Den Mais madig machen

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Wildschadensverhütung

WILDSCHADENSVERHÜTUNG
Mit der Einsaat des Maises beginnen auch oft die Probleme durch Sauenschäden. Richtig eingesetzt, versprechen Elektrozäune und Bejagungsschneisen Abhilfe. Ein Erfahrungsbericht von Dirk Waltmann.

Was haben wir damals im väterlichen Südeifel-Revier nicht alles unternommen und an Hilfsmitteln eingesetzt, um Schwarzwildschäden im Mais abzuwehren: Verstänkerungsmittel versprüht, Blinklampen aufgestellt oder Radios mit Zeitschaltuhr in Nistkästen versteckt. Alles erwies sich mit zunehmender Einsatzdauer und vor allem mit dem Anstieg des Sauenbestands mehr und mehr als Flop. Die Schwarzkittel hatten sich sehr bald an alle Maßnahmen gewöhnt. Eine Tatsache, die heutzutage bestens bekannt ist.
Ergänzend gingen wir dazu über, mit Hunden und Treibern die Maisschläge durchzudrücken, in denen wir Schwarzkittel auch tagsüber vermuteten. Der Erfolg entsprach zu selten dem Aufwand. Immerhin blieben Sauen den so zusätzlich verstänkerten Feldern ein paar Tage länger fern. Nicht nur die Schwarzwildbestände nahmen zu, auch der Maisanbau. Vor allem die Silomais-Felder wuchsen an Fläche und Menge. Wir gingen dazu über, diese mit Elektrozaun vor den Sauen-Attacken zu schützen. Manches Lehrgeld haben wir gezahlt. Eine um das Feld gezogene Drahtlitze war zu wenig,
hielt das Schwarzwild nicht ab. So spannten wir schließlich drei Drahtlitzen mit Bodenabständen von 20, 40, 60 Zentimetern. Stellten wir zunächst die Pfähle noch im Abstand von zehn Metern auf, rückten wir sie auf sechs Meter zusammen. Von einem Erdungspfahl gingen wir auf mindestens drei über, gut 60 Zentimeter in den Boden geschlagen. Erst dann war selbst bei Trockenheitsphasen ausreichend Erdung gegeben.

Über einige Jahre machten wir uns noch die Mühe, zur Maissaat um die gefährdetsten Felder einen Elektrozaun aufzustellen. Sobald das Korn gekeimt war und die Pflänzchen
etwa zehn Zentimeter Höhe hatten, bauten wir den Zaun wieder ab. Kurz vor der Kolben-Milchreife startete das Prozedere von vorne. Alles sehr aufwendig. Mitunter wurden sogar bereits im Mais steckende Sauen unbemerkt eingezäunt. Das war und ist freilich nicht im Sinne des Erfinders. Schließlich kamen wir mit Landwirten überein, den Elektrozaun von der Maissaat bis zur Ernte stehen und unter Strom zu lassen. Tägliche Zaunkontrolle ist bei solchem Vorgehen unbedingt vonnöten. Die Weidezaunbatterie muss ständig neu geladen
werden, da der Verbrauch deutlich höher ist. Wer kann all das gewährleisten, wenn kein zeitlich unabhängiger Aufsichtsjäger vor Ort ist oder der Landwirt in seinem eigenen Interesse die Jäger verlässlich unterstützt?

