Landesjägertag in Nordrhein-Westfalen

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LJV startet Imagekampagne 

Bauernpräsident gegen Wölfe

LJV erwartet Rückkehr zur Müller-Ente

Verdienste um Biotophege und Lernort Natur geehrt

Laschet kündigt grundsätzliche Novelle des Jagdgesetzes an

 


Eine grundlegende Überarbeitung des NRW-Jagdgesetzes hat der CDU-Landesvorsitzende und designierte Ministerpräsident Armin Laschet auf dem Landesjägertag am 10. Juni in Gütersloh angekündigt. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe die „Umerziehung“ der Jäger „überdreht“. „Das muss sich jetzt wieder ändern“, wies er den Weg für die geplante Koalition mit der FDP.

Landesjägertag Nordrhein-Westfalen
Armin Laschet (l.) und Ralph Müller-Schallenberg kennen sich seit gemeinsamen Studientagen in Bonn und wollen in einer umfassenden Revision das rot-grüne Landesjagdgesetz „vom Kopf auf die Beine stellen“. Foto: Christoph Boll

Während seiner Rede in der Stadthalle Gütersloh applaudierten die rund 800 Anwesenden immer wieder kräftig, zum Schluss anhaltend stehend. Zugleich bezeichnete Laschet eine neue Dialogkultur gegenüber dem gesamten ländlichen Raum und die Vermittlung eines realistischen Bildes von Jagd und Landwirtschaft als wesentliche Aufgabe einer von ihm geführten Landesregierung. Aufgabe der Politik sei, das Engagement der Jäger zu würdigen und hinreichend zu fördern.

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Als Armin Laschet seine Rede beendet hatte, applaudierten die Zuhörer stehend. Foto: Christoph Boll

 

Bereits als SPD und Grüne vor zwei Jahren gegen den anhaltenden Protest des Landesjagdverbandes (LJV) das Gesetz in ihrem Sinne umkrempelten, hatte die CDU erfolglos 86 Änderungsanträge gestellt. Diese bezeichneten Laschet und LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg als gute Grundlage, um das Jagdrecht in NRW endlich wieder „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen. Müller-Schallenberg mahnte „zeitnahe“ erste Signale an und geht davon aus, dass zumindest jene Punkte, die über Verordnungen und Erlasse revidiert werden können, kurzfristig angegangen werden und dann eine umfassende parlamentarische Debatte zur grundsätzlichen Änderung des Jagdgesetzes folgt. „Ich werde euch nicht in Ruhe lassen“, rief er in Richtung CDU und FDP und dämpfte allzu große Mitgliedereuphorie mit dem Hinweis „Der Drops ist noch lange nicht gelutscht“.

Laschet, seinem Verbindungsbruder und Studienkollegen aus Bonner Tagen, sicherte der LJV-Präsident die sachkundige Beratung und Unterstützung des Verbandes bei der vor der Wahl versprochenen Überarbeitung des Jagdgesetzes zu. Ziel sei nicht die Rückkehr zu Altem, sondern die Hinwendung zum Guten und die Zukunftsfähigkeit der Jagd. „Jetzt besteht die Chance, zu einem modernen Jagdgesetz und zu weiteren neuen Gesetzen für den ländlichen Raum zu kommen – und zwar nicht gegen die Hauptbetroffenen, sondern mit ihnen.“

LJV startet Imagekampagne

Der Landesjagdverband startet eine umfassende Imagekampagne. Filme und Projekte sollen sich auf der „emotionalen Ebene“ an die nicht jagende Bevölkerung wenden. Das kündigte Präsident Ralph Müller-Schallenberg an.

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Präsident Ralph Müller-Schallenberg kündigte eine große Imagekampagne des LJV an, die sich an die nichtjagende Bevölkerung wendet. Foto: Christoph Boll

 

Erste Konzeptgespräche mit einer „großen Hamburger Agentur“ wurden bereits geführt. Aus der LJV-Finanzplanung für die Jahre 2017 bis 2021, die Schatzmeister Dr. Peter Bottermann erläuterte, geht hervor, dass jährlich 300.000 Euro für die Kampagne veranschlagt sind. Der Gesamtetat für Öffentlichkeitsarbeit und Projekte steigt damit auf 1,81 Millionen Euro pro Jahr. Wie LJV-Präsident Müller-Schallenberg auf Anfrage von WILD UND HUND erklärte, sind die Ausgaben durch die Beitragserhöhung um 20 Euro, die vor drei Jahren erfolgte, gedeckt. Dies gelte auch für den um fünf Euro erhöhten Anteil, den der LJV an den DJV weiterleiten muss. Erst, wenn der LJV sich mit seiner Forderung nach Abschaffung der Jagdabgabe durchsetzt, müsse der Beitrag erhöht werden. Denn aus der Jagdabgabe werden zahlreiche Vorhaben des LJV finanziert, darunter die Verbandszeitschrift.

Bauernpräsident gegen Wölfe

Wölfe gehören aus Sicht von Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, nicht in das dicht besiedelte und bevölkerungsreichste Bundesland.

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Johannes Röring sieht in Wölfen eine Existenzgefährdung für landwirtschaftliche Betriebe mit Freilandhaltung von Weidetieren. Foto: Christoph Boll

 

„Keiner kann mir die Frage beantworten, wofür wir den Wolf brauchen“, formulierte Röring, der Bundestagsabgeordneter und Jäger ist, in seiner Festrede auf dem Landesjägertag. Er prophezeite: „Wir stolpern sehenden Auges in eine kritische Entwicklung“, die die Freilandhaltung von Weidetieren gefährde. Durch den Regierungswechsel in Düsseldorf ändert sich nach Rörings Auffassung die Atmosphäre weg vom Misstrauen gegen Jäger und Landwirte hin zum Vertrauen. Deshalb tue es „richtig gut, wieder ein befreites Land zu haben“. chb

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