Eine komplett runde Sache

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Der Rohrbau:
Hubert Demmel, hauptberuflicher Jagdaufseher in einem Privatforst, legt seit 30 Jahren Kunstbaue an. Allein in seinem Dienstbezirk betreut und bejagt er über 40 solcher Anlagen. Ständig auf der Suche nach Verbesserungen, kam ihm die Idee, einen Bau nur aus Betonröhren anzulegen.

 

Von Hubert Demmel

Die Notwendigkeit der Fuchsbejagung ist in der Jägerschaft unumstritten. Durch Gesetzesänderungen wurde die Fallenjagd stark eingeschränkt. Die schneereichen Winter für den Nachtansitz bleiben oft aus. Riesige, wieder aufgeforstete Sturmflächen erschweren Treib- und Drückjagden auf den Fuchs. Dies sind nur wenige Gründe, warum die Fuchspopulation anhaltend zu hoch ist. Und gerade deshalb hat der Kunstbau in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ein weiterer Grund für die Vielzahl der Füchse ist die Tatsache, dass in vielen Revieren der Rotrock nur Gelegenheitsbeute ist und gar nicht systematisch bejagt wird. In diesen Revieren wird man auch vergebens nach Kunstbauen suchen. Man findet sie vielmehr dort, wo passionierte Raubwildjäger jährlich eine fast unglaubliche Anzahl Füchse zur Strecke bringen. Das Angebot an Kunstbauen, die gewerblich vertrieben werden, ist beträchtlich, jedoch erfüllen nicht alle die Anforderungen, die an eine gute Bauanlage gestellt werden. Auch kann man für manche „Kreativbaue“ aus privater Jägerhand nur ein Kopfschütteln übrig haben.

Einer der Hauptfehler ist die Verwendung zu großer Rohrdurchmesser. In Rohren mit mehr als 20 Zentimetern Durchmesser kann sich der Fuchs drehen, gegen den Hund stellen, und eine wüste Fang-in-Fang-Beißerei wäre dann die Folge. Darüber hinaus sind dem Dachs zwanziger Rohre zu eng. Er gräbt zwar meistens vor dem Eingangsrohr, merkt aber schnell, dass dadurch das Betonrohr für ihn nicht größer wird. Die Ausnahme kann im Spätsommer und Herbst ein selbstständig gewordener Jungdachs sein.

Für die meisten Erdhunde sind 20 Zentimeter völlig ausreichend. Selbst die Jagdterrierhündin meines Schwagers, die fünf Mal am Tag von meiner Schwiegermutter liebevoll gefüttert wird und elf Kilo wiegt, sprengt aus diesen Bauen Füchse. Es ist für den Bauhund sogar eine Art Lebensversicherung, wenn der Fuchs im Rohr schneller ist und beim Springen genügend Vorsprung hat. Die Praxis hat auch gezeigt, dass es in Bauen mit nur einem Zugang, in dem sich in der Mitte des Kessels ein Stein oder Hindernis befindet, des öfteren Schwierigkeiten gibt. Der Bauhund mit wenig Schärfe liegt meistens im Rohr und gibt in den Kessel hinein Standlaut, während die Jäger draußen kalte Füße bekommen. Der Hund mit zuviel Schärfe bekommt bei solchen Kesseln den Fuchs oft zu fassen. Was natürlich nicht Sinn eines Kunstbaues ist. Bewährt haben sich Anlagen, bei denen zwei Röhren vom Kessel wegführen.

Anforderungen an eine gute Bauanlage

– Niedrige Kosten

– Geringer Arbeitsaufwand

– Gute Annahme durch Füchse

– Leichtes Sprengen der Füchse

In den letzten Jahren lege ich Kunstbaue an, die nur aus Betonröhren bestehen. Hegering- und kreisweit haben sich diese bestens bewährt.
Folgendes Material wird benötigt:
– 7-8 Betonrohre mit 20 cm Durchmesser,
– 1 Rohr mit 25 cm Durchmesser,
– 4 Rohre mit 30 cm Durchmesser,
– 3 Betonplatten, 40 cm x 40 cm,
– etwas Fertigzement.

Die Materialkosten liegen bei etwa 100 Euro. Ideal ist der Einbau an leichter Hanglage. Nachdem man sich darüber klar ist, wo der Bau genau angelegt werden soll (Länge, Gefälle, Hindernisse, Schussfeld), beginnt man mit dem Ausgraben des Kesselbereichs: 50 Zentimeter tief, 100 Zentimeter breit und 220 Zentimeter lang. Danach wird der Ausgang gegraben. Dieser beginnt auf der 100 Zentimeter breiten Seite des Kessels von einer Ecke aus und hat eine Breite und Tiefe von 40 Zentimetern. Dieser Graben wird auf einer Länge von sechs bis sieben Metern ausgehoben. Nun wird dieser Graben 30 bis 40 Grad abgewinkelt und je nach Gelände ein bis zwei Meter weiter ausgegraben, bis er ebenerdig ausläuft. Jetzt wird aus jedem der vier dreißiger Rohre, die den Kessel bilden, eine Öffnung 20×20 Zentimeter gesägt. Dies geschieht auf der glatten Seite (Sohle), jeweils am Rohrende auf der Muffenseite. Zum Sägen eignet sich im Revier am besten eine Motorflex. Die scharfen Sägekanten werden mit einem Hammer abgeklopft und mit Beton geglättet, damit sich der Bauhund oder das Wild nicht verletzen Nun werden die Rohre eingebaut. Es empfiehlt sich, die Bausohle mit dünnen Brettern auszulegen, darauf können die Rohre sauber verlegt werden. Zuerst werden die dreißiger Rohre zu einem Kessel zusammengelegt. Je zwei Stück mit der glatten Seite aneinander, die ausgeflexten Öffnungen jeweils am Rohrende aufeinander. Jetzt kommt das 25er-Rohr und wird im Graben an das eine 30er-Rohr angestoßen. Dieses Rohr wirkt wie ein Adapter. Es passt genau in das 30er-Rohr und lässt sich auf der anderen Seite über das 20er-Rohr schieben. So entstehen keine großen Ritzen. Nun werden weitere 20er-Rohre bis zur abgewinkelten Stelle verlegt. Hier muss das Anschlussrohr schräg abgesägt werden und zwar in dem Winkel, wie der weitere Graben verläuft. Dieser Knick ist notwendig um den Lichteinfall zu brechen und ist zugleich Fuchs- beziehungsweise Hundebremse. Jetzt werden noch die drei Betonplatten vor die offenen 30er-Rohre gestellt und mit eingeschlagenen Pfählen fixiert.

Sollten jetzt noch kleine Öffnungen oder Ritzen vorhanden sein, müssen diese sauber mit Fertigbeton abgedichtet werden, damit Mäuse kein Erdreich in den Bau schaffen können. Zum Schluss wird der Bau zugedeckt. Der übrig gebliebene Aushub wird auf dem Kessel zu einem Haufen aufgeworfen. Fertig!

Das alles hört sich vielleicht etwas kompliziert an, ist aber in der Praxis recht einfach. Ist das Material am Platz, so braucht man mit drei Mann nur einen halben Tag für eine solche Bauanlage. Will man Kunstbaue in Serie anlegen, empfiehlt sich der Einsatz eines Minnibaggers, wobei natürlich mehr Kosten entstehen. Vom Gelände her sollte der Bau vom Eingang zum Kessel hin leicht steigen, besonders bei lehmigem Untergrund. So kann eventuell eingedrungenes Wasser wieder abfließen. Ist der Bau befahren, bleibt die Wärme im Kessel.

Wie schon erwähnt, gräbt der Dachs gerne am Rohreingang. Um dies zu verhindern, sollte man dort mit grobem Gestein auffüllen oder eine Steinplatte eingraben. Ist vor dem ersten Rohr eine tiefe Mulde, kann der kurzläufige Hund nicht einschliefen. Das gleiche passiert Jungfüchsen, wenn sie im Frühjahr das erste Mal den Bau verlassen haben. Dachse und Füchse graben sich auch des Öfteren von oben bis zum Kessel durch. Hier kann man Abhilfe schaffen, indem man ein Drahtgeflecht über den bereits abgedeckten Kessel legt und nochmals etwas Erde aufwirft. Um die Annahme des Baues zu erhöhen, können kleinere Mengen Luder im Umkreis von 20 bis 50 Metern um den Bau vergraben werden.

Besondere Vorteile des Rohrbaues

– Keine Zugluft (nur ein Eingang)

– In der Regel keine Dachse
(20er-Röhreneingang)

– Ist der Fuchs aus dem Kessel,
muss er ins Freie (kein Umdrehen
in 20er-Rohren möglich)

– Oft mehrere Füchse, da zwei
geräumige Kessel.

– Leichtes Sprengen durch den
Hund, weil der Hund sich drehen und wechseln kann.

– Bauanlage kann mit Maschinen
befahren werden, bruchsichere Rohre

Mein am besten angenommener Kunstbau liegt 100 Meter neben dem Luderplatz. Dort werden jährlich sieben bis zehn Füchse gesprengt. Kunstbaue im freien Feld, in Hecken, Remisen, entlang von Gräben oder in Kiesgruben werden wesentlich besser angenommen als Baue im Wald. Ist der Fuchs des Nachts in der Feldflur auf Jagd, wird er oft vom Hellwerden überrascht und nimmt dann den nächsten Unterschlupf an. Im Wald gibt es meistens viele Deckungsmöglichkeiten. Es sei denn, es handelt sich um eintöniges Fichtenstangen- oder Altholz. Hier würde sich ein Kunstbau lohnen. Ist die Bauanlage fertiggestellt, sollte man sie in Ruhe lassen und nicht dauernd nach irgendwelchen Spuren suchen und schon gar nicht mit dem Hund betreten. Ab Mitte Oktober werden die Kunstbaue bejagt und zwar im zeitlichen Abstand von zirka drei Wochen bis Ende Februar. Wer genügend Disziplin, Schießfertigkeit und Ausdauer im Zusammenspiel mit seinem vierbeinigen Jagdhelfer hat, kann sich jedes Jahr auf die wohl spannendste Jagdart auf den Fuchs freuen.

Die beiden 30er-Rohre werden parallel an die bereits eingebauten gelegt. Durch die eingeflexten Öffnungen entsteht die Verbindung zwischen den „Kesseln“