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Ein nasses Vergnügen

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Heiko Hornung

 

AUS DEM WILD UND HUNDTESTREVIER: Wochenlang bereitete sich die Redaktion auf die dritte revierübergreifende Drückjagd vor. Regen und Südwind am Morgen der Jagd ließen am Erfolg Zweifel aufkommen.

Die Wettervorhersage und diverse Wetter-Apps waren sich diesmal leider einig: Regen ab neun Uhr bis in den Nachmittag. „Das wird heute ein nasses Vergnügen“, scherzte ich zu den Treibern und Hundeführern am morgendlichen Treffpunkt. Sie antworteten mit einem gequälten Lächeln und zogen die Köpfe wie Schildkröten tiefer in den Kragen ihrer bunten Jacken. Die Revierleiter des Staatsjagdrevieres Weiseler Höhe, der Gemeindejagden Rettert, Holzhausen, Katzenelnbogen 2 und Obertiefenbach hatten sich viel vorgenommen. Durch noch ausgeklügeltere Stände, koordinierte Treiber und Hundeeinsätze sollte das
Streckenergebnis mit rund 60 Sauen noch einmal übertroffen werden. Mithilfe von Beobachtungsprotokollen hatten wir offensichtliche Lücken mit weiteren Schützen geschlossen.

Gespannführer Helmut Hilpisch (r.) und Chefredakteur Heiko Hornung besprechen eine Nachsuche.
Gute Stimmung bei den Schützen. In den Reihen der Bläser stand auch Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel (r.).

Aber dieser Morgen zeigte, dass alle Planungen ohne Wetter- und Jagdgötter gemacht werden, die sich wahrscheinlich höhnisch ins Fäustchen lachten, als sie die bunt gekleideten Jägerscharen durch die Schleier der Regenwolken betrachteten. Die Regularien waren schnell verkündet: Von zehn bis 13.30 Uhr sollte bewegt werden.

Danach „Hahn in Ruh“, Nachsuchen und Streckelegen. Flott waren im Testrevier 34 Schützen verteilt, und die beiden Treibergruppen sowie die Hunde begannen, in die triefnassen Einstände einzudringen. Ich selbst führte eine Gruppe über die Weiseler Höhe, dem höchsten Punkt unseres Revieres, ins Treiben hinein. Wir hatten kaum 100 Meter zurückgelegt, als es in unserem Rücken knallte. Ein einzelnes Stück Damwild flüchtete deutlich krank an uns vorüber. Eine Hundeführerin erkannte geistesgegenwärtig die Situation und schickte einen ihrer Hunde, einen schneidigen Heideterrier, hinterher. Zu
unserer aller Verwunderung brauchte er nicht lange, bis er das Stück erreichte, es schlichtweg niederzog und abtat. Bis die Führerin das Damtier erreichte, war es bereits verendet.

Marketingleiter Johannes Ruttmann (am Steuer) und Redakteur Markus Deutsch bargen mit einem Canam-Defender erlegtes Wild aus schwierigem Gelände.

Wenig später trat ich aus einem kaum mehr als zehn Quadratmeter großen Brombeerhorst sechs Sauen heraus, die lauthals von meiner Bracke und einem Terrier verfolgt wurden. Mit
offenem Mund wartete ich auf einen Schuss, doch im rauschenden Regen war nichts zu hören. In der Abteilung unter dem Steinbruch fanden wir ein größeres Rudel Damwild, das in alle Richtungen davon spritzte, aber auch hier hörten wir keine Schüsse. „Kruzifix …“, begann ich langsam vor mich hin zu fluchen. „Was machen die Schützen denn? Schlafen
die alle?“ Und es zeigte sich in der Tat, dass durch den Regen viele Schützen das Wild einfach zu spät wahrnahmen, was wiederum zu zahlreichen verpassten Chancen führte. Für Treiber gibt es nichts, was mehr frustriert. Die zweite Treibergruppe kämpfte sich durch die Brombeer-Schläge im Talbereich. Es kam dort einiges an Rehwild vor, doch die Schwarzkittel glänzten mit Abwesenheit. Nach gut zwei Stunden hatte keiner mehr auch nur einen Fetzen trockene Kleidung am Leib, und die Schneekälte kroch der Feuchtigkeit
hinterher in die Knochen. Der Anruf eines Schützen ließ mir zudem das Blut gefrieren: Ihm waren zwei Sauen gekommen, die er mit seiner Doppelbüchse ins Visier nahm. Auf den ersten Schuss fiel der erste Frischling. Auf den zweiten spürte er eine Menge Druck und heiße Gase im Gesicht. Die Basküle der Doppelbüchse war einfach geplatzt. Gott sei Dank
blieb der Schütze unverletzt. Er beendete auf seinem Stand mit einer eilig herbeigeschafften Leihwaffe die Jagd und war am Abend mit einem Damkalb und einer Sau Jagdkönig.
Soweit war ich sicher, dass Hubertus uns mit dem Regen heute nur einen Streich spielte, ansonsten aber die schützende Hand über der Jagd hielt. Denn als die Gruppen nach dem Treiben an der Plätzer Mühle einliefen, tröpfelten so langsam die Erlegungsmeldungen zusammen. Bei heißem Kaffee und frisch gebackenen Kuchen schilderten Jäger und Treiber ihre Erlebnisse.

Jagdkönig Uwe Beuschel mit Ersatzbüchse auf seinem Drückjagdbock am Ringwall.

Noch während auf dem Aufbrechplatz das erlegte Wild versorgt wurde, teilte ich aufgrund der Ansteller-Meldungen die Nachsuchenführer ein und eilte zum sogenannten Dreiländer-Eck, wo sich die Jagdleiter rund eine Stunde nach der Jagd zur Besprechung eventueller grenzüberschreitender Nachsuchen trafen. Die wichtigsten Infos waren dort schnell ausgetauscht und die Gespanne in Arbeit. Bei uns gab es zwei Kontrollsuchen und eine Suche auf ein laufkrankes Reh, das wir

Geschichten bei Kaffee und Kuchen (v. l.): Alexander Busch, Christian Schulte und Andreas Bach
Die Westerwälder Brackenjäger stellten nicht nur Hunde, sie verbliesen auch die Strecke.

leider auch am nächsten Tag nicht bekommen haben. Die Kontrollen stellten sich als Fehlschüsse heraus. Nach der Auswertung aller Ansteller-Protokolle hatten wir am Ende ein Schussverhältnis unter 1 zu 2, was für disziplinierte Schützen spricht. Auf der Strecke lagen im Talgrund bei Fackelschein zwei Stück Damwild, drei Sauen, sieben Stück Rehwild und ein Fuchs. Nicht so viel wie im Vorjahr, aber angesichts der Wetterverhältnisse

waren wir zufrieden. Ein gutes Ergebnis erzielte das Staatsrevier mit einem Damkalb, 14 Sauen und 13 Stück Rehwild. Enttäuscht waren die Nachbarn in Rettert. Konnten sie im Vorjahr 30 Sauen verblasen, waren es diesmal nur zwei. Des Weiteren zwei Rehe und ein altkrankes Stück Damwild. Holzhausen erbeutete ebenfalls zwei Sauen, zwei Rehe und einen Fuchs.

Trotz Dauerregen lagen im Schein der Fackeln 13 Stück Wild.

Einen Film über die revierübergreifende Drückjagd sehen Sie im WuH-Waidblick 1/2017.

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