Ein weiterer Schwachpunkt soll aufgezeigt werden: Je größer die Maisfläche, desto unsicherer der Abwehreffekt mit dem Elektrozaun. Vor allem über Freiflächen anwechselnde Sauen stürmen auf die nahende Deckung zu – und rauschen durch den Zaun
in den Maisdschungel. Stecken sie erst einmal drin, sind sie wegen der schlechten Erfahrung mit dem Stromkontakt so schnell nicht mehr dazu bereit, das schützende Feld zu verlassen. Warum auch? Sie finden darin neben Deckung auch Ruhe und leben im Schlaraffenland. Folge: Die Schäden nehmen teils immens zu. Diese in der Südeifel gemachten Erfahrungen nahm ich mit in das auch heute noch von mir mit Freunden bewirtschaftete Revier in Bayern. Weizenfelder bis zu einer Größe von fast 15 Hektar schützen wir mittlerweile mit einem von drei unterschiedlich starken und breiten Ako-Kunststofflitzen beziehungsweise -bändern umgebenen Elektrozaun (Bodenabstand 20, 45, 70 cm) seit Jahren erfolgreich gegen Schwarzwildschäden. Der Materialbedarf für einen Elektrozaun lässt sich übrigens ganz einfach im Internet mit einem Zaunrechner (www.fenceconfigurator.com) feststellen. Als sehr wirksame Ergänzung haben sich reflektierende Metallfolienstreifen samt Filzpad erwiesen. Die Streifen werden im Abstand
von zwölf bis 15 Metern beweglich an der oberen Litze aufgehängt. Die Filzpads besprühen wir etwa alle acht bis zehn Tage mit Hagopur-„Wildschweinstopp“ im Wechsel der beiden Geruchskomponenten (Dosen „rot“, „blau“). Damit soll eine Gewöhnung vermieden werden. Dieser zusätzliche Aufwand ist zwar immens, bringt aber Erfolg, wenn auch keine Abwehrgarantie. Seit wenigen Jahren gibt es von Ako-Agrartechnik einen Elektro-Netzabwehrzaun in für das Wild besser sichtbarer blauer Farbe. Seit wir einen solchen um Mais- oder auch Weizenfelder mit Flächengrößen bis etwa vier Hektar aufstellen und zudem am Zaun ein sich selbst bei leichtestem Wind ordentlich bewegendes blaues Flatterband befestigen, mussten der Landwirt und wir Jäger uns über größere Wildschäden nicht mehr ärgern. Tägliche Zaunkontrolle, eine immer aufgeladene Batterie, ein schlagstarkes Weidezaungerät und Erdung über drei Metallpfähle sind Voraussetzung für den Erfolg. Lobenswert: Die Landwirte helfen stets mit. Von der Zäunung größerer Maisflächen
sind wir im bayerischen Revier von vornherein ganz abgegangen. Ab zehn Hektar Größe
sind diese Schläge kaum mehr zu kontrollieren, beziehungsweise Sau-rein zu halten. Sind die Felder erst einmal doppelt so groß, lassen sie sich nicht mehr beherrschen.
Da im von uns bejagten Revier seit vielen Jahren nicht zuletzt aufgrund einer Biogasanlage großflächig Mais angebaut wird, setzen wir vermehrt auf Bejagungsschneisen. Etliche Varianten haben wir im Laufe der vergangenen Jahre ausprobiert.

Grundsätzlich sprechen wir bereits zum Winterausgang die Bejagungsschneisen mit dem Landwirt ab und tragen diese skizzenartig in einer Karte ein. Je nach Größe der Maisfelder
werden zwei bis drei Schneisen im Mais angelegt. Zwischen Wald und Schneise befinden
sich maximal zwölf Reihen Mais. Unmittelbar am Waldrand liegende Schneisen sind kaum effektiv. Wenig hilfreich ist zudem die Verbreiterung von Fahrwegen, indem beiderseits Maisreihen siliert werden. Über diese Arten von Schussschneisen flüchten die meisten Sauen hinweg in den Maisdschungel. Folglich rate ich davon ab. Jagdschneisen legen wir im Bereich von bekannten Hauptwechseln an. Ebenso berücksichtigen wir Feuchtstellen und solche Bereiche, wo in den Vorjahren vermehrt Fraßschäden auftraten. Wir haben über die Jahre beobachtet, dass die Sauen immer wieder solche Stellen aufsuchen. Wie breit und lang sollte nun eine Bejagungsschneise sein? Zur Breite bedarf es keiner großen  Überlegungen, denn die bestimmt der Landwirt gemäß seinem Maschineneinsatz.
Grundsätzlich sollte sie aber mindestens 15 und maximal 30 Meter breit sein. Die Länge orientiert sich an den Wechseln und den vermeintlichen Schadstellen. Was bringen 300 Meter lange Schneisen, wenn eine vernünftige Schussdistanz bei 100 bis 150 Metern liegt?

Bedauerlicherweise wollen zahlreiche Landwirte (noch) nichts von Bejagungsschneisen in ihren großen Maisfeldern wissen – obwohl die Wildschadenssituation teils dramatisch zunimmt. Ertragsausfall und zusätzlicher Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten lassen sie bei diesem Thema zum einen abwinken. Zum anderen sehen sie in der Antragstellung von Nutzungscodes für das Anlegen von Bejagungsschneisen eine zusätzliche Hürde. Mancher Landwirt weiß aber leider immer noch nicht, dass der bürokratische Aufwand deutlich vereinfacht wurde. Darauf können wir Jäger rechtzeitig hinweisen oder das zuständige Landwirtschaftsamt um aufklärende Unterstützung
bitten. Als wir vor Jahren beim Landwirt erstmals Bejagungsschneisen in den 20 und mehr Hektar großen Maisfeldern erbaten, mussten wir auch Überzeugungsarbeit leisten. Er stimmte schließlich zu, bei zunehmendem Schaden ein paar Schneisen in den Mais zu silieren. Wir hatten in jenem Jahr sogleich Lehrgeld zu zahlen. Das Schwarzwild sah die nachträglich entstandenen und zu beiden Stirnseiten offenen Schneisen als Störfaktor.
Es hielt sich nur kurzeitig darauf auf, wechselte zumeist im Eiltempo von einer zur anderen Seite. Zwar erlegten wir ein paar Sauen, hatten uns aber mehr erhofft.

