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Königsdisziplin Altschäden

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Vor der Mahd müssen die Spuren der winterlichen Schwarzkittel-Fraßsuche verschwinden. Dafür haben
wir uns einen alten Bekannten ins Revier geholt –
den „Wiesenengel“. Der wartet allerdings mit neuer Taktik und Technik auf, um die Erdwogen zu glätten.

Markus Deutsch

Foto: Markus Deutsch

Das Schwarzwild war im Testrevier über die Winter- und Frühlingsmonate nicht untätig und hat sich neben anderen attraktiven Grünländereien vor allem auf der Heide an den Bodenbewohnern gütlich getan. Von Weitem sahen die Hinterlassenschaften der Gebräch­arbeiten gar nicht so wild aus. Aber beim näheren Betrachten wurde schnell klar: Es gab fast keine Ecke auf der rund zwei Hektar umfassenden Heide, die unberührt geblieben war. Also kam nur eine Komplettsanierung infrage!
Da die Vegetation auch in diesem Jahr durch das warme Wetter früher in Wallung geraten war, mussten wir handeln. Zumal abgetrocknete, gesetzte Altschäden immer schwieriger und nur mit größerem Zeitaufwand zu beheben sind als lockere frische mit noch wachsender Gras­narbe.

Bereits vor zwei Jahren hatten wir das Kombi-Anbaugerät „Wiesen­engel“ im Revier (WuH 11/2018), um Schäden zu beheben. Mittlerweile hat sein Erfinder Martin Dengler das Gerät weiterentwickelt: Neuerdings sorgt eine Sternringwalze mit abwechselnd festen und losen Ringen dafür, dass das Substrat und die Nachsaat verfestigt werden, ohne den Boden zu versiegeln. Die beweglichen Ringe passen sich dem Untergrund an, was in der hügeligen Region des Testreviers mit seinen häufig uhrglasförmigen Wiesenflächen von Vorteil ist.

Zudem setzt Dengler bei der Königsdisziplin Altschadensbehebung auf eine besondere Taktik: Zusätzlich zum „Wiesen­engel“ kommt eine Frontkreiselegge zum Einsatz. „So bekommen wir ausreichend Substrat, das dann durch die „Culticut“-­Walze gleichmäßig in die Vertiefungen der Weide verteilt wird“, erklärt der „Wiesenengel“-Produzent. „Wenn die Altschäden sich gesetzt haben, ist meist zu wenig Substrat vorhanden, um die Löcher zu füllen. Das umgehen wir, indem wir die Frontkreiselegge einsetzen.“

Die erste Welle im „Wiesenengel“, der Primusmulcher mit den schweren Pratzen, sorgt dafür, dass das kreiselgeeggte Material und die durchs Brechen aufgehäuften Erdballen abgetragen undnach hinten befördert werden. Dort verteilt die zweite, gegenläufige Welle mit den komplett durchschwingenden Messern, der sogenannte „Culticut“, das vom Mulcher stammende ­Material gleichmäßig, wobei die Altnarbe erhalten bleibt.

Die Hauptverantwortlichen fürs Schädenbeheben
sind beim Abladen gut zu erkennen (v. o.): Primusmulcher, „Culticut“ und Sternringwalze.
Foto: Markus Deutsch

Auf die „Culticut“-Welle folgt die vor Steinschlag geschützte Nachsaateinheit. Sie lässt sich je nach Saatgut und den ­entsprechenden Ansprüchen (Licht- oder Bodenkeimer) ­einstellen. So können in einem Durchgang die Wildschäden bearbeitet und nachgesät werden. Primusmulcher, „Culticut“ und Saat­einheit sind von einer Doppelwandkonstruktion aus verhältnismäßig weichem Stahl umgeben. Vibrationen sollen dadurch verringert werden. Den Abschluss bildet die neue Sternringwalze. Über sie wird vor dem Einsatz auch die ­Arbeitstiefe eingestellt.

Nachdem Landwirt Eckert die Drille mit der Grassaat abgedreht und die Ringwalze auf die richtige Höhe gebracht hat, geht es mit dem 125-PS-Trecker los. Auch als er die ersten Schäden erreicht, nimmt der Arbeitslärm nicht zu. Allem Anschein nach beißt sich der „Wiesenengel“ ohne großes Aufheben durch die eingetrockneten Erdklumpen. Es staubt lediglich sichtbar, was aber bei der vorherigen trockenen Witterung kein Wunder ist.

Im Vordergrund sind noch Altschäden zu sehen. Dahinter hat der Wiesenengel schon eine Bahn gezogen.
Foto: Markus Deutsch
Aus der gleichen Perspektive fotografiert, nachdem das Gerät die Schäden eingeebnet hat.
Foto: Markus Deutsch
Die Stelle auf der Heide nach 14 Tagen, allerdings nahezu ohne zwischenzeitlichen Niederschlag.
Foto: Markus Deutsch

Nach zwei Stunden sieht die Heide aus wie ein frisch gerechter Rasen. „Ich musste mich da erstmal kurz einfuchsen“, berichtet Eckert von seinen Erfahrungen mit dem modifizierten „Wiesenengel“. „Das lag aber vor allem an der Frontkreisel­egge, weil die Arbeitstiefe beim Fahren immer angepasst werden muss, wobei der ‚Wiesenengel‘ ja nur einmal vor Beginn eingestellt wird. Beides zusammen ist ziemlich effektiv.“
Die neue Sternringwalze hat den Landwirt ebenfalls überzeugt: „Die hat gute Arbeit gemacht. Auch dass man Schäden behebt und gleichzeitig einsät, ist eine tolle Kombination. Sehr überrascht hat mich, dass ich ungefähr ein Fünftel bis ein Viertel weniger Kraftstoff verbraucht habe, weil das Gerät leichtzügig ist und ich mit der Eco-Sparzapfwelle und dadurch geringerer Tourendrehzahl arbeiten konnte.“

Mit der Arbeit des „Wiesenengel“ war Tester Stefan Eckert also zufrieden. „Jetzt können wir nur hoffen“, schließt der Landwirt sein Fazit zwei Wochen nach dem Einsatz, „dass es mehr regnet. In den vergangenen 14 Tagen sind kaum zwei Liter runtergekommen. Wenn wir jetzt mal Wasser kriegen, sehen wir in drei bis vier Wochen, wie das angewachsen ist.“

Die Heide nach dem Einsatz des „Wiesenengels“. Davor waren fast auf der ganzen Fläche Schäden zu finden, die in den Wintermonaten entstanden waren.
Foto: Markus Deutsch
Landwirt Stefan Eckert schaut sich das Mulch- und Verteilungsergebnis aus der Nähe an.
Foto: Markus Deutsch
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