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Waidmannsheil mit Gottes Segen

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Passionierter Rüdemann, Jäger und Pastor:
Wenn die Jäger im Revier Werlte I zur Jagd gehen, dann ist Rudolf Kruse dabei, denn er war hier über 30 Jahre lang nicht nur Gemeindepfarrer, sondern ist auch heute noch Jagdpächter. Aber nicht nur wegen seiner humorvollen Art oder wegen seiner Jagderfahrung wird der passionierte Geistliche geschätzt und verehrt. Die aus seinem DD-Zwinger „vom Vechtetal“ stammenden Hunde sind ein Begriff in Jägerkreisen. WuH-Redakteur Rolf Kröger hat den sympatischen Rüdemann besucht.

 

Seine Hund sind für Pastor Rudolf Kruse mehr als vierläufige Jagdhelfer – sie sind seine Freunde

WuH: Pastor Kruse

Pastor Kruse: „Genbedingt!“ Mein Vater war Jäger und zwei meiner Brüder sind es auch. Ich habe von Kind an jeden Sonntag nachmittag in der Natur zugebracht, kannte jede Kiebitzbrut, kannte meine Uferschnepfen und wusste, wo sich die Großen Brachvögel aufhielten. Das ist so, wenn man auf dem Lande groß wird. Es war für uns als Jungs beispielsweise das Natürlichste von der Welt, im Frühjahr die Krähen- und Elsternnester zu kontrollieren. Ich bekam ein Auge für viele natürliche Zusammenhänge, kannte jeden Vogel und sah jeden Kanickelbock sitzen. Wir hatten eine kleine Landwirtschaft und fuhren oft mit dem Pferdegespann durchs Revier, und ich beobachtete das heimische Wild in seinem Lebensraum. So bildete sich von Anfang an ein inniges, unverkrampftes Verhältnis zur Natur und ihren Zusammenhängen.

WuH: Was hat Sie bewegt

Pastor Kruse: Zu Hause hatten wir immer Jagdhunde. Mein erster Hund war ein Terrier ohne Papiere – eine ganz interessante Geschichte. Wir wohnten in der Nähe der niederländischen Grenze und kurz hinter der Grenze war ein Altenwohnheim. Viele der dort tätigen Ordensschwestern kamen aus Deutschland, die hatten natürlich unter der Besatzung durch die Deutschen zu leiden, und die Angehörigen brachten Pakete für sie zu meinem Vater. Wir fuhren diese mit dem Fahrrad über die Grüne Grenze zu den Ordensschwestern. Dort traf ich einen Franziskaner-Pater, der gerade einen Wurf Jagdterrier liegen hatte. Ich war völlig verrückt nach einem solchen Hund und nachdem ich meinen Vater gelöchert hatte, durfte ich mir endlich einen der Welpen holen. Der Pater kommentierte die Sache mit den Worten: „Diesen Hund kriegst du, der hat nämlich einen halben braunen Kopf. Der ist halber Nazi, der muss hier weg.“

WuH. Und wie begann es mit Deutsch-Drahthaar?

Pastor Kruse: Mein erster DD-Hund hieß „Vitus von der Suhle“, auf ihm habe ich meinen Zwinger aufgebaut. Die Welpen meines ersten Wurfs hießen alle Tropi. Das kam so: Mein Freund war Tierarzt, und ich sagte zu ihm: „Kerl, mein Vitus hat meine Anke gedeckt, das darf nicht sein.“ „Kein Problem“, meinte der Veterinär und behandelte die Hündin mit Medikamenten, damit sie nicht tragend wurde. Aber sie wölfte trotzdem drei Welpen und die nannten wir Tropi I, II und III – vonwegen „Trotz Pille“.

WuH: Seit wann züchten Sie DD?

Pastor Kruse: Seit wohl 35 Jahren. 1970 bekam ich die Anerkennung meines DD-Zwingers „vom Vechtetal“. Seitdem bin ich das zweite Mal durchs Alphabet bis zum Buchstaben „V“, und ich züchte auch Rauhaarteckel unter dem Zwingernamen „vom Sixtusberg“.

WuH: Züchten Sie nur

Pastor Kruse: Ich habe allein etwa 25 DD-Hunde auf VGP vorgestellt und führe jedes Jahr jeden Hund gleich im ersten Feld über Jugendsuche und Herbstzuchtprüfung bis hin zur VGP. Möglichst auch gleich Bringtreue (BTR), Verlorenbringer (VBR), Armbruster Haltabzeichen (AH) und was sonst noch so dazu gehört. Auch auf der Hegewald bin ich schon ein paarmal gewesen.

WuH: Häufig finden Hundeprüfungen ja auch sonntags statt

Pastor Kruse: Ich war ja praktisch immer in Rufweite und bestimmte selbst, ob ich sonntags Gottesdienst halte oder nicht. Wenn ich sonntags einmal nicht konnte, zelebrierte ich meine Heilige Messe eben bereits samstags. Wichtig ist doch, dass ich gegenüber der Kirche und dem lieben Gott meine Pflicht tat und tue.

