Wenn Hasen „Laut“ geben

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Seltsames Verhalten:
Die Löffel angelegt, unbeweglich, fest in der Sasse liegend: Meister Lampe lässt sich gerne überlaufen. Solch nervenstarke Hasen sorgen für Nachwuchs im Frühjahr.

 

Von Heinrich Spittler

Es war vor fünf Jahren. Ich nahm am linken Niederrhein an einer kleinen Treibjagd auf Fasanen und Hasen teil. Im letzten Treiben erschien schon früh ein Hase, der nicht allzu flüchtig die Schützenfront annahm. Der Hase kam bei mir breit auf etwa 35 Meter vorbei. Ich schoss in aller Ruhe auf diesen Hasen, den ich schon im „Rucksack“ wähnte und war daher sehr erstaunt, als er nicht rollierte, sondern lediglich auf den Schuss hin leicht zusammenruckte und zweimal relativ laut klagte, wie es der Fall ist, wenn ein kranker Hase vom Hund gegriffen oder zum Abschlagen aufgenommen wird.

Hatten andere Jäger schon einmal ein gleiches Erlebnis?

Es war dies das erste und bisher einzige Mal, dass ich einen Hasen auf den Schuss hin habe klagen hören. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte dies als Schmerzreaktion zu werten sein. Da mir aus der Literatur kein ähnlicher Fall bekannt ist, wäre es von Interesse zu erfahren, ob andere Jäger schon einmal ein gleiches Erlebnis hatten.

Im Dezember 2001 war ich wiederum am Niederrhein zur Hasenjagd eingeladen, bei der ich eine für mich ebenfalls erstmalige Erfahrung gemacht habe. Da ich das mir selbst auferlegte Limit von einem Hasen pro Treiben bereits überschritten hatte, waren die auf diesem Feld liegenden Hasen für mich tabu. Ich richtete meine Augen daher primär auf den „Nahbereich“, um in der Sasse liegende Hasen vor ihrem Aufstehen auszumachen.

Ein deutlich vernehmbares Knurren

Bereits nach dem ersten Schritt auf diesem Schlag sah ich etwa zwei Meter schräg links vor mir einen Hasen in der Sasse. Er lag genau spitz zu mir. Ich wandte sofort den Blick ab und drehte mich halb nach hinten rechts um. Da sah ich auf ebenfalls nur etwa drei Meter Entfernung neben mir einen anderen Hasen in der Randfurche dieses Schlags liegen, und zwar auch mit dem Kopf zu mir. Er hatte sich also bereits von mir überlaufen lassen. Beim Augenkontakt stieß er zweimal kurz hintereinander ein deutlich vernehmbares Knurren aus.

Es war dies das erste Mal, dass ich bei Hasen derartige Knurrlaute hören konnte. Ich habe diese Laute, die ähnlich auch zu vernehmen sind, wenn eine Häsin im Frühjahr von mehreren Rammlern getrieben wird, als „Dank“ dafür gewertet, dass ich den betreffenden Hasen liegen gelassen und nicht aufgetan habe. In Wirklichkeit werden es wahrscheinlich Erregungslaute gewesen sein, ausgelöst durch die Stresssituation, in die der betreffende Hase durch mein nahes Vorbeigehen, den kurzen Augenkontakt und das gesamte Jagdgeschehen geraten ist.

Viele unserer Kenntnisse zu den Wildarten gehen auf Detailbeobachtungen zurück. Ich fände es interessant zu erfahren, ob andere Jäger auch von Meister Lampe „angeknurrt“ wurden.

 

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