Hirsch- statt Sau-Dusel

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Heft 09/2007
HIRSCHJAGD IN DER SLOWAKEI
Einen seiner interessantesten Hirsche erlegte Jürgen Jösch – damals noch Berufsjäger in Afrika – so ganz nebenbei. Er tauschte eine Südafrika-Safari gegen eine Feisthirschjagd in der Slowakei und erlegte dort einen 12-Ender. Nichts Besonderes, werden Sie sagen. Doch lesen Sie selbst.

 


Hirschfieber

In WILD UND HUND 9 schildert Jürgen Jösch aus seinem neuen Buch „Hirschfieber“ (Wage-Verlag, ISBN 3-937216-10-3, 22 €) die Erlegung des „Weltrekord-Mörderhirsches“. Neben Hirschgeschichten aus aller Welt streut der Autor launisch und mit spitzer Feder geschriebene Essays in sein Werk ein, die rein gar nichts mit Hirschjagd zu tun haben. Durchaus in philosophischer Betrachtungsweise, aber mit einem guten Schuss Ironie gewürzt, machen sie den besonderen Reiz dieses Buches aus, dass sich damit wohltuend vom manchmal faden Einerlei des sonstigen Jagdbuchmarktes abhebt. „Hundeknurren“ ist eine solche Geschichte.
-bü-

