Drückjagd-1×1

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Der Erfolg von Bewegungsjagden ist bekanntlich nicht planbar. Um aber zumindest einen reibungslosen Ablauf garantieren zu können, ist ein besonderes Maß an Planung und Erfahrung notwendig.

 

Die zu besetzenden Stände im Rahmen einer Bewegungsjagd können nach Rücksprache mit dem Schützen jährlich optimiert werden. Wo zu ebener Erde geschossen wird, muss aus Sicherheitsgründen eine besonders genaue Einweisung erfolgen

Von Ulli Berens

Der Erfolg selbst hängt neben einer akribischen Planung, guten Treibern und Hunden zu großen Teilen von dem Verhalten und der Schießfertigkeit der Jagdgäste ab: Schnelles, sicheres Ansprechen und eine ebenso schnelle und sichere Schussabgabe sind gefragt. Die Stände sollten nach den Fertigkeiten der Schützen verteilt werden. Zusätzlich sollte die „Geländegängigkeit“ der Gäste berücksichtigt werden. Älteren Teilnehmern müssen nicht unnötig weite Wege zum Stand und zurück zugemutet werden.

Jagdeinladung

Auf der Einladungsliste sollten die Reviernachbarn sowie eine ausreichende Zahl Jagdhornbläser stehen. Mit den Nachbarn muss zumindest eine klare Absprache zu den Themen Wildfolge und überjagende Hunde getroffen werden. Die Einladung selbst sollte folgende Angaben enthalten:
  • Datum und Ort der Jagd
  • Treffpunkt, Anfahrtskizze
  • Freigabe
  • Zeitplan (inkl. Schüsseltreiben)
  • Ausrüstung (Signalbänder, Rucksackverpflegung usw.)
  • Welche Reviereinrichtungen besetzt werden (Sitzstock?)
  • Hinweis auf die Kontrolle des Jagdscheines
  • eventuell Liste mit Unterkünften in Umgebung

Die in der näheren Umgebung wohnenden Teilnehmer können am Morgen der Jagd anreisen. Für all diejenigen, die von weither kommen, empfiehlt sich dagegen die vorabendliche Anreise. Eine Autopanne, ein Verkehrsstau oder welcher Grund auch immer, können den gesamten zeitlichen Ablauf der Jagd durcheinander bringen.

Gruppenführer

Eine ganz wichtige Rolle spielen die so genannten Gruppenführer, die stets aus ortskundigen Jägern rekrutiert werden. Ihnen obliegt es:

  • die jeweiligen Teilnehmer zu ihrem Stand zu bringen und wieder abzuholen.
  • sie dort einzuweisen (Schussfeld, Nachbarn, Verlauf der Treiben, Versorgung erlegten Wildes).
  • Anschüsse zu begutachten und zu verbrechen.
  • jedem Gruppenmitglied eine Standkarte zu übergeben.

Der Gruppenführer selbst erhält, wie die Treiber- und Hundeführer, zusätzlich ein Anstellerprotokoll und eine Detailkarte, auf der die Stände, die er besetzen muss, farblich markiert sind. Zusätzlich kann hier der Name des Schützen vermerkt werden. Soll das gestreckte Stück Wild dem Erleger zugeordnet werden, wird es mit einer Ohrmarke versehen. Der Gruppenführer notiert sich auf der Gästeliste hinter dem jeweiligen Namen die Wildart, die Nummer der Ohrmarke, aber auch mögliche Nachsuchen. Nach Beendigung der Jagd meldet er alles dem Jagdleiter.

Zahl und Größe der Treiben

Die Zahl und Größe der Treiben wird durch die Reviergröße sowie die Anzahl der Jäger, Treiber und Hunde beeinflusst. Mehrere kleinere Treiben erfordern durch das notwendige Umsetzen, Anstellen und Neueinweisen der Jäger, Treiber und Hundeführer einen weitaus größeren organisatorischen Aufwand.

Es ist abzurate, vor- und nachmittags mehr als ein Treiben durchzuführen. In der dazwischenliegenden Mittagspause können die Jäger über das nachmittägliche Treiben informiert werden, sich aufwärmen, stärken und später neu konzentrieren. Erfolgen mehrere Treiben in einem Revierkomplex kann der Erfolg des Jagdtages durch jagende Hunde (vom ersten in die nächsten Treiben) stark geschmälert werden. Es ist weiterhin nicht auszuschließen, dass krankes Wild aufgemüdet wird, was die Nachsuchen erschwert.
Findet nur ein großes, zeitlich begrenztes Treiben statt, müssen die Schützen länger auf ihrem Ansitz verharren. Brotzeit kann mitgegeben werden.

