war, nämlich in den Jahren 1959, 1964, 1967 und 1971. In diesem Zusammenhang sollte ebenfalls erwähnt werden, dass damals zunehmend mehr Fasanen aufgezogen und ausgesetzt wurden, um die jagdlichen Ergebnisse zu verbessern. Das war möglich, da die Bedingungen für eine erfolgreiche Aufzucht in dieser Zeit sukzessive verbessert wurden.

In den 1970er Jahren wurden noch Jahresstrecken von bis zu 1,3 Millionen Stück erzielt. Dabei waren auch Hennen (im Bild rechts) ein gewohntes Bild. Foto: Archiv

In den acht folgenden Jahren von 1971/72 bis 1979/80 gingen die Strecken dann aber fast so schnell wieder zurück, wie sie in den Sechziger Jahren angestiegen waren. Wenngleich es 1974/75 zu einem zweiten Höhepunkt kam, war der Rückgang in diesen Jahren eklatant, insbesondere in den Jahren 1978 und 1979. Die Hauptursache für den drastischen Einbruch, speziell in den beiden zuletzt genannten Jahren, war die unmittelbare Aufeinanderfolge von zwei extremen Schlechtwetterjahren, vor allem in der Zeit des Aufwachsens der Küken und Jungfasanen. Hinzu kam aber auch, dass das Aussetzen von Jungfasanen in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre nicht mehr die Dimensionen aufwies wie im Jahrzehnt davor.

Der anschließenden leichten Erholung zu Anfang der 1980er-Jahre folgte ein weiterer schrittweiser Rückgang, der bis 1996/97 anhielt. Hierfür entscheidend dürfte die Zunahme der Prädatoren in diesen Jahren gewesen sein, insbesondere bei den Gelegeräubern.

Überraschenderweise verzeichneten die Strecken in den zehn Jahren danach jedoch erneut eine leichte Aufwärtsentwicklung, vor allem in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts. Zurückzuführen ist diese Situation darauf, dass es in dieser Zeit witterungsmäßig keine extrem schlechten Jahre gab, die den Zuwachs dezimiert hätten.

Um die deutsche Streckenentwicklungen korrekt bewerten zu können, ist jedoch noch einmal auf Folgendes hinzuweisen: Der steile Anstieg in den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sowie das hohe Niveau von 1964/65 bis 1975/76 war nur zum Teil ein „natürliches“ Geschehen. Die Strecken dieser Zeit sind nämlich in vielen Revieren durch Aussetzen von aufgezogenen deJungfasanen stark beeinflusst worden. Verbunden war mit dieser Praktik zudem in der Regel, dass auch Hennen geschossen wurden. So war in jenen Revieren die Hennenstrecke oft sogar größer als die an Hähnen.

Hennen wurden seinerzeit aber häufig auch in den Revieren geschossen, in denen nicht ausgesetzt wurde. Vor dem Hintergrund der seinerzeit guten Besätze in nahezu allen Niederwildrevieren sowie der intensiven Hegemaßnahmen war dies im Übrigen auch nicht allzu schädlich, sondern durchaus vertretbar.

Heute werden zum einen Jungfasanen nicht mehr in dem Umfang ausgesetzt wie früher – in den meisten Bundesländern ist diese Maßnahme zwischenzeitlich sogar verboten. Zum anderen fallen vor dem Hintergrund sinkender Besätze Hennen schon seit Jahren bei den Jagden kaum mehr an. Die heutigen Strecken rekrutieren sich von daher im Gegensatz zu früher überwiegend oder fast ausschließlich aus Hähnen. Auf diese beiden Fakten hinzuweisen, ist durchaus angebracht, da dies bei einem Vergleich der heutigen mit den damaligen Strecken berücksichtigt werden muss.

Die leichte Aufwärtsentwicklung ab Mitte der 1990er-Jahre wurde im Jagdjahr 2008/09 abrupt beendet. In den Folgejahren folgten bis dato ständig weitere Abnahmen. Angesichts des dramatischen Abfalls ist zu befürchten, dass das Aussterben des Fasans als bejagbare Wildart nur noch eine Frage von wenigen Jahren ist, wenn die für den Rückgang verantwortlichen Primär- Ursachen nicht gefunden und beseitigt werden.

Früher war das Aussetzen von Fasanen gängige Praxis, um die Besätze zu stützen. Heute ist das in vielen Bundesländern verboten. Foto: Agestock

Aktuell wird darüber gerätselt, welche Ursachen für diese Abwärts-Entwicklung, insbesondere für den starken Einbruch im Jahr 2008/09, verantwortlich sind. Ungünstige Witterung kommt hierfür allenfalls auf lokaler Ebene in Frage und im Prinzip auch nur im Jahr 2008. In den anderen Jahren war das Wetter zumindest durchschnittlich unter dem Aspekt des Einflusses auf den Nachwuchs.

Zwar stehen diesbezüglich einige Hypothesen im Raum, eine wissenschaftlich abgesicherte Bestätigung steht aber noch aus. So sind zum Beispiel bisher nicht bekannte Krankheiten in Form von Virus-Infektionen als Ursache für den Rückgang im Gespräch. Diskutiert wird zudem, dass die seit einigen Jahren zur Bekämpfung der Schadinsekten eingesetzten systemisch wirkenden Insektizide, die sogenannten Neonicotinoide, verantwortlich sein sollen. Angeführt werden ferner auch Lebensraumverschlechterungen, ohne diesbezüglich jedoch konkrete Fakten zu benennen. Auch der im Vergleich zu früher unstrittig höhere Feinddruck wird immer wieder erwähnt.

Der Stifterverband für Jagdwissenschaften e.V. hat daher im vergangenen Jahr zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Die Fragestellung: Welche Ursachen sind für den dramatischen Rückgang des Fasans verantwortlich? Wie kann man ihn vor dem Aus als bejagbare Wildart bewahren? Über die Ergebnisse dieser Forschung berichtet WILD UND HUND exklusiv in den kommenden Artikeln.

Faktor Wetter: Ist dieses warm und trocken, haben die Küken beste Chancen durchzukommen. Foto: Reiner Bernhardt

Stifterverband für Jagdwissenschaften e.V.

Der Verband wurde 1954 anlässlich der Internationalen Jagdausstellung in Düsseldorf gegründet. Primärer Zweck des Stifterverbandes ist es, die Jagdwissenschaften zu fördern sowie eigene praxisbezogene jagdwissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Wollen auch Sie den Verband unterstützen, wenden Sie sich bitte an:

Dr. Heinrich Spittler, Kaufstr. 18, 53560 Vettelschoß,
E-Mail: dr.spittler@stifterverband-jagdwissenschaften.de,
Internet: www.stifterverband-jagdwissenschaften.de

ANZEIGEAboangebot