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Mit sanftem Zwang?

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Schiess-Standbesuche:
Kaum mehr als 5 000 Jagdscheininhaber betreiben regelmäßig das jagdliche Schießen. Die übrigen stehen mehr oder minder abseits, wenn es um den Nachweis der Schießfertigkeit geht. Doch lässt sich das mit des Jägers Ehrenschild und den Belangen des Tierschutzes vereinbaren, und sollte da der Gesetzgeber nicht ein wenig nachhelfen?

 

Von Wolfram Osgyan

Waidgerechtes, das heißt tierschutzgerechtes, Jagen kann nur durch einen handwerklich perfekten Gebrauch von Flinte und Büchse erreicht werden. Ziel muss es sein, dass möglichst viele Jägerinnen und Jäger regelmäßig an jagdlichen Schießen teilnehmen“, heißt es in der Präambel zu den neuen DJV-Schießnadeln. Die Verfasser dieser Zeilen kennen demnach ihre Pappenheimer ganz genau, wenn sie von „möglichst vielen Teilnehmern“ sprechen.

Diese bis dato in Sachen Schießstand passive Mehrheit rechtfertigt ihre Abstinenz wie folgt:

– Auf den Ständen seien sowieso nur Profis, gegen die der Normaljäger keine Chance habe.
– Die jagdlichen Disziplinen können nur mit Matchbüchsen erfolgreich bestritten werden.
– Die Position „Fuchs liegend“ sei praxisfremd.
– Stehend freihändig befunkten nur „Schießer“ auf 100 Meter das Wild.
– Die Hochwildbüchse versetze einem beim Schuss eine Backpfeife und würde zudem davonfliegen, wollte man sie nach Art der Biathleten anschlagen.
– Scheel angeguckt werde, wer mit Schalenwildpatronen für Paukenschläge im Konzert der Schonzeitpatronen sorgt.
– Die auf der Jagd mit Abstand gebräuchlichste Position „sitzend aufgelegt“ fehle beim jagdlichen Schießen ganz.
– Der „Keiler“ laufe immer nur von rechts nach links, und wechsele dabei nie sein Tempo.
– Die Ringeinteilung sei verkehrt, da sie der Anatomie des Wildes und den tödlichen Trefferzonen zu wenig Rechnung trage, dafür aber das Zerschießen edlen Wildbrets unterstütze.
– Man dürfe nur eine Patrone laden und habe den Gewehrriemen abzunehmen.
– Der Gebrauch von Selbstladebüchsen und -flinten auf den meisten Ständen wie auch das Schießen mit Flintenlaufgeschossen sei untersagt.
– Die schnellen Traptauben animierten zum weiten Schießen und würden damit die Aasjägerei fördern.
– Die Skeettauben seien wertlos für die Praxis, weil sie immer stur in dieselbe Richtung flögen.

Kontrollierte Schüsse

Zugegeben steckt in jedem dieser Anwürfe ein Körnchen Wahrheit. Doch Körner, und mögen es ihrer noch so viele sein, taugen nicht als Feigenblatt. Spätestens bei der Bewegungsjagd oder dem Maisdrücken sind sie nämlich alle dabei, die „Drückeberger und Flickschuster, vereint im Unvermögen, sauber zu treffen“, wie es jüngst ein Intimkenner der Szene im trauten Kreis drastisch formulierte. Rechnet man da die Anzahl der Schüsse gegen das zur Strecke gekommene Wild auf, und schenkt den Berichten der Schweißhundführer Glauben, dann liegt diesbezüglich vieles im Argen.

Dass das jagdliche Leistungsschießen gemäß den DJV-Regeln keine perfekte Vorbereitung für den jagdlichen Alltag, sondern einen diffizilen Wettbewerb mit besonderen Regeln darstellt, müsste sich eigentlich selbst der eingefleischteste Funktionär eingestehen. Dass aber die Jagdschützen den sicheren Umgang mit den Waffen praktizieren, dass sie auch unter Anspannung kontrolliert ihre Schüsse auf einen definierten Punkt abgeben können, dass sie auch auf der Jagd überdurchschnittlich gut treffen und bietende Chancen zu nutzen wissen, sind wiederum Tatsachen.

Praktikable Alternativen

Es macht überhaupt keinen Sinn, das Regelwerk und die Regularien des Leistungsschießens ändern zu wollen, um auf diese Weise mehr Leute zum Schießstand zu locken. Wer nämlich dem Wettkampf frönt, tut es aus Freude an der Sache und nicht mit dem Hintergedanken, bei der nächsten Jagd noch mehr zu treffen. Insofern können die Disziplinen auch so bleiben, wie sie sind. Aber es muss darum gehen, dem Jäger mehr als in der Vergangenheit Anreize zu bieten, mit seiner Jagdwaffe den Schießstand zu besuchen und damit zu üben. Die neuen DJV-Schießnadeln „Teilnehmer“, „Büchse“ und „Flinte“ zielen in diese Richtung. Sie zu erwerben ist einfacher als vordem die Jahresschießnadel, denn für die Teilnehmernadel genügt der Nachweis des Schießstandbesuches, die Schießnadel „Büchse“ erhält, wer mit zehn Schüssen in beliebiger Anschlagsart (auch sitzend auf den Fuchs!) auf eine (oder mehrere) der DJV-Scheiben 60 von 100 Ringen erzielt, und für die Schießnadel „Flinte“ reichen vier getroffene von 15 Tauben, Rollhasen oder Kipphasen. Diese neuen Nadeln ersetzen gleichzeitig die bisherige Jahresschießnadel. Es gäbe aber auch noch praktikable Alternativen.

Warum nicht „Fuchs sitzend aufgelegt“, „Überläufer sitzend ohne Auflage für den Schießarm“ und den „Bock stehend angestrichen“ je einmal mit der Jagdbüchse beschießen? Warum nicht den „laufenden Keiler“ anhalten und ihn einmal stehend freihändig und einmal vom freien Bergstock aus ins Visier nehmen? Warum nicht den laufenden Keiler mal von rechts und mal von links mit unterschiedlicher Geschwindigkeit kommen lassen?

Der Aufwand dafür ist nicht größer als für das Leistungsschießen. Wenn statt der Ringe eine Zone ausgewiesen wird, bei der das Wild als tödlich getroffen gilt, erspart das den Teilnehmern die negativen Seiten der Punktewertung. Als Schrotziele sollten selbstverständlich Kipphase, Rollhase, Parcourstauben, Trap- oder Skeetscheiben gleichrangig behandelt werden. Besonders reizvoll ist natürlich, falls es die Gegebenheiten zulassen, ein Mix der genannten. So etwas ließe sich als Jägerschießen deklarieren und kommt nach meiner Erfahrung bei den Jägern gut an. Ob nun die Teilnahme mit einer Nadel oder einem Aufkleber für die Waffe belohnt wird, ist sekundär. Wichtiger wäre eine Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift des Schießobmanns. Denn den Nachweis eines Schießstandbesuches beim Lösen des Jagdscheines einzufordern, macht angesichts der sensibilisierten Öffentlichkeit durchaus Sinn. Freiwillig nämlich, das lehrt die Erfahrung, bleiben die Leute lieber dem Schießstand fern, als dass sie ihn aufsuchen.

Nicht jeder, der regelmäßig schießt, wird die Anforderungen für die Schießleistungsnadeln des DJV erfüllen. Sicher aber bringt regelmäßiges Übungsschießen viel für die Jagdpraxis

 

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