Im Test: Innotek für die Hundeausbildung – Tippen statt schocken

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Na, na… Plötzlich ist da jemand, der will einem eine neue Philosophie zur Ausbildung von Jagdgebrauchshunden vermitteln. Es kann ja nicht schaden, denkt man, sich das einmal anzuhören. Und schon bald folgt eine deftige Überraschung…

 

Arbeit mit Innotek und dem „Taubenwerfer“

von Rolf Kröger

Als mich ein Vertreter der Firma „Inotek“ endlich überredet hatte, doch einmal in der Praxis seine Ausbildungshilfen und E-Geräte zu begutachten und mir vor allem seine „alternative Ausbildungsphilosophie“ nahezubringen, war ich mehr als skeptisch.

Was sollte dabei schon herauskommen? Da wollte jemand seine Gerätschaften verkaufen und den WILD UND HUND-Redakteur dazu benutzen, kostenlos Werbung für seine Produkte zu machen. Viel mehr konnte doch nicht dahinterstecken; denn Andeutungen über „zwanglosen Zwangsapport“ oder ähnlichen Nonsens waren wenig dazu angetan, Vertrauen zu erwecken.

Vorbehalte

Alles, was ich vorher gehört hatte, erschien mir zu „amerikanisch überkandidelt“, zu abgehoben, welt- und praxisfremd und vor allem zu ungewohnt.

Auch das „Outfit“ der beiden Hundetrainer trug zu dem Vorurteil bei. Gamaschenbewehrtes Gebein, Baseballmützen und Tarnanzüge. Nee, das konnten eigentlich keine gestandenen Jagdhundausbilder sein, die sehen bei uns doch anders aus.

Um es vorweg zu nehmen, es kam ganz anders. Schon bei der ersten theoretischen Kurzeinführung durch die beiden Hundetrainer Bart Belon aus Belgien und Uwe Heiss aus Deutschland wurde ich hellhörig.

Ein verstohlener Seitenblick auf die beiden erfahrenen Hundeführer, die ich der Objektivität wegen dazu eingeladen hatte, gab mir ebenfalls zu denken. Denn auch die Rüdemänner der alten Schule runzelten nach kurzer Zeit ebenfalls immer nachdenklicher ihre Stirn. Selbst der sonst eher konservative WuH-Fotograf Burkhardt Winsmann-Steins zeigte zunehmendes Interesse.

„Es geht uns“, so Bart Belon, „in erster Linie um unsere Ausbildungsphilosophie, die von gängigen Abrichtemethoden in vielem abweicht. Man muss natürlich grundsätzlich bereit sein, die Ausbildung des Jagdhundes einmal von einer ganz anderen, ungewohnten Seite anzugehen.

Aber wen das Gezeigte nicht überzeugt, der kann ja so weitermachen wie bisher.

Es gibt viele verschiedene Systeme der Hundeausbildung. Man muss sich das heraussuchen, das für einen persönlich am besten geeignet ist. Und wir bauen auf unsere Methode ohne zu verhehlen, dass wir dabei auch unsere Geräte vorstellen wollen.“

Revolutionäre Methode?

Auf die Frage, was denn das Revolutionäre an der Inotek-Methode sei, antwortete Bart Belon: „Es geht uns auf Basis der Kontaktmethode um das saubere Konditionieren, das Aufbauen der Hunde mit Hilfe niedrigster Funkimpulse des E-Gerätes.

Wichtig ist, dass man das Gerät in jede Übung einbaut. Wir wollen mit dem E-Gerät nicht strafen, sondern erziehen. Das ist eine neue Idee. Die alte Idee war, mit dem E-Gerät nur „Nein!“ zu sagen.

Es handelt sich hier nicht um sogenannte „last- chance“-Einsätze, bei denen der Hundeführer auf den Knopf drückt, um Fehler oder Missstände zu korrigieren, wenn nichts anderes mehr geht.

Funktion

Unser Funkimpuls liegt zwischen 40 und 85 Millijoule, der von last-chance-Geräten hingegen bei über 1000 Millijoule.

Da sich über therapeutische Elektro-Massage beispielsweise in der Humanmedizin niemand aufregt, besteht eigentlich kein Grund, über unsere geringen Impulse die Nase zu rümpfen. Entscheidend ist doch, dass sie letztlich helfen, Hundeleben zu retten, was bekanntlich nur über Gehorsam zu erreichen ist und der ist das vorrangige Ziel.“

Auf die Frage: „So ein Stromimpuls tut doch weh, oder?“ folgte die Antwort: „Eben nicht, probieren sie es doch einmal selbst aus!“ Aber dazu war zunächst keiner der Anwesenden bereit.

Leichtes Kribbeln auf der Haut

Erst als der markante Satz fiel „Wie kann man den Geschmack von Salz erklären, wenn man es noch nie probiert hat?“, gaben wir uns einen Ruck und bekamen den Empfänger ans Gesicht gehalten. Erstaunlich, aber es war auf den Impuls nur ein leichtes Kribbeln auf der Haut zu spüren .

„Und das bisschen soll ausreichen, einen passionierten, wesensfesten Hund zu beeinflussen, oder gar von irgendwelchem Tun abzuhalten?“

„Die Motivation des Hundes ist es, das Kribbeln am Hals auszuschalten. Manche Kritiker bezeichnen das als „Meiden“. Ich sehe das anders; denn hier wird ja kein Schmerz vermieden.

Jede Form von Lehren basiert auf Ruhe. Wir nennen das die Kontaktmethode und stellen durch das Antippen der Niedrigstufe in sensiblen Bereichen erst einmal die zum Lernen nötige Konzentrationsphase her.

Das schafft Lernfähigkeit, Aufmerksamkeit. Wichtig ist, dass das Umlegen des Empfänger-Halsbandes von Anfang an positive Verknüpfungen beim Hund hervorruft. Allein das Zeigen der Halsung löst ähnlich freudigen Reiz aus wie beispielsweise sonst der Griff zur Leine oder zum Gewehr.“

Und dass das in der Praxis so sein kann, belegte der Labrador von Uwe Heiss beim folgenden Reviergang. Sowie der Rüde die E-Halsung in der Hand seines Führers eräugte, war er „voll da“ und sprang in freudiger Erwartung auf.

Durch Signale unterstützt, ließ er sich durch Handzeichen einweisen, einen in mehreren hundert Metern Entfernung versteckten Apportierbock zu finden und zu bringen. Immer wieder verhielt der Rüde und suchte den Blickkontakt zu seinem Führer.

Vor- und Nachteile für Hund und Führer

Zaubern, das wurde im Verlauf der Feldarbeit mit mehreren Jagdhunden unterschiedlicher Ausbildungsstufen klar, kann man nach der Philosophie des „zärtlichem“ Funkimpulses nicht.

Auch wurde bewusst, dass man nicht „auf gut Glück“ drauflos werkeln darf. Vielmehr ist eine Einweisung dringend erforderlich (siehe Kasten), sonst läuft man Gefahr, dass man das Gegenteil erreicht.

Aber folgende Vorteile wurden bei gekonnter Handhabung für die Teilnehmer offensichtlich:

  • Der Hund kann mit ruhigen, freundlichen Kommandos sauber konditioniert werden (Zitat: „Schluss mit dem Gebrülle und dem Hinterhergerenne!“).
  • Auf die Sekunde genau erlaubt das System eine Verstärkung von Lob oder Tadel. Der „arische Leinenruck“ ist beispielsweise schmerzhafter für den Vierläufer als das Kribbeln des Impulses.
  • Und vor allem: Wenn Signal und Einwirkung simultan erfolgen, sind „Missverständnisse“ so gut wie ausgeschlossen.

Kein Zweifel, das System ersetzt weder „Handarbeit“ mit der Leine noch den fachkompetenten Ausbilder mit Fingerspitzengefühl und Hundeverstand. Es zwingt aber praktisch den Führer dazu, weder mimisch, gestisch noch im Tonfall gegenüber dem „Azubi“ auszurasten.

Diese Ruhe des Führers überträgt sich auf den Hund, wie an mehreren Beispielen frappierend belegt wurde und wirkt sich positiv auf das Zusammenspiel aus.

So wurde zum Beispiel ein fast roher Kurzhaar-Junghund, der hechelnd und unruhig seinen Führer hinter sich her zog, innerhalb weniger Minuten „aufmerksam“, stellte sich erstaunlich schnell auf die Umstände ein und ging danach an der Leine bei Fuß, als hätte er es nie anders getan.

Die Arbeit mit dem Jagdhund ist schließlich kein „Dienst“, sondern soll auch dem Führer Freude machen. Und wenn der wutentbrannt mit schweißnasser Stirn hinter seinem ungehorsamen Hund herbölkt, wird das ganze stressig und zur Belastung – für beide Seiten.

Schon in der Prägephase geht durch zu starken Zwang oft manches in die Hose. Wutausbrüche haben selten das bewirkt, was man beabsichtigte. Die Inotek-Methode verbietet praktisch cholerische Reaktionen des Führers. Jeder Hundeführer, dem schon einmal die Sicherung durchgebrannt ist, weiß was damit gemeint ist.

Spaß auch für den Hