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So viel wie nötig – so wenig wie möglich

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Niederwildfütterung jetzt fortsetzen:
In vielen Revieren wird mit Beginn der Schonzeit von Fasan und Co. die Fütterung des Niederwildes eingestellt. Doch gerade in den Monaten Februar und März kann die Futternot in den oft ausgeräumten Revieren zu einer Bedrohung des Besatzes werden.

Hier einige Tipps, wie Sie Ihr Niederwild sicher in den Frühling bringen.

 

Von Sascha Schmitt

Ob nun aus Bequemlichkeit, Geiz oder Unwissen: Kaum heißt es Mitte Januar „Hahn in Ruh“, wird in nicht wenigen Niederwildrevieren das Ende der Fütterungsperiode erklärt. Wo bis jetzt fleißig Mais gestreut wurde, um den Hähnen die Standorttreue zu erleichtern, herrscht plötzlich Ebbe. Doch gerade in den Monaten Januar bis März ist der Tisch beim Niederwild alles andere als reich gedeckt. Die natürliche Äsung, wie Sämereien, Beeren und Wildkräuter, ist zum größten Teil aufgebraucht. Wenn dann auch noch eine geschlossene Schneedecke oder gar Harsch auch die letzte Äsung für das Wild unerreichbar machen, sind besonders die Hühnervögel vom Hungertod bedroht. Der Merksatz „Gefüttert wird, bis die Buschwindröschen blühen“, sollte auch im Niederwildrevier beherzigt werden.

“Bestechlichkeit“ zu Nutze machen

Doch nicht nur das Wild profitiert von der Verlängerung der Fütterungsperiode, sondern auch der Jäger selbst. Besonders beim Fasan ist die Reviertreue eine Frage des Nahrungsangebotes. Wird in seinem angestammten Lebensraum die Nahrung knapp, wandert er sehr schnell ab. Und das kann nicht im Sinne des Jägers sein, denn wenn zur Brutzeit die Hennen im Revier fehlen, sieht es für die kommenden Treibjagdstrecken alles andere als rosig aus. Deshalb sollte man sich die „Bestechlichkeit“ des Hühnervogels zu Nutze machen und ihn mit durchdachter Fütterung an das eigene Revier binden.

Verarmung der Feldflur entgegenwirken

Eines muss aber klar sein: Der Futtereimer kann nie den geeigneten Lebensraum ersetzen und schützt das Wild erst recht nicht vor Feinden. Die Fütterung im Niederwildrevier ist nur ein Instrument der Hege. Lebensraumverbesserung und konsequente Raubwildbejagung müssen damit Hand in Hand gehen. Besonders durch die richtige Gestaltung von Wildäsungsflächen kann man bereits frühzeitig für ein höheres Nahrungsangebot sorgen und der zunehmenden Verarmung der Feldflur entgegenwirken.

Durch überlegte Zusammenstellung der Äsungsflächen im Revier kann man dem Wild Deckung bieten und die Menge des auszubringenden Futters beträchtlich senken. Mais als Wildackerpflanze, ob nun im Verbund mit anderen geeigneten Pflanzen oder in Reinsaat, sollte in keinem Fasanenrevier fehlen. Nach und nach werden die Stängel abgeknickt und die Kolben von den Fruchtblättern befreit, um den Fasanen den „Mais am Stiel“ zugänglich zu machen.

Die klassische Fasanenfütterung ist jedoch die Schütte. Ein witterungsbeständiges Schrägdach, unter dem mit Mais, Weizen und Sonnenblumenkernen angereicherte Druschabfälle ausgebracht werden. Doch die herkömmliche Fasanenschütte hat mehr Nach- als Vorteile: Besonders bei einem guten Wildbesatz wird das Futter sehr rasch durch Gestüber verunreinigt und Krankheiten und Parasiten können sich ausbreiten. Dazu kommt, dass das Futter auch von ungewollten „Mitessern“ reichlich in Anspruch genommen wird. Besonders die Wanderratte wird in kürzester Zeit angelockt. Deshalb sollte direkt neben der Schütte eine abschließbare Rattenfutterkiste platziert werden.

„Oben dicht und unten licht“.

Bei der Fasanenfütterung sollte man auf Futterautomaten zurückgreifen, bei denen sich die Fasanen die Körner einzeln aus einem Spender herauspicken müssen. Diese Art der Fütterung sind nicht nur hygienischer, sie ist auch kostengünstiger und braucht nicht oft beschickt zu werden.

Ob nun Schütte oder Futterautomat – die Fütterung gehört in deckungsreiches Gebiet. Sei es eine Hecke oder ein Schilfstreifen, der Fasan muss sich gedeckt annähern können und darf nicht von Greifen eräugt werden. Am Boden muss der Laufvogel jedoch Rundumsicht haben, um anschleichendes Haarraubwild schnell eräugen zu können. Deswegen gilt bei der Deckung der Wahlspruch: „Oben dicht und unten licht“. Bäume, die sich als Ansitzmöglichkeit für den Habicht eignen, dürfen sich nicht unmittelbar an der Fütterung befinden, will man Verluste unter den Fasanen vermeiden.

In der Umgebung von Fütterungen kommt es zwangsläufig zu einer höheren Fasanendichte. Die lockt selbstverständlich auch das Raubwild an. Kasten- oder Betonrohrfallen versprechen hier gute Fangerfolge.

Noch schwerer als der Fasan hat es das Rebhuhn bei Schnee. Ist der Schnee so tief, dass das Feldhuhn nicht mehr seine Äsung frei scharren kann, droht ihm ein jämmerliches Ende. Vom Futtermangel geschwächt, wird es in der oft deckungslosen Agrarsteppe eine leichte Beute für die Greife. Denn nicht nur der Habicht ist in der Lage, ein Rebhuhn zu schlagen. Auch der oft als reiner Nagerspezialist bezeichnete Mäusebussard und das Sperberweib machen Jagd auf das vielerorts selten gewordene Feldhuhn. Durch die bundesweit angestiegenen Greifvogelbesätze bleibt dem Heger nichts anderes übrig, als das Rebhuhn mit gezielter Fütterung bei guter Kondition zu halten. Im Gegensatz zum Fasan, füttert man die Hühner im freien Feld. Als Fütterung eignen sich transportable Schütten, unter denen man mit Weizen und Mais aufgewertetes Kaff streut. Ich habe mir für diesen Zweck verzinkte Drahtbögen anfertigen lassen, die mit Dachpappe und Grün abgedeckt werden. Der Vorteil dieser Schütten gegenüber Bauwerken aus Holz ist die längere Haltbarkeit. Sie sind so dimensioniert, dass sie problemlos von einer Person versetzt werden können. Wenn das Kaff durch Gestüber beschmutzt ist, wird die Schütte einfach ein paar Meter weggetragen und das alte Futter entfernt. In der Nähe der Schütte sollte sich niedrige Deckung befinden, in die sich die Kette vor einem anjagenden Greif flüchten kann. Es darf sich aber im Umkreis von mindestens hundert Metern keine Aufhakmöglichkeit für gefiederte Räuber befinden. Pro bestätigte Rebhuhnkette sollten zwei Schütten angelegt werden.

Auf erhöhten Anteil der Kohlarten bei der Wildackereinsaat achten

Der Feldhase wird noch am besten mit dem Winter fertig. Nur wenn Schnee das Wintergetreide bedeckt, das in den Feldrevieren die Hauptäsung des Hasen ist, hängt auch für Meister Lampe der Brotkorb höher. Um dem vorzubeugen, sollte auf einen erhöhten Anteil der Kohlarten bei der Wildackereinsaat geachtet werden.

Das kostengünstigste Futtermittel für Mümmelmann ist das Prossholz. Äste von Obstbäumen, Pappeln oder Weiden werden in kleinen Mengen an den Pässen der Hasen ausgelegt.

„So viel wie nötig – so wenig wie möglich“

Wem das nicht reicht, der kann so genannte „Hasenhütchen“ in seinem Revier aufstellen. Dazu wird eine Stange in die Erde getrieben, an der man gutes Heu aufsteckt. Ein „Hütchen“ aus zusammengebundenen Fichenzweigen schützt das Heu vor Regen und Schnee.

Ganz wichtig ist die Qualität des Raufutters. Es sollte kräuterreich und trocken sein. Silage oder feuchtes, angefaultes Heu können beim Hasen Darmkrankheiten verursachen und schließen sich generell aus. Es empfiehlt sich öfter, kleinere Mengen frisches Heu nachzulegen. Als Beigabe kann man Rüben oder Möhren unter das Hütchen legen.

Ob nun Prossholz oder Hasenhütchen – die Fütterung muss so angelegt werden, dass Meister Lampe einen sich annähernden Räuber rechtzeitig erkennen und sein Heil in der Flucht suchen kann. Der Hase sollte generell nur gefüttert werden, wenn die Witterung ihm die natürliche Äsung unzugänglich macht. Wer Fuchs und Rabenkrähe kurzhält, erreicht mehr für den Hasenbesatz als die beste Fütterung.

Auch wenn das Füttern im Niederwildrevier nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg ist, darf es besonders in den Hungermonaten nicht vernachlässigt oder gar unterlassen werden. Es soll jedoch eine Erhaltungsfütterung sein; daher gilt auch hier der Grundsatz: „So viel wie nötig – so wenig wie möglich“!

 

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