Gedicht: Ein typischer Deutsch Stichelhaar

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Ein typischer Deutsch Stichelhaar
 
Nun hab‘ ich ihn im sechsten Jahr,
den heiß geliebten Stichelhaar!
Neun Wochen alt, kam er ins Haus
und kannte sich so gar nicht aus.
Dann aber brachte er mit Pfiff,
die Umwelt schnell in seinen Griff!
Schon längst versteht er jedes Wort.
Ist er enttäuscht, dann schleicht er fort.
Doch Spaß zeigt er so vehement,
dass man sein Lachen stets erkennt!
Als Freund kein Mensch, doch auch nicht Tier
ist er fast wie ein Stück von mir!
Die Lehrzeit, machte keine Sorgen,
beschrieb sie doch die Jagd von morgen,
die ohnehin im Blute steckte
und schnell das Angewölfte weckte.
Jagdmäßig zeigte sich dann klar,
der typische Deutsch Stichelhaar.
Bei Katzen fackelt er nicht lange,
den Keiler stellt er ohne Bange.
Die Ente kommt ihm nicht davon,
beim Fuchs, da kennt er kein Pardon.
Den Hasen apportiert er fröhlich,
und Bisamsuche stimmt ihn selig!
Begeistert waren viele bald,
ein Künstler hat ihn gleich gemalt!
Doch ließ ihn das wohl ziemlich kalt,
er gibt den Vorzug Wild und Wald!
Wir jagen gern – jedoch nicht nur,
wir stromern auch durch die Natur.
Zum Teich, durch Heide, Sand und Moor.
Der Hund verweist, oft steht er vor
und zeigt mir dabei unverwandt,
was sich verbirgt am Wegesrand.
Auf seinen Spürsinn ist Verlass.
Ist er nicht bei mir, fehlt mir was!
Wir kehren oft erst spät zurück.
Sich zu versteh’n, genügt ein Blick!
Er hat so seine eig’ne Sprache,
die Deutung: Das bleibt meine Sache!
Und abends dann vor dem Kamin,
legt er sich leise zu mir hin,
stupst mit der Schnauze meine Hand,
mein „Bodo vom Ostfriesenland“!
Die Zeit läuft schnell, und Glück zerbricht,
was einmal sein wird, weiß ich nicht.
Doch nie vergess ich das, was war,
mit Dank an meinen Stichelhaar!
Hans Freiherr von Stackelberg

In der WuH 10/2017 lesen Sie ein Porträt über Hans Freiherr von Stackelberg. Der ehemalige Kommandant des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ ist seit über 80 Jahren treuer WILD UND HUND-Leser.

Hans v. Stackelberg mit WuH-Heften von 1951 und 2017 Foto: Markus Deutsch
WILD UND HUND im wahrsten Sinne des Wortes: "Bodo" im 4. Feld apportiert einen Fuchs. (Foto: Hans v. Stackelberg)
So gestaltet erreichte uns das handschriftliche Original des Gedichts. (Fotos: Hans v. Stackelberg)