Hundeknurren

Menschen sind komische Tiere. Eigentlich hätten sie es nicht verdient, dass man auch nur über sie knurrt, weil sie so unnatürlich geworden sind. Da sie aufrecht auf zwei Beinen herumlaufen, tragen sie ihre Nase sehr hoch, sind damit weit davon entfernt, was sich auf der Erde abspielt.
Für meine Spezies haben die überheblichen Menschen meist nur Verachtung übrig. Da wird ein Mensch, mit dem man eigentlich Mitleid haben sollte, geringschätzig dummer Hund genannt. Jemand, der es zu nichts Besonderem gebracht hat, ist ein armer Hund. Einer, der es mit der Wahrheit und dem Eigentum anderer Leute nicht so genau nimmt, ist ein krummer Hund. In einer Gegend, wo sich nicht viel ereignet, ist „der Hund begraben“. Sie sehen, was ich meine.
Sehr schnell erkennt man, dass die Zweibeiner jeglichen Instinkt verloren haben. Ihr Gehörsinn war ja noch nie besonders gut entwickelt, und sehen wollen sie sowieso nur noch das, was ihnen angenehm ist. Ihren Geruchssinn schließlich sollte man eine Katastrophe nennen. Sie werden es mir nicht glauben, die Menschen können sich selbst kaum noch riechen.
Zusammenfassend darf man sagen, es sind dem überheblichen Menschen nahezu alle natürlichen Sinne verloren gegangen. Kein Tier kann ermessen, wie instinktlos die Menschen geworden sind.
Dabei bilden sie sich wer weiß was darauf ein, dass sie denken können. Wenn ich aber sehe, wie weit sie es mit ihrem Denken und der daraus entstandenen Wissenschaft gebracht haben, dann bin ich heilfroh, dass ich nicht denken kann und mich ausschließlich auf meinen Instinkt verlassen muss.
Weil sie diesen aber im Laufe der Zeit gänzlich verloren haben, spornen sie ihren unnatürlichen Verstand immer weiter an, Dinge zu erfinden, die ihnen das Leben leichter und damit noch instinktloser machen sollen. Dabei verstoßen sie immer hemmungsloser gegen die allmächtigen Naturgesetze, und deshalb ist das Ende der Menschheit abzusehen.
Momentan kann man ja noch von einem Zeitalter der Menschen sprechen, welches sich aber rasend schnell zum Chaos entwickelt. Vermutlich aber hat es der Schöpfer vorbestimmt, dass sich der Mensch selbst zerstört, denn es ist doch klar erkennbar, wie instinktlos zielstrebig die Zweibeiner an ihrem eigenen Untergang arbeiten. Aber über Dinge, die von einem höheren Wesen bestimmt werden, möchte ich mir nicht mein Hundehirn zermartern.
Wie bekannt, hat nach dem Zeitalter der Tiere, welche mit den übergroßen Dinosauriern das damalige Weltbild prägte der habgierige Mensch die Führung übernommen, Nach seiner absehbaren Zerstörung wird wohl das Zeitalter der Insekten beginnen.
Derartig komische Gedanken bekommt man leider, wenn man wie ich ein alter Hund geworden ist. Doch reden wir nicht mehr von mir, sondern über die komischen Zweibeiner.
Der unnatürliche Leidensweg eines Menschen beginnt schon in frühester Kindheit. Ein junger Hund hat es da um vieles leichter, denn von ihm wird allerhöchstens verlangt, dass er stubenrein wird.
Doch ein Mensch hat die unbedingte Pflicht, es zu etwas zu bringen.
Doch anstatt man der Natur seinen Lauf lässt, wird beim jungen Menschen-Welpen mit allen Mitteln verhindert, dass sich ein natürlicher Instinkt, eine spezielle Veranlagung oder Begabung überhaupt entwickelt. Deshalb müssen sie schon in jungen Jahren in großen Höhlen, Schulen genannt, höchst ungesund zusammengepfercht eng beieinander hocken, um Denken zu lernen.
In Wirklichkeit aber will man erreichen, dass alle Menschen, von Kindesbeinen an, dieselben Ziele haben sollen. Man will mit allen Mitteln verhindern, dass sie sich individuell verschieden entwickeln, wie es in der Natur jedem Lebewesen zugestanden wird. Was man will, ist eine große instinktlose und damit leicht zu lenkende Menschenmasse, in der alle die gleichen unnatürlichen Ziele haben. Im Heranbilden von manipulierbaren, widerspruchslosen Individuen ist diese Methode nahezu hundertprozentig erfolgreich, da eine frühe Kindheitsprägung das ganze weitere Leben bestimmt. So wird ein armes Menschenkind von Anfang an darauf dressiert, für den Rest seines Lebens manipulierbar zu sein.
Man soll seine Eltern lieben, die Obrigkeit achten, stets gehorsam und zusätzlich auch noch pünktlich sein, vor allem aber, pausenlos lernen.
Kein Wunder, dass bei einer derartigen Kindheit keinerlei Raum verbleibt, um Eigenheiten oder Veranlagungen zu entwickeln. Denn alle werden sie frühzeitig darauf dressiert, zu gehorchen und ihre Pflicht zu tun.
Das höchste Lebensziel bei ihnen aber scheint ein Beruf zu sein. Dieser ist noch wichtiger als Gesundheit. Dabei hält sie ein Beruf meist vom freien, unbeeinflussten Denken ab. Außerdem vergeudet er damit die besten Jahre seines Lebens.
Braucht es da weiterer Beweise, dass der Mensch inzwischen alle seine Instinkte verloren hat und geradewegs auf seinen baldigen Untergang zusteuert?
Hört man ihnen aufmerksam zu, dann sind sie alle auf der Suche nach ihrem Lebensglück. Kein Wunder, dass bei ihrer manipulierten Aufzucht auch dieses Lebensglück für alle Zweibeiner ziemlich gleich aussieht.
Sie nennen es Geld und glauben fest daran, dass dieses Geld der Schlüssel zum Glück wäre. Um möglichst viel davon zu bekommen, schreckt ein Mensch vor nichts zurück. Dafür werfen sie alles über Bord, was ihnen wert und heilig sein sollte.
Kein Hund wird mir glauben, welche Demütigungen, Erniedrigungen bis hin zur Selbstaufgabe ein Mensch auf sich nimmt, um nur ja nicht ohne Geld zu sein.
In der Natur haben alle Lebewesen eine Rangordnung in der Stärke, Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen, Gesundheit, Instinkt, und sie können die einzunehmende Stellung oder Rangordnung bestimmen. Beim überheblichen Menschen aber, der sich einbildet, die Natur völlig besiegt, oder wie er sagt „im Griff“ zu haben, bestimmt ausschließlich das unnatürliche Geld diese Rangordnung.
Mit der Erfindung des Geldes begann die Erniedrigung der Menschen. Dadurch wurden die Zweibeiner bar. Lenkbar, beeinflussbar, manipulierbar, erpressbar und im Endeffekt somit auch ersetzbar, weil bar eines jeden freien Willens.