In den Folgejahren änderten wir einige Male die Strategie – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Mittlerweile können wir festhalten: Bei bereits im Vorjahr erfolgter Absprache mit dem Landwirt und sofern es in seinen Bewirtschaftungsplan passt, baut er auf den späteren  Bejagungsschneisen Wintergerste an.  Um diese herum legt er Mais. In Gerste gehen Sauen nicht zu Schaden. Ist sie reif, bleiben nach der Ernte die Stoppeln stehen und bieten hellen Untergrund. Das erleichtert die Bejagung der Schwarzkittel. Ausgefallene Körner locken zudem Mäuse an. Die sind bei Sauen begehrter zusätzlicher Fraß. Dass die Borstentiere besonders begierig auf Weizen sind, ist hinlänglich bekannt. Das machen wir uns zunutzen. Wir kaufen das Saatgut für Sommerweizen. Der Landwirt sät es auf den Bejagungsschneisen aus. Sommerweizen hat sich zum Anlocken bewährt. Die Sauen zieht es ab der Milchreife ständig dorthin. Je nach Wilddruck ist das zunächst noch hoch im Halm stehende Getreide schnell von den Schwarzkitteln „plattgemacht“. Dann lässt sich in der Regel sicher ansprechen und schießen. Es darf nicht grundsätzlich damit gerechnet werden, dass ein erntereifer Bestand gedroschen werden kann, um Ertrag zu erzielen. In diesem Fall steht die Wildschadenreduktion im Vordergrund.

Alternativ zum Getreide kann eine möglichst niedrig wachsende Leguminosen-Mischung angebaut werden. Der Saatguthandel, wie BSV Saaten, Nebelung, Jehle, Revierberatung Wolmersdorf, Faulstich oder Zeller, hat sich auf die Problematik eingestellt und bietet spezielle Mischungen für Schwarzwild-Schussschneisen an. Positiver Nebeneffekt: In der „Maiswüste“ finden neben anderem Schalenwild auch Hasen attraktive Äsung. Dieses Saatgut kaufen wir Jäger und stellen es dem Landwirt bereit. Trotz überwiegend niedrig wachsender Sorten kann bei optimaler Witterung der Bewuchs zu hoch werden. In dem Fall empfehle ich ein Mulchen, allerdings nur streifenweise. Ist die gesamte Schneise kurz geschoren, reagiert das Schwarzwild sogleich empfindlich. Ist das Feld mit Grünroggen oder Triticale bestellt, bleiben nach dem Siloschnitt (Grünmasse für die Biogasanlage) im Mai zur anschließenden Mais-Mulchsaat die zuvor geplanten Schneisen bis auf die Stirnseiten unbestellt. Diese müssen aber regelmäßig – auch in Streifen – gemulcht werden. Eine lockere Leguminosen-Untersaat bietet sich an.

Im vergangenen Jahr haben wir versuchsweise in einem Maisfeld die Bejagungsschneisen
erst nach Beginn der Kolbenreife angelegt, und zwar mit einem Mulchgerät. Die Lage der Schneisen haben wir nach den Hauptwechseln ausgewählt, zudem aber auch nach den Stellen im Feld, die bereits stärker geschädigt waren. Wir wurden positiv überrascht: Nach
wenigen Tagen fielen Sauen regelrecht über diese Streifen her und arbeiteten den Boden samt Mulchgut um. Dieser Effekt hielt sehr lange an. Immer wieder kamen andere Rotten in Anblick, obwohl dort gut Strecke gemacht wurde. In diesem Jahr werden wir mehr solcher Schneisen anlegen. Für den Landwirt hat es den Vorteil, dass er keine Schneisen extra ausweisen muss, weniger Arbeitsaufwand hat oder auch Saatgutkosten eingespart werden. Als Dankeschön gibt es von uns einen erlegten Überläufer. Um die Bejagungsschneisen für den Schwarzwild-Besuch attraktiver zu machen, greifen wir zu mittlerweile bewährten Hilfsmitteln. Auf jeder Schneise schlagen wir einen stabilen, etwa 160 Zentimeter langen Holzpfahl in den Boden ein. Dieser wird mit Pherotar-Buchenholzteer bestrichen. Der Pfahl ist zudem auf langen „eintönigen“ Schneisen äußerst hilfreich zur Entfernungsschätzung. Mit dem anziehenden Schwarzwildlockmittel von
Jehle (besteht aus rein pflanzlichen Geruchsstoffen mit Salzzusatz) werten wir die Lockstellen zusätzlich auf. Mit altem Körnermais macht man den Sauen keine wirkliche Freude in diesen Wochen. Wohl aber nehmen sie milchreife und später reife Maiskolben an. Daher brechen wir diese von den Stängeln ab und werfen sie verteilt auf die Schneisen.
Um die zuvor geschilderten Maßnahmen für eine effektive Wildschadenreduktion vornehmen zu können, bedarf es eines guten Miteinanders von Landwirten und Jägern. Schließlich haben ja beide Seiten die gleichen Interessen.

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