Schutz vor scharfen Zähnen: Sicherheitsausrüstung bei der Motorsägenarbeit

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Hochsitzbau ohne Motorsäge? Fast schon undenkbar. Motorsägenarbeit ohne Schutzausrüstung? Leider immer noch an der Tagesordnung. Dabei ist eine solche Ausrüstung Pflicht, gar nicht so teuer und mit Sicherheit die bestmögliche Unfallversicherung.

 

Alles am Mann: Eine komplette Schutzausrüstung besteht aus Schutzhelm, Schnittschutzhose, Schutzschuhwerk und Handschuhen. Und das ist kein Luxus, sondern erstens notwendig und zweitens in der UVV so vorgeschrieben.

von Josef Reichenberger

Spaestens wenn der Motor aufheult, hat die Motorsäge ihre Unschuld verloren. Mit 13 000 Umdrehungen hetzt der Antrieb die rasiermesserscharfen Sägezähne um das Schwert. Und alles – von harten Metallen einmal abgesehen -, was sich diesen Gewalten in den Weg stellt, zieht unweigerlich den Kürzeren.

Nein, das ist keine Panikmache.

Schlimmste Unfälle

Verletzungen mit Motorsägen zählen zu den schlimmsten Unfällen, die bei der Revierarbeit passieren können. Denn die Kette trennt Haut-, Muskel-, Sehnen- oder Knochengewebe nicht mit einem glatten Schnitt (wie z. B. Messer oder Axt) durch, sondern fräst eine etwa einen Zentimeter breite Wunde aus dem Gewebe heraus.

Gewebe, das erst nach einem langem Heilungsprozess nachwachsen, oder sich dehnen muss.

Erschwerend kommt hinzu, dass in diese Wunden immer Schmutz und auch Kettenschmieröl eindringt und sich die Wunden dadurch sehr viel leichter und stärker als üblich entzünden.

Schutzkleidung

Deshalb ist in der Unfallverhütungsvorschrift (UVV) genau dargelegt, welche Schutzausrüstung bei Arbeiten mit Motorsägen getragen werden muss.

Und dies sind keine unverbindlichen Empfehlungen, sondern streng einzuhaltende Richtlinien mit allen Folgen bei Verstoß (z. B. auch Regresspflicht, Versicherungshaftung etc.).

Darum heißt es vorbeugen, und zwar sowohl mit der richtigen Säge als auch der richtigen Kleidung und Ausrüstung.

Aber selbst die modernste und sicherste Maschine gewährleistet keinen ausreichenden Schutz vor Verletzungen. Also müssen wir den Körper selbst schützen, und das geht nur mit einer persönlichen Schutzausrüstung. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

  • Kopfschutzkombination = Schutzhelm mit Gesichts- und Gehörschutz nach EN 397 („EN“ bedeutet „Europäische Norm“),
  • Schutzhandschuhe,
  • Schnittschutzhose nach EN 381 CE,
  • Schutzschuhwerk = Lederschuhe oder Gummistiefel nach EN 345, Teil 2;

 

Kopfschutzkombination

„Wer nichts zu schützen hat, braucht keinen Schutzhelm“, lautet ein weiser Spruch. Und weil wir doch hoffentlich alle etwas zu schützen haben, bewahrt der spezielle Helm unser edelstes Körperteil, den Kopf, vor Verletzungen oder dauerhaften Schädigungen. Nicht einfach, nicht doppelt, sondern dreifach:

1. Die Helmschale schützt vor eventuell herabfallenden Gegenständen (z. B. beim Hochsitzabriss) oder Ästen.

2. Das Gesichtsvisier aus blendfreiem Kunststoffgitter hält Sägespäne und Holzsplitter, aber auch zurückpeitschende Äste von Gesicht und – das ist besonders wichtig – den Augen fern.

3. Die Gehörschutzkapseln, die übrigens praktischer als Gehörschutzwatte oder Stöpsel sind, bewahren uns vor Schwerhörigkeit. Denn unsere Motorsägen bringen es locker auf bis zu 108 dB(A), und bereits ab 90 dB(A) Lärmpegel gilt Gehörschutztragepflicht (UVV 1.1. der LBG).

Weiteres sinnvolles Zubehör am Helm können eine Visierdichtung und ein Nackenschutz sein. Beide halten Gesicht, Augen und Nacken von Nadeln oder Schnee frei.

Aber Achtung: Beim Kauf müssen Sie das Herstellungsdatum beachten (siehe Bild); denn nach fünf Jahren sind die Helme „verfallen“, da sie spröde werden.

