Enten-Ernte mit System

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JAGDPLANUNG

Ob Strich, Treiben oder Angehen – Wer erfolgreich Enten jagen will, muss Vorbereitungen treffen. Revierjagdmeister SASCHA SCHMITT erklärt, wie Sie die Jagd auf Breitschnäbel organisieren.

Foto: KRISTOFER HANSSON

Der Abendstrich an den Flugrouten der Breitschnäbel ist die bei uns verbreitetste Art der Entenbejagung. Um diese Jagdart zu optimieren, empfiehlt es sich, das Flugwild anzukirren. Die Landesjagdgesetze und Fütterungsverordnungen der jeweiligen Bundesländer regeln dabei, wie viel und welches Getreide verwendet werden darf.

In der Praxis wurden die besten Erfahrungen mit Futtergerste gemacht. Gerade bei den älteren Jägern existiert die Weisheit, dass eine Ente 100 Kilometer für ein Gerstenkorn streicht. Ob die Breitschnäbel nun derart vernarrt sind, ist zu bezweifeln, allerdings ist Gerste ein hervorragendes Lockmittel für alles Wasserwild. Eigene Versuche mit Volierenvögeln haben ergeben, dass Enten die Futtergerste im Vergleich zum Körnermais schneller aufschließen und verdauen. Jagdpraktisch hat dies zur Folge, dass der Kropf nach der Aufnahme von Gerste schneller wieder leer ist. Das Resultat: Die Ente streicht regelmäßiger zur Kirrstelle, die schnellen Flieger lassen sich also deutlich besser an das gewünschte Gewässer binden.

Mit dem Kirren sollte bereits ab Mitte August begonnen werden. Beschränkt man sich anfangs auf eine äußerst spärliche Menge, wird im Laufe der Zeit die Kirrung und somit das zu bejagende Gewässer durch mehr Kirrmaterial immer wieder attraktiver gemacht. Regelmäßig werden die Stellen kontrolliert und Futter nachgelegt. Die Intervalle werden bis zum Beginn der Jagdzeit immer kürzer. Ab September wird dann täglich gekirrt. Wichtig ist, dass das Futter ausschließlich von Hand ausgebracht wird. Denn nur, wenn der Jäger täglich am Wasser ist, kann er auf Verhaltens änderungen der Enten reagieren. Ist die Kirrung regelmäßig angenommen worden, doch plötzlich kommt keine einzige Ente mehr, kann dies mehrere Gründe haben. Entweder sind Störungen durch Menschen oder Beutegreifer die Ursache oder der Reviernachbar hat ebenfalls mit dem Kirren begonnen.

In einem solchen Fall hilft es, das Kirrgut durch Zugabe von etwas Körnermais, Weizen und Futtererbsen aufzuwerten. Gekirrt werden sollte in den späten Nachmittagstunden. Dadurch wird vermieden, dass die Enten bereits tagsüber anstreichen und abends ausbleiben. Soweit es in der jeweiligen Landesverordnung nicht anders geregelt wurde, darf grundsätzlich nur so viel Futter ausgebracht werden, wie die Enten in einer Nacht aufnehmen können. Andernfalls verdirbt das feucht gewordene Futter. Um einen zu hohen Nährstoffeintrag durch Futtergetreide ins Gewässer zu verhindern, wird grundsätzlich nur an Land oder auf speziellen Futterflößen gekirrt.

Futterflöße:
Futterflöße lassen sich sehr einfach herstellen (siehe hier), und je nach Bauweise lässt sich eine Futteraufnahme durch Sauen, Ratten oder andere „Mitesser“ zuverlässig vermeiden. Das Futterfloß wird so im Gewässer positioniert, dass es sich am der Hauptwindrichtung entgegengesetzten Ufer befindet. Da die Enten bevorzugt gegen den Wind starten, können sie Höhe gewinnen. Gefährlich flache Schüsse werden damit ebenfalls verhindert .Foto: Jörg Rahn