Nachsuchen am Nachmittag

Mögliche Nachsuchen lassen sich am Nachmittag gefahrlos und bei gutem Licht durchführen. Zudem entfällt die Hektik beim Umsetzen. Nachsuchengespanne sollten vor der Jagd organisiert werden.

Drückjagdstände

Die Effektivität von Bewegungsjagden lässt sich durch den Einsatz von transportablen Drückjagdständen erheblich steigern. Die Pfosten sind brüstungseben abgesägt, so dass ein Schießen und Mitschwingen nach allen Seiten möglich ist. Als Standplätze eignen sich Wechsel, die möglichst weit von den Einständen entfernt sein sollen, Althölzer oder Stangenhölzer sowie Zwangswechsel. Sie sollten nicht an Wegen oder schmalen Schneisen zwischen zwei Dickungskomplexen aufgestellt werden. Das Wild überfällt diese Lichtbrücken meist fluchtartig. Auf Kugelfang ist generell größte Sorgfalt zu legen. Wo zu ebener Erde geschossen wird, muss aus Sicherheitsgründen eine besonders genaue Einweisung durch den Ansteller oder Gruppenleiter erfolgen. Die Stände sollten kontrolliert und ausgezeichnet, sichere Schussbereiche markiert und die Lage der Nachbarstände bekannt gegeben werden. Der Standort der Sitze kann durch die Befragung der Jagdteilnehmer ständig optimiert werden. Eine Sicherheitsbelehrung aller Teilnehmer an der Gesellschaftsjagd durch den Jagdleiter ist vor Beginn der Jagd Pflicht.

Treiber und Meuten

Bei großräumig angelegten Bewegungsjagden ist es sinnvoll, mehrere Gruppen mit „Beunruhigern“ zu bilden, die gleichzeitig unter Führung eines Ortskundigen in verschiedenen Revierteilen treiben. Jeder Treiberführer erhält eine Detailkarte des Reviers, in der die Marschrichtung seiner Gruppe mit farbigen Pfeilen dargestellt ist. Zusätzlich sind die einzelnen Schützenstände eingezeichnet. Selbstverständlich müssen alle Treiber mit Signalkleidung ausgestattet sein. Die Jagdhunde sollten Schutzwesten oder Signalhalsungen tragen, die mit der Anschrift und Telefonnummer des Führers beschriftet sind. Hier können auch Hundeortungssysteme zum Einsatz kommen, die zum Beispiel über die WILD UND HUND-Revierwelt abgefragt werden.

Bergen

Bei länger dauernden Bewegungsjagden ist es ratsam, das Wild sofort nach Ende des Treibens aufzubrechen. Hierfür ist der jeweilige Erleger zuständig. Bei größeren Jagden müssen mehrere Wildwagen zum Einsatz kommen, die mit jeweils zwei Leuten besetzt sind zum Aufladen der Beute. Die Wagen fahren eine jeweils vorgegebene Strecke ab und bringen das Wild anschließend zum Sammelplatz. Bei kleineren Jagden kann das Wild unaufgebrochen zu einem zuvor bestimmten Aufbrechplatz gefahren werden, um dort zentral versorgt zu werden. Die Aufbrüche werden gesammelt und entsorgt. Der Streckenplatz wird Brauchtumsgerecht vorbereitet. Soll das Wild vom Streckenplatz direkt verkauft werden, muss eine Waage bereitstehen. Auf Wildbrethygiene ist zu achten.

Die einfachste Art der Wildbretvermarktung ist der Verkauf an einen zuvor bestellten Wildhändler. Der Verkauf an nicht kommerzielle, private Abnehmer ist organisatorisch erheblich aufwendiger und erfordert ausreichend Platz zur Zwischenlagerung (Wildkammer, Kühlzelle).

Der Streckenplatz muss im Vorfeld der Jagd vorbereitet werden. Dazu gehören ausreichend Fichtenzweige zum Umkränzen der Strecke, Erlegerbrüche sowie eventuell die Anlage von Feuern. Mit der Organisation sollte ein „Streckenmeister“ betraut werden.

Eine gewisse Anzahl transportabler Ansitzböcke sollte in keinem Waldrevier fehlen.

 

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