Vier Teckel, kein Fuchs

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AUS DEM WILD UND HUND-TESTREVIER
Drei erfahrene Erdhunde, ein Lehrling, drei Schützen und eine Menge Baue sowie Unterschlüpfe waren die Grundzutaten für einen großen Baujagdtag.
Peter Schmitt

Dass jede Bodenjagdsaison ihre Höhen und Tiefen hat, wissen wir nur zu gut. Aber seit etwa drei Jagdzeiten können wir die Jahreserfolge auf Reineke an einer Hand abzählen (Jagdjahre 16/17 und 15/16: jeweils zwei, 14/15: drei, 13/14: 13 Füchse). Mittlerweile ist es fast schon Gewohnheit, dass wir über die Saison gesehen aus unseren elf Kunstbauen mehr Dachse buddeln und Wildkatzen sprengen als Rotröcke.

Zwar könnten wir vollkommen zufrieden sein, wenn dieser Umstand die Frucht unserer intensiven Raubwildjagd wäre beziehungsweise der Fuchsbesatz so gering wäre, wie es die Bodenjagd widerspiegelt. Aber so blauäugig sind wir nicht, da wir Jahr für Jahr die höchste Strecke im Umkreis und bis zu fünf Prozent des Gesamtabschusses des Rhein-Lahn-Kreises liefern.

Diese Saison herrscht zudem ein Ausnahmezustand, der die Situation noch verschärft: Die Staupe grassierte in der Region. Spuren und Losung verraten, dass wir zwar deutlich weniger Freibeuter, aber nach wie vor trotzdem noch einen soliden Besatz haben.

An diesem letzten Januarwochenende wollten wir es also wissen und bliesen zum Großeinsatz. Vier Mann, vier Teckel und drei Flinten kamen zusammen, um Reineke auf den Balg

zu rücken. Wir beschränkten uns nicht auf die Kunst-, sondern nahmen zuerst die Naturbaue, eine alte Feldscheune, Strohmieten sowie Reisighaufen unter die Lupe. Dabei unterstützte uns der erfahrene Baujäger und Dachshundzüchter Raphael Steppat (Zwinger „vom Brexbach“) mit seinen zwei passionierten Kurzhaarteckeln „Ella von der roten Zora“ und „Wenke Waldschreck“. Dr. Karl-Heinz Betz‘ Welpe „Carl-Hubertus vom Brexbach“, Sohn von „Ella“, war zusammen mit „Finn vom Hirschfänger“ ebenfalls mit an Bord.

Der Nachwuchs kam aber natürlich noch nicht im Naturbau oder an Wild zum Einsatz. Er sollte von seinen Artgenossen lernen und durfte bereits kontrollierte Kunstbaue untersuchen, was er mit Neugierde und Schneid auch ohne zu zögern tat.

Auf dem ersten großen Naturbau an der Langen Linie kamen gleich zwei Hunde zum Einsatz. Die Röhren sind weit verzweigt und fast alle miteinander verbunden. Dass Dachse zu Hause sein würden, war klar. Aber daran sollten sich die Erdhunde nicht stören. Sie sind im Naturbau auf die Arbeit an Reineke fixiert. Das ist zumindest im Testrevier auch gut so, denn alle Burgen liegen dort, wo ein Einschlag mit Schanzzeug nur sehr eingeschränkt möglich ist.

Aufgrund von Bruchholz konnte nicht jeder Bau bejagt werden, und es wurde bei der Standwahl teilweise improvisiert. Fotos: Raphael Steppat

Um es abzukürzen: Es war kein Fuchs daheim. Auch der nächste, sehr große und weitläufige Bau am Schönborn hielt keinen Freibeuter parat. Die erfahrenen Vierläufer schlieften nicht einmal in eine einzige Einfahrt ein. Die dritte Burg am Ringwall konnte nicht gearbeitet werden. Sie war unter mehreren Schichten geworfenen Fichten verdeckt. Unter diesen Umständen hätten wir Raubwild nicht gesehen, geschweige denn schießen können.

Aber aufgeben? Niemals! Also ging es mit Unterschlüpfen, wie Feldscheunen, Strohmieten und Reisighaufen, weiter. An einem imposanten Berg aus Ästen, Stammabschnitten und altem Grünschnitt mit den Ausmaßen einer Jagdhütte zeigten die Hunde das erste Mal gesteigertes Interesse. Während „Finn“ versuchte, sich in eineinhalb Metern Höhe in das Astgewirr zu scharren, konnten wir an „Wenkes“ Nase sehen, wohin die Reise ging. Es musste sich um einen Marder oder Iltis handeln, der sich im für die Teckel undurchdringlichen Berg in Sicherheit brachte. Alles Springen und Rütteln von Raphael brachte nichts. Und den Berg abzutragen, wäre ein Tagewerk für zehn gewesen.

Ernüchtert zogen wir die einzig noch übrig gebliebene Option. Abwechselnd arbeiteten die drei adulten Dachshunde die Kunstbaue – mit erwartetem Ergebnis: Null.

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe steht noch ein finaler Kunstbau-Durchgang an. Für „Finn“ die letzte Möglichkeit, in dieser Saison doch noch einen gesprengten Fuchs zu beuteln, beziehungsweise für „Calle“, denselbigen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ein weiteres Gastspiel von Raphael und seinen Hunden kommt dieses Jagdjahr nicht mehr zustande. Im Februar lassen wir die Naturbaue Naturbaue sein. Weder wollen wir die Dachsfähen und ihren handflächengroßen Nachwuchs in dieser sensiblen Phase stören, noch aus demselben Grund die Gesundheit der Vierläufer aufs Spiel setzten. Aber kommendes Jahr greifen wir erneut an, hoffentlich auch wieder gemeinsam.

Naturbau
Karl-Heinz‘ zu diesem Zeitpunkt 13 Wochen alter „Carl-Hubertus vom Brexbach“, genannt „Calle“, nahm die zuvor kontrollierten Baue passioniert an.
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