Neben den Kirrstellen benötigt man selbstverständlich auch Stände für die Schützen. Den örtlichen Gegebenheiten entsprechend eignen sich Schirme aus Tarnnetzen oder natürliche Deckung, um die Jäger den neugierigen Blicken der Breitschnäbel zu entziehen. Durch hastige Bewegungen oder verfrühtes „In-Anschlag- gehen“ ungeduldiger Schützen wurde schon mancher Anflug verdorben. Aus diesem Grund ist es besser, die Schützen in Ständen unterzubringen, in denen sie derart getarnt sind, dass selbst ungeschicktes Verhalten noch nicht zum Scheitern der ganzen Jagd führt. Die alte Regel „Wirkung vor Deckung“ muss dabei berücksichtigt werden. Beim Ansprechen und Schießen darf die Tarnung den Jäger also nicht behindern. Die Stände werden so angelegt, dass die Blickrichtung nach Westen zeigt. So schauen die Schützen gegen das letzte Tageslicht der untergehenden Sonne und können die Silhouetten der einfallenden Enten genau erkennen und sicher beschießen. Etwa 14 Tage vor dem eigentlichen Jagdtermin wird damit begonnen, die abends einfallenden Breitschnäbel zu zählen. Neben der genauen Anzahl wird auch der Beginn und das Ende des Striches notiert. Diese genaue Dokumentation vermeidet lange Wartezeiten am eigentlichen Jagdtag.

Für das Treiben müssen im Vorfeld die Gewässer ausfindig gemacht werden, auf denen die Enten während des Tages liegen. Regelmäßiges, vorsichtiges Zählen der Breitschnäbel am Gewässer gibt der Jagdleitung auch hier die Gewissheit, ob der Besatz eine Bejagung zulässt. Auch bei dieser Jagdart entscheiden mehrere wichtige Punkte über den Erfolg. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Enten gegen den Wind zu treiben. Dies bedeutet, dass sich die Treiber gegen den Wind leise ans Ufer heranarbeiten, während die Schützen ihre Plätze in Windrichtung beziehen. Sowohl das Angehen der Treiber als auch das Abstellen der Jäger muss absolut leise erfolgen, damit die auf dem Wasser liegenden Enten nicht vergrämt werden. Ein Probetreiben im Vorfeld, wenige Wochen vor dem eigentlichen Jagdtag bietet die Möglichkeit, die Flugrouten der Enten genau zu beobachten. Aus diesen Ergebnissen können die richtigen Stände für die Schützen sicher erkannt und festgelegt werden. Getarnte Stände braucht es beim Ententreiben in der Regel nicht.

Säumen hohe Bäume das Gewässer, können die Schützen näher am Ufer stehen, da die Breitschnäbel recht schnell an Höhe gewinnen. Foto: Claas Nowak

Der Standort der Schützen wird lediglich durch ein farbiges Band oder einem gekennzeichneten Pflock markiert. Auf diese Weise gestaltet sich das Anstellen der Jäger wesentlich ein facher. Sollte es der örtliche Bewuchs erlauben, können die Schützen selbstverständlich gedeckt positioniert werden. Die Stände werden in einer Linie quer zur Haupt- Windrichtung verteilt. Der Abstand der Schützenlinie zum Gewässer hängt zunächst vom Bewuchs des Uferbereiches ab. Säumen höhere Bäume das Ufer, können die Jäger näher am Gewässer stehen. Ist der Bewuchs niedrig, muss der Abstand größer sein. Dies verhindert, dass zu flach geschossen wird. Außerdem haben die Enten dadurch die Möglichkeit, Höhe zu gewinnen und die Schützen zu überfliegen. Zwischen den einzelnen Jägern sollte der Abstand nicht mehr als 50 Meter betragen.

Beim Ententreiben nähert sich die Treiberwehr (links) gegen den Wind dem Gewässer. Die Enten
werden gegen den Wind aufsteigen und die Schützenkette (rechts) anstreichen. GRAFIK: SVENJA SPÖTH, SELINA BREIDLING

Vor dem Treiben muss die Jagdleitung darauf hinweisen, dass jegliches flaches Schießen in Richtung des Gewässers verboten ist. Wurden die Jäger von den Anstellern in ihre Stände
und vor allem die Gefahrenpunkte (Teich/Treiberwehr) eingewiesen, setzt die Jagdleitung per Funk oder Mobiltelefon die Treiberwehr in Marsch. Je nach Gewässergröße reicht eine Handvoll Treiber mit firmen Hunden aus. Ziel soll nicht sein, alle Enten gleichzeitig aufzumüden. Eine gute Strecke lässt sich nur erzielen, wenn die Breitschnäbel schoofweise abstreichen und den Schützen Zeit zum Nachladen bleibt.