Je mehr Geld er hat, umso wichtiger wird seine Stellung im Rudel – bei ihnen Gesellschaft genannt. Dadurch steigt auch die Chance, es zum Oberhund zu bringen.
So ein Oberhund – Politiker genannt – darf sich nahezu alles erlauben. Dabei nennen sie sich auch noch überheblich „Volksvertreter“. Indessen vertreten sie vordergründig ihre eigenen Interessen.
Während bei der manipuliert aufgezogenen Masse fleißige Arbeit in einem Beruf die nahezu einzige Gelegenheit ist, an Geld zu kommen, gelten für einen Politiker ganz andere Maßstäbe. Er braucht keinen Beruf mehr und kann öfter seine Ansichten ändern. Selbst wenn er im Krieg unter fremdem Namen gegen sein eigenes Land kämpfte, kann er es immer noch zum Rudelführer – bei ihnen Bundeskanzler genannt – bringen.
Muss ich da noch weitere Beweise anführen, um aufzuzeigen, dass eine manipulierte Aufzucht zum Verlust aller Restinstinkte führt?
Angeblich war ja das Geld dazu gedacht, den Menschen glücklicher zu machen. Leider ist aber das genaue Gegenteil der Fall. Hat er viel davon, dann bestimmt dies nahezu alles in seinem Leben, denn es dreht sich nur noch ums „Geldhaben“.
Außerdem wird auch noch behauptet, Geld mache frei, doch lässt sich feststellen, dass seine Freiheit aufhört, wenn er sehr viel Geld hat, denn er legt allergrößten Wert darauf, es mit allen Mitteln zu vermehren, und diese Beschäftigung bestimmt sein ganzes weiteres Leben.
Im Land, in dem ich meine Hundehütte stehen habe, nennen sie sich stolz das Volk der Dichter und Denker. Davon scheint wenig übrig geblieben zu sein, denn obwohl sie von ihren Oberhunden zweimal ins absolute Chaos – bei ihnen Weltkrieg genannt – geführt wurden, scheinen sie nichts daraus gelernt zu haben, denn ihre Oberhunde haben noch immer eine nahezu unbegrenzte Macht.
Tief in ihrem Innern spüren die Menschen anscheinend aber doch, dass es rasend schnell abwärts mit ihnen geht. Deshalb sind sie auch immer stärker daran interessiert, auf einen anderen Planeten auszuweichen, um dort genauso wie auf der Erde alles Natürliche zu zerstören und in Unordnung zu bringen.
Doch anstatt in Ruhe nachzudenken und sich auf die Natur und ihre Abläufe zu besinnen, sind die verblödeten Menschen fieberhaft dabei, immer neue Technologien zu erfinden, die allesamt dazu führen, die Natur zu verändern, zu belasten und schwer zu schädigen. Damit schaffen sie für alle Lebewesen tödliche Gefahren. Sie vergiften die Erde, verpesten die Luft und verseuchen das Wasser.
Wenn die Natur darauf reagiert, die Bäume ihre Blätter verlieren, die Vögel nicht mehr singen und die Fische steif und tot im vergifteten Wasser treiben, Kleinstlebewesen und Zellen absterben, von deren Notwendigkeit die arroganten Zweibeiner überhaupt keine Vorstellung haben, dann rotten sie sich zusammen und laufen in riesigen Rudeln herum. Sowas nennen sie eine Demonstration.
Damit wollen sie sich bei ihren Oberhunden beschweren, wogegen weiß ich aber nicht, und ich habe den Verdacht, sie wissen es selbst auch nicht.
Wahrscheinlich möchten sie sich beschweren, dass es so viele von ihnen gibt. Doch da sie dies nicht offen aussprechen dürfen, verschanzen sie sich hinter ihren Oberhunden. Wissen sie doch gut, dass ihre Politiker die großen Rudelmassen brauchen, damit ihre finanzielle Speckschicht nur ja nicht in Gefahr gerät.
Der Schöpfer allen Lebens soll gesagt haben: Wachset und mehret euch, erfüllet die Erde und machet sie euch untertan. Diese Worte hat unser höchster Lenker aber allen Lebewesen als Ansporn mit auf den Weg gegeben.
Doch der Mensch in seiner Habgier hat diesen Auftrag allein für sich beansprucht und hat umgehend seinen Vernichtungsfeldzug gegen Pflanzen und Tiere begonnen und außerdem unsere Erde nicht erfüllt, sondern mit herzlosen Menschen überfüllt. In einem Maße, dass sie inzwischen die weitaus häufigste Säugetierart geworden sind. Es hätte niemals soweit kommen dürfen, dass sich die Menschheit so stark vermehrt und derartig unnatürlich ins Uferlose anwächst.
Ging es um uns Tiere, dann haben sich die Menschen stets das Recht herausgenommen, unseren Bestand zu bestimmen, zu regulieren und, wie sie es so hochtrabend formulieren, in natürlich vertretbaren Grenzen zu halten.
Wo aber liegen die natürlich vertretbaren Grenzen dieser ständig wachsenden Menschenmassen? Sie wollen es einfach nicht begreifen, dass der Lebensraum auf unserer Erde begrenzt ist und dass unser aller Fortbestand nur von der Ausgewogenheit der unterschiedlichen Arten garantiert wird. Doch instinktlos und ohne Verstand zerstören sie mit ihrer ungehinderten Menschenvermehrung diese Ausgewogenheit.
Elternpaare, die viele Welpen – sprich Kinder – aufziehen, bekommen Prämien, anstatt durch höhere Abgaben für diese Mehrbelastung herangezogen zu werden. Die Kirche, die sich habgierig schon vor unendlich vielen Hundeleben von den Lehren unseres Schöpfers, dem Lenker der Natur, abgewandt hat, verbietet ihren Gläubigen sogar jene Hilfsmittel anzuwenden, welche mithelfen könnten, diese unnatürliche Menschenvermehrung zu stoppen.
Doch meines Erachtens ist es die Bestimmung der Menschen, sich selbst zu zerstören, und so erfüllen sie im Grunde genommen ja nur den Willen Gottes.
Doch um die vielen anderen Tiere, die lustig umherschwirrenden Insekten, die geduldigen Fische, die buntschillernden Vögel, vor allem aber um die friedlichen, unschuldigen Pflanzen, welche nie jemandem etwas zuleide taten, ist es doch jammerschade. Diese geben mir auch das Recht, dass ich meine Stimme erhebe.
Da ich aber, wie schon am Anfang erwähnt, inzwischen ein alter Hund geworden bin, reicht meine Stimme nicht mehr zum landesweiten Bellen, sondern nur noch zum bösen, warnenden Knurren. Doch selbst lautes Bellen würde keinen Eindruck bei den Menschen machen, denn sie behaupten: Hunde, die bellen, beißen nicht.

 

 

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