Erfolgreich Tauben locken: Reine Handarbeit

1814


Lockjagd ohne technische Hilfsmittel gilt als die hohe Schule. Dabei ist es gar nicht so schwer, den Balzruf des Taubers auf den Händen zu „spielen“.

 

Eine mögliche Variante: Hände „gebetsähnlich“ falten und oben zwischen den Daumenknöcheln hineinblasen

von Matthias Klotz

Die „Alten“ können im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen; denn sie hatten es noch „drauf“, Tierstimmen nachzuahmen, ohne dafür extra hergestellte Instrumente zu benutzen.

Sei es das Fiepen auf Buchen- oder Faulbaumblatt, die Hasenklage mit Lippen und einer Hand, der Hirschruf auf dem Herakleumrohr oder eben der Balzruf des Taubers auf beiden Händen.

Wir Jüngeren sind da schon verwöhnter: Für fast jede Lautäußerung des Wildes gibt es spezielle Locker (z. B. von Hubertus oder Faulhaber), die den Jagderfolg erhöhen sollen. Da ist die Freude groß, wenn man zuerst gut gelockt und dann noch gut geschossen hat.

Aber wer schielt nicht neidisch auf die Jäger, die für eine erfolgreiche Lockjagd keine Hilfsmittel brauchen, denen gar die bloßen Hände genügen? Sicher ist das nicht Jedermanns Sache, aber den Balzruf des Taubers „manuell“ nachzuahmen, ist eigentlich nicht so schwer.

Das Geheimnis des Erfolges

Das Geheimnis des Erfolges liegt darin, mit beiden Händen einen Hohlraum zu formen, der absolut luftdicht ist. Nur zwischen den Daumen bleibt ein Spalt frei. Und der muss ausreichend groß sein, damit man am einen Spaltende hineinblasen und die Luft am anderen Spaltende auch wieder herausströmen kann.

Für Anfänger ist es wichtig, diesen ersten Schritt soweit zu beherrschen, dass überhaupt ein Ton herauskommt. Wie man dabei den Hohlraum formt und ob man die Lippen oben – an den abgewinkelten Daumenknöcheln – oder unten – an den Daumenwurzeln – ansetzt, ist eigentlich egal; Hauptsache, es kommt etwas Hörbares dabei raus.

Hier ist nicht nur Improvisationstalent, sondern auch Geduld gefordert. Probieren Sie einfach verschiedene Handhaltungen aus, pusten Sie mal leichter und mal fester, entweder oben oder unten hinein. Manche haben den „Dreh“ sofort raus, andere erst nach Tagen. Verlernen wird man es aber nie.

Ist diese erste Hürde genommen, hat man bereits die halbe Miete in der Tasche. Denn jetzt kommt es nur noch darauf an, die Größe des Hohlraums so zu verändern, dass nicht irgendein, sondern eben der passende Ton erschallt. Je größer dieser Raum, desto dunkler der Ton.

Eigentlich haben Sie es jetzt schon geschafft, fehlt nur noch die richtige Strophe.

Und die zu erlernen, ist nach den vorherigen Lektionen ein Kinderspiel. Ein balzender Tauber hat folgende „Melodie“ im Repertoire (kursiv geschriebene Laute werden betont):
„Grugru-grugru — grugru$(kursiv:gru-grugru — grugru$(kursiv:gru)-grugru — huk.“)

Das „R“ im „gru“ kann man leicht nachahmen, indem man beim Pusten einen rollenden „R“-Laut mit Zunge und Gaumen macht. Der letzte, mit „huk“ bezeichnete Laut geht ohne rollendes „R“, aber ihn darf man keinesfalls weglassen. Ein Tauber, der darauf „verzichtet“, deutet damit nämlich an, dass etwas nicht stimmt, und schnell wird aus dem Locken ein Warnen.

Wer die beidhändige Technik beherrscht, sich aber nicht sicher ist, ob er auch tatsächlich einen Tauber oder nicht doch einen Donau-Dampfer imitiert, kann entweder draußen im Revier den gefiederten Experten zuhören, oder sich eine Kassette mit Tierstimmen kaufen.

Bewährt haben sich hier z. B. das Buch mit Tonband „Fuchsreizjagd – Enten- und Taubenlockjagd“ von Alfred Sieber oder die CD „Wildtierstimmen“ von WILD UND HUND.

Ach ja, eins noch sollten alle bedenken, die die „reine Handarbeit“ zum Aufgang der Balz perfekt beherrschen: Irgendwann muss man die Hände vom Mund nehmen und zur Flinte greifen; denn sonst war alles Üben umsonst.

 

ANZEIGEAboangebot