Flach streichende Enten dürfen aus Sicherheitsgründen nicht beschossen werden entsprechend
angelegte Tarnstände können dies zusätzlich vermeiden helfen. Fotos: Jüren Weber, Michael Migos

Die  Realität sieht allerdings oft anders aus. Gerade an Gewässern mit wenig Bewuchs aus Schilf oder Rohrkolben lassen sich meist nur zwei Anflüge erzielen. Die ersten Enten streichen bereits ab, wenn sie durch Ästeknacken oder Hüsteln der Treiber beunruhigt sind.
Spätestens, wenn diese Frühstarter beschossen werden, wird sich der Restschoof in die Luft begeben. Automatisch werden sie nun versuchen abzustreichen. Jetzt sind die Treiber gefragt: Sie verlassen augenblicklich ihre Deckung und zeigen sich den Enten, damit diese in Richtung der Jäger streichen. Bietet sich hier für die Treiber(-Schützen) die Gelegenheit, die ein oder andere Ente zu erlegen, sollte dies erlaubt werden, wenn die Gefährdung Dritter ausgeschlossen ist. Sind Teile oder gar das ganze Gewässer mit Schilf bewachsen, kann sich das Treiben in die Länge ziehen. Gerade Enten, die schon öfter getrieben wurden, drücken sich im Schilf. Hier kommt nun der wasserfreudige Jagdgebrauchshund ins Spiel, der das Gewässer durchstöbert und die Breitschnäbel hoch macht.

Wenn die Treiberwehr sicher ist, dass sich keine Enten mehr auf dem Spiegel befinden, geben sie per Funk das Kommando an die Jagdleitung, die das Treiben abbläst. Kleinere Fließgewässer lassen sich auch sehr gut in breiter Front angehen. Wenn nach längeren Frostperioden Teiche und Seen zugefroren sind, liegen häufig große Schoofe tagsüber auf den eisfreien Bächen und Flüssen. Auch dort gilt sorgfältige Aufklärungsarbeit im Vorfeld: Regelmäßig werden die Brennpunkte aufgesucht und die Enten gezählt. Die Vorgehensweise beim Angehen der Enten ist relativ einfach. Mit ausreichend großem Abstand zum Ufer (je nach Bewuchs) stellt sich die Jagdgesellschaft in breiter Front parallel zum Gewässer auf. Mittig befindet sich die Jagdleitung, zwei ortskundige Jäger übernehmen die Flügelposten. Hat sich die Schützenlinie mit einem Abstand von 50 Metern von Jäger zu Jäger aufgestellt, gibt die Jagdleitung das Signal zum Angehen. Auf Handzeichen setzt sich die gesamte Linie in Bewegung und nähert sich in ruhigen Schritttempo dem Bach oder Fluss. In der Regel werden die Enten aufsteigen, sobald sie den ersten Schützen eräugt haben. Gerade bei Fließgewässern mit hoher Uferböschung wird der Schoof nicht von den Schützen wegstreichen, sondern sich aufteilen und entlang des Flussverlaufs sein Heil in der Flucht suchen. Dadurch bekommen viele Schützen die Möglichkeit, die Enten zu beschießen. Oftmals fällt die Strecke bei solchen Kurz-Aktionen erfreulich gut aus. Erst wenn ein Blick aufs Gewässer zeigt, dass alle Enten verstrichen sind, werden die erlegten Breitschnäbel von den Hundeführern und ihren Vierläufern geborgen.

Wichtig ist nun, dass kein Schütze seinen Stand verlässt, bevor er einen Hundeführer eingewiesen hat, der die beschossenen und erlegten Enten mit seinem Vierläufer nachsucht. Dies sollte bei jeder Art der Entenjagd so gehandhabt werden. Zu leicht gehen Überblick und erlegtes oder gar krankes Wild verloren. Auf was es bei der Nachsuche auf Enten ankommt, erfahren Sie im folgenden Artikel.

In sicherem Abstand bewegen sich Jäger und Hundeführer auf den Fluss oder Bach zu. Etwa 200 Meter weiter in Fließrichtung werden Hundeführer postiert, die bereits erlegte, abtreibende Enten während der Jagd bergen. GRAFIK: SVENJA SPÖTH, SELINA BREIDLING

TIPP:

Augen auf! Genaues Beobachten hilft, den neuen Aufenthaltsort der abgestrichenen Enten am Gewässer herauszufinden. Nach kurzer Wartepause kann dieser wieder angegangen werden. Gerade bei Frost sollte diese Art der Bejagung mit Rücksicht auf den Tierschutz jedoch nicht überstrapaziert werden.

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