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Böschungssitz: Der Wegelagerer

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Im dichten Waldrevier liegen die Äsung des Wildes und das Blick- und Schußfeld des Jägers nicht auf, sondern neben der Straße. Genau da muß der Böschungssitz hin.

 

Ganz weit vorn: Durch die besondere Konstruktion ragt der Sitzkorb über die Böschungskante hinaus. So kann man Schneisen, Wege oder Rückegassen einsehen

von Heinrich Weidinger

Holzabfuhrwege, Forststraßen, Schneisen, Rückegassen – hier findet die Jagd im Wald statt, wenn man weder Windwurflöcher, noch größere Altholzkomplexe oder Waldwiesen hat. Aber auch auf der Drückjagd sind solche Schneisen oft der Schlüssel zum Erfolg.

Neben diesen „Verkehrswegen“ ragen oft meterhohe Böschungen hoch – gerade recht für einen Sitz. Reicht der Baumbestand aber bis an die Böschungskante, bleibt nur wenig Platz, um Ansitzeinrichtungen mit großer Grundfläche unterzubringen.

Andererseits muss bei „echten“, das heißt an oder in Bäume gestellten Leitersitzen, oft viel zu viel freigeschnitten werden, um Sicht- und Schussfeld zu bekommen. Wer aber hier den Böschungssitz hinstellt, hat schon halb gewonnen.
Die Höhe des Sitzes richtet sich selbstverständlich nach der Böschungsoberkante. Deshalb fehlen hier feste Längenmaße. Für die Breite kann man sich – je nachdem, ob der Sitz für ein oder zwei Personen gedacht ist – an vorhandenen Einrichtungen orientieren.

Aufbau

Am Fuß der Böschung stehen die (in diesem Fall drei) leicht geneigten Holme auf Steinen, um Fäulnis zu vermeiden. Auf Höhe der Böschungsoberkante befestigt man an den äußeren Holmen je einen Verbindungsriegel (VR). Diese Riegel verbinden die Front mit je einem Wurzelanlauf oder Baum(-stubben).

Länger als vier Meter sollten die Riegel aber nicht sein, damit sie nicht durchschwingen. Um die Nagelung an den Holmen zu entlasten, empfiehlt es sich, den Trageriegel (TR) mit einzubauen. Dieser ermöglichst es beim Bau, die Verbindungsriegel auch ohne zweiten Mann aufzulegen, und zusätzlich erhöht er die Stabilität.

Ein weiterer Vorteil für den Jäger, der allein arbeitet: Fast alle Arbeiten laufen auf der Erde ab, wenn auch auf unterschiedlichem Geländeniveau.

Unterbau

Zuerst wird die Leiter vorgefertigt, dann bringt man wie oben beschrieben die Verbindungsriegel an. Sind diese erst an den Außenholmen und mit dem Wurzelanlauf verbunden, kann von der Leiter aus der weitere Aufbau der Belag- und Sitzfläche beginnen.

Für alle tragenden Bauteile sollte Rundholz von etwa sechs bis acht Zentimeter Stärke verwendet werden. Als Nägel werden die Größen 80, 100 und 120 Millimeter benötigt, letztere für die Nagelung der Sprossen und Riegel auf die Holme. Mit je einem „200er“ werden die Verbindungsriegel knapp über Bodenhöhe mit dem Ankerbaum oder Stubben verbunden.

Befindet sich am vorgesehenen Standplatz keine natürliche Befestigungsmöglichkeit, kann durch eingeschlagene Pflöcke oder eingegrabene Profileisen eine geschaffen werden.

In diesen Fällen empfiehlt sich eine Verbindung mittels Schlossschrauben (siehe Skizze). So lässt sich der Sitz auch von „wohlwollenden Zeitgenossen“, die des Weges kommen, nicht mehr umwerfen.

Im nächsten Schritt werden die Belaghölzer (FB) aufgenagelt. Ob Rundhölzer oder Halblinge verwendet werden, ist zweitrangig. Für zwei Personen gedacht, sollte die Frontbreite nicht unter 105 Zentimetern liegen. Für den Belag ergibt sich daraus eine Breite von etwa 125 Zentimeter. Je nach Abstand zueinander reichen sechs bis acht Riegel aus.

Nun werden die Holme für die Rückenlehne (LH, Ø ca. 6 cm), mit leichter Neigung nach hinten, von außen an die Verbindungsriegel genagelt. Vorher empfiehlt es sich, je eine Kerbstütze zu schaffen, um die Last vom Nagel zu nehmen. Die Lehnenholme werden mit dünnen Stangen über Kreuz verbunden.

Oberbau

Danach befestigt man die Lehnenholme und die Frontholme mit Querhölzern (SR) auf passender Sitzhöhe (je nach Körpergröße zwischen 40 und 50 cm) und darauf die Sitzbretter (SB). Ob Klappbrett oder festgenageltes Holz, mag jeder für sich entscheiden.

Von der Sitzbretthöhe aus wird die Position der Gewehrauflage ermittelt, was vom Gelände abhängt und sich erst in diesem Bauabschnitt festlegen lässt.

Um schon jetzt die empfehlenswerten Armlehnen einzuplanen, bietet sich folgende Vorgehensweise an: Die seitlichen Gewehrauflagen (GA) werden an die Lehnen- und Frontholme von außen befestigt, die Armauflagen (AL) dagegen innen. Im Bild sind die Auflageriegel auf die Frontholme von oben aufgenagelt, was sich in der Praxis als gute Lösung bewährt hat.

Als Lehne können sowohl dünne Stangen, als auch Bretter verwendet werden. Die sollte man aber streichen, damit sie nicht zu auffällig „leuchten“. Selbst wenn alles aus Rundhölzern gefertigt wurde, sollten wenigstens die Schnittflächen dunkelbraun gestrichen sein.

Zeigt sich, dass die Verbindungshölzer durchschwingen, können die schräge Verstrebung (ST) oder eine Unterstützung auf dem Boden der oberen Ebene den Sitz stabilisieren.

Als vordere Gewehrauflage dient schließlich ein Riegel, der quer zwischen Gewehr- und Armauflagen eingeschoben wird. Dass er nicht nach innen wegrutscht und Halt beim Aufstehen gibt, verhindern lange Nägel, die durch die Gewehr- in die Armauflage durchgeschlagen werden. Für diesen Zweck sind aber auch andere Lösungen denkbar.

Zusätzlich muss man noch das „halbe Geländer“ (HG) vorn annageln, um zu verhindern, dass man irgendwann einmal auf der Seite absteigt, wo keine Sprossen sind. Man kann aber auch die Sprossen über die ganze Leiterbreite ziehen.

Die Verankerung am Wurzelanlauf ist übrigens selbst bei Wertholz völlig unbedenklich, da der Fällschnitt über den Befestigungspunkt gelegt werden kann. Noch besser sind aber geeignete Baumstümpfe. Deren Schnittfläche sollte man allerdings abdecken, damit sie nicht so schnell verrotten.

Guter Sitz mit wenig Aufwand

Mit recht wenig Aufwand und in kurzer Zeit bekommen Sie also einen Sitz, der trotz der wenigen Sprossen und relativ niedrigen Sitzposition gute Sicht- und Schussmöglichkeit bietet. Außerdem ist er völlig unempfindlich gegen Wind, weil sich das Schwanken des Baumes nicht überträgt.

Alles in allem eine feine Ergänzung des „jagdlichen Mobiliars“, die sowohl beim Ansitz als auch bei der Drückjagd gut nutzbar ist.

 

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