WuH: Sehen Sie keinen Widerspruch zwischen der Jagdausübung und dem christlichen Gebot: Du sollst nicht töten?

Pastor Kruse: Ich habe damit überhaupt keine Probleme, denn meine Basis auf Grund meiner Philosophie kommt aus der Bibel: „Gott schuf die Erde und er sah, dass es gut war“. Dann habe ich als weitere Vorbilder den Heiligen Eustachius und den Heiligen Hubert mit Hirsch. Auch Franziskus – für mich einer der grössten Reformatoren des Mittelalters – hat den Menschen wieder gesagt: „Das ist Schöpfung, Bruder Esel, Schwester Mond“ – ich deute das nur mal an. Ich habe also ein sehr positives Verhältnis zur Natur und bin kein „Grüner Spinner“, kein Utopist. Ich weiss, dass wir regulierend eingreifen müssen, um Gleichgewicht zu haben.

WuH: Sind sie selbst Verbandsrichter?

Pastor Kruse: Nein, absolutes nein, denn ich hatte als Pfarrer in meiner sehr großen Gemeinde mit vielen Räten soviel zu entscheiden und zu richten – das genügte mir. Aber eins noch: Es fällt einem älteren, erfahrenen Rüdemann manchmal doch schwer, sich von Richtern beurteilen zu lassen, die noch nicht ganz reif sind.

WuH. Haben Sie ein eigenes Revier?

Pastor Kruse: Ja, das Revier Werlte I habe ich mit fünf anderen Jägern zusammen gepachtet. Ich bin von uns der älteste Pächter und bejage dieses Revier im 32. Jahr. Wir haben eine tolle Kameradschaft, deshalb gehe ich hier sehr gern zur Jagd.

WuH: Niederwild

Pastor Kruse: Vor allem Niederwild. Fasanen und Hasen haben wir ganz gut. Die Karnickel machen uns neuerdings Sorgen. Noch vor zwei Jahren schossen wir 350 Lapuze, davon 150 frettiert, aber dann kam die Myxomatose. Wir konnten die Kadaver mit der Kiepe aufsammeln. Vor zwei Jahren erlegten wir noch 15 Karnickel und in diesem Jahr bisher erst eins. So hat die Myxomatose hier zugeschlagen. Rebhühner haben wir auch noch ein paar Ketten, aber die schonen wir und außerdem kann man sie ja bei dem vielen Mais im Herbst eh nicht mehr ordentlich vor’m Hund bejagen. Aber im Frühjahr lernen meine Hunde an den Paarhühnern sicheres Vorstehen.

WuH: Halten Sie es für realistisch

Pastor Kruse: Wir haben sehr viel Angst um die Zukunft der Jagd in Deutschland. Meine Freunde und ich diskutieren oft darüber, und jetzt, nach dem neuesten Wahlergebnis wachsen unsere Befürchtungen. Am meisten haben wir Angst, dass wir sogenannte holländische Verhältnisse bekommen. Ich jage nämlich viel mit Holländern zusammen und höre mit Entsetzen von den unglaublichen Auflagen, die den Jägern in unserem Nachbarland das Leben schwer machen. Ich finde, die Politik schlägt mit solchen Maßnahmen den Sack und meint den Esel. Aber wir lassen uns nicht kampflos den jagdlichen Hahn zudrehen.

WuH: Werden Sie trotzdem weiter DD und Teckel züchten?

Pastor Kruse: Ja, das werde ich, weil es für mich Lebenselexier ist. Hund ist bei mir Medium zur Gesundheit. Ich muss einfach immer wieder mit meinen Vierläufern raus, um mit ihnen zu üben und nochmal zu üben. Auch helfe ich gern Freunden bei der Ausbildung, weil Hundeführen eben mein Hobby ist und bleibt. Nein, ich kann mir ein Leben ohne große Vorstehhunde einfach nicht vorstellen.

WuH: Haben Sie Gewissensschwierigkeiten mit der Erbringung des Härtenachweises (HN? Den müssen Sie ja als DD-Züchter nachweisen.)

Pastor Kruse: Nein, ich habe damit keine Schwierigkeiten, weil ich in meiner Zuchtlinie seit mehreren Generationen zuverlässige Schärfe drin habe. Meine Hunde haben alle einen ehrlichen Schärfenachweis erworben.

WuH: Es macht Ihnen also nichts aus

Pastor Kruse: Nein, im Gegenteil. Streunende Katzen draußen im Revier sind die ärgsten Feinde der Singvögel und des Niederwildes, deshalb müssen wir sie kurzhalten.

WuH: Haben Sie schon mal Vorwürfe bekommen

Pastor Kruse: Nein, im Gegenteil. Ich hatte immer mit den Bauern ein sehr gutes Verhältnis, denn die Kirchengemeinde hat etwa 100 Hektar Land und hatte immer wieder mit den Landwirten zu tun bei Verpachtung und Grenzfragen. Ich bin nie angefeindet worden und muss dazu sagen, ich habe meinen Beruf immer sehr ernst genommen, ging abends um 11 Uhr ins Bett, zog morgens um 6 Uhr meine Hose wieder an und war sehr fleißig. Ich war wirklich ein Basis-Pfarrer.

WuH: Haben Sie schon einmal daran gedacht

Pastor Kruse: Nein. Soweit geht meine Angst nicht, weil ich hoffe, dass der Verstand der Verantwortlichen siegen wird.

WuH: Wie bilden Sie Ihre Hunde aus

Pastor Kruse: Also, meine Hunde lernen erst das Laufen, dann das Spielen und danach führe ich sie langsam an Wild heran. Erst dann beginne ich mit der Dressur und arbeite viel mit der langen Feldleine. Aber Zwangsapport muss sein, das weiß ich spätestens seit dem ich einmal eine Hündin führte, die im Apport nicht konsequent durchgearbeitet war. Nur mit Zwangsapport werden zuverlässig auch Klippen wie die Fuchsfächer gemeistert. Ich habe mich sehr viel mit Uwe Heiss beschäftigt, den ich für einen hervorragenden Hundeausbilder halte. Er hat mir manchen Tipp gegeben für die Schweißarbeit und andere Abrichtefächer und wenn ich einmal festsitze, rufe ich ihn telefonisch an und er findet eine Lösung.

WuH: Sind Ihre Jagdhunde für Sie mehr als nur Gebrauchshunde?

Pastor Kruse: Alle meine Hunde, die Sie hier heute gesehen haben – auch meine kleinen Dackel – sind meine Freunde. Strafe kennen sie so gut wie nicht. Morgens begrüßen sie mich freundlich, wir gehen dreimal am Tag zusammen raus, denn Hunde sind soziale Lauftiere. Nur so bleiben sie gesund.

WuH: Warum tun einige unserer Funktionäre so

Pastor Kruse: Da gebe ich ihnen Recht. Es ist mehr als 5 nach 12 Uhr. Uns weht der Wind gewaltig ins Gesicht, und ich habe manchmal die Befürchtung, dass unsere Verbände nicht aktiv genug sind und nicht genug bewirken.

WuH: Pastor Kuse

Pastor Kruse: Ja, als erster mit Fahne.

WuH: Was können wir Jäger Ihrer Meinung nach tun

Pastor Kruse: Wir müssen Basis-Arbeit leisten und den Leuten und auch den Politikern klarmachen, welche Vorteile es hat, wenn wir auf eigene Rechnung Hecken und Remisen pflanzen und Teiche anlegen und weshalb wir Raubwild bejagen müssen. Das Jagdrecht ist ein altes naturgegebenes Recht mit Bindung an den Grund und Boden. Der Fischer geht fischen, der Reiter reitet – warum sollen wir Jäger nicht weiter unserer Passion nachgehen, die ja auch viel Gutes bewirkt – nicht nur für das Wild. Dafür werde ich kämpfen bis zum letzten Tropfen meines Blutes.

WuH: Haben Ihre Kollegen und Vorgesetzten nie an Ihrer Passion Anstoß genommen?

Pastor Kruse: Meine Kapläne hatten viel Freude an meinen Hunden. Manche Mitbrüder schmunzeln über mich und meine Passion. Das geht meist in Humor über, weil sie die Materie nicht beherrschen.

WuH: Wenn man Ihre großartige

Pastor Kruse: Ja. Alleine wäre das für mich nicht zu bewältigen, aber ich habe das Glück, dass meine Haushälterin, Frau Untiedt, selbst Jägerin ist und mich bei Hund und Jagd tatkräftig unterstützt.

WuH: Jagen Sie auch außerhalb von Werlte?

Pastor Kruse: Meine Sauen habe ich in der Eifel und in Brandenburg erlegt. Gern nehme ich auch Einladungen zu Niederwildjagden in benachbarte Reviere an, denn ich liebe die Gesellschaft und die Begegnung mit Menschen.

WuH: Sie führen auch Teckel?

Pastor Kruse: Ja. Meine Teckeline „Bessy vom Sixtusberg“ ist jetzt ein Jahr alt. Ich führe sie demnächst auf der Spurlaut- und Bauprüfung.

WuH: Pastor Kruse

Pastor Kruse: Ich bin ohne Unterbrechung seit etwa 35 Jahren ein Fan von WILD und HUND, erfreue mich an den herrlichen Bildern und hole mir Anregungen aus dem fachlichen und aktuellen Bereich.

WuH: Mir fiel auf

Pastor Kruse: Ich selbst stehe da auch vor einem Rätsel, aber ein kluger Freund fand eine plausible Erklärung. Er sagte: „Du, mein Lieber, das muss wohl am Zölibat liegen.“

„Ich bin kein Utopist, kein „Grüner Spinner“. Ich weiß, dass wir wegen des Gleichgewichts in die Natur eingreifen müssen!

 

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