Schnittschutzhose

Benutzen Sie niemals eine Kettensäge, ohne eine Schnittschutzhose zu tragen. Die Verletzungen, die Sie bei einem Unfall riskieren, wurden eingangs bereits angesprochen, und das war beileibe nicht übertrieben.

Aufgabe einer Schnittschutzhose ist es, die „Gewalten“, heißt die rasenden Sägezähne, schlagartig zu stoppen, bevor sie sich ins Fleisch graben können.

Die rettende Schicht ist die sogenannte Schnittschutzeinlage in der Hose, die die Vorderseite der Beine, vom Spann bis hinauf in den Bauchbereich abdeckt. Sie besteht aus meist zehn dünnen Kunststoffgewebelagen. Jede Lage wiederum wird aus langen Einzelfäden in lockeren Schlingen gewebt.

Durchtrennt die Sägekette den Oberstoff der Hose und anschließend die oberste Gewebelage, so erfassen die Sägezähne die Polyesterfasern der Einlage und reißen sie bündelweise heraus.

In Sekundenbruchteilen gelangen diese Fasern zum Kettenrad, das sofort blockiert wird. Bevor überhaupt alle Lagen durchtrennt werden können, steht die Kette hundertprozentig still, und das selbst dann, wenn man die Säge mit Höchstdrehzahl gegen das Bein schlägt.

Äußerst wichtig: Sollte der Oberstoff der Hose einmal gerissen sein, so darf man nur diesen nähen! Keinesfalls darf die Schnittschutzeinlage durchgenäht werden, da dann die Zähne keine Einzelfäden mehr ziehen können. Die Fasern können dann von der Kette durch alle Lagen durchgeschnitten werden, der Schutz versagt.

Schutzschuhwerk

Hier muss man zwei grundsätzlich verschiedene Schuharten unterscheiden: Schnittschutzgummistiefel oder Schnittschutzlederstiefel. Die Gummistiefel sind klobig und schwer und nur bei Nässe sinnvoll, die Lederstiefel für uns Jäger sicher die universellere Alternative.

Aber egal, welches Obermaterial man wählt, bei beiden Typen müssen gewisse Grundanforderungen erfüllt sein:

  • durchgehende Stollen auf der Sohle (auch im Steg),
  • Knöchelschutz,
  • Stahlkappe,
  • Schnittschutzeinlage, die von der Stahlkappe über den Spann bis zum mindestens zwanzig Zentimeter hohen Schaft reicht.

Mit solchen Stiefeln sind Sie also bestmöglich vor Ausrutschen, Umknicken, Prellungen und Schnittverletzungen gefeit.

Leider glauben manche Zeitgenossen, dass Stiefel, die nur eine Stahlkappe und keinen Schnittschutz haben, dann ausreichen, wenn man eine Schnittschutzhose darüber trägt.

Hier muss ich deutlich widersprechen! Der Bereich zwischen Stahlkappe und dem Beginn des Schnittschutzes in den Hosenbeinen ist nicht abgedeckt! Viele schwere Schnittverletzungen im Spannbereich belegen dies.

Schutzhandschuhe

Sie sind unentbehrlich, da sie unsere Hände vor Verletzung, Schmutz, Kälte und Nässe schützen. Weiteres Plus: Die gedämpfte Übertragung der Motorsägen-
Vibrationen.

Gefütterte Winterhandschuhe sind in der kalten Jahreszeit nicht zu empfehlen, da durch das dicke Polster das „Gefühl“ in den Händen verloren geht.

Besser sind da spezielle, ohne Nähte gestrickte Unterziehhandschuhe. Diese werden, wie der Name schon sagt, unter dem Lederhandschuh getragen, so dass ohne größere Gefühlseinbußen gearbeitet werden kann.

Mittlerweile gibt es sogar Handschuhe, in deren linken Handrücken eine Schnittschutzeinlage eingearbeitet ist. Die Notwendigkeit einer solchen Einlage kann ich allerdings nicht erkennen.

Wer sich also mit einer solchen Ausrüstung von Kopf bis Fuß schützt, ist nicht nur vor schweren Verletzungen gefeit, sondern kann auch entspannter und effektiver arbeiten. Und das ist in der knappen Freizeit eigentlich schon Grund genug.

Bezugsadressen:

 

  • Grube KG Forstgerätestelle, 29646 Hützel, Tel. 0 51 94/900 00,
    Fax 0 51 94/90 02 70
  • KOX GmbH, Werkstraße 45/1, 71384 Weinstadt-Endersbach,
    Tel. 0 71 51/9 69 66 20,
    Fax 0 71 51/96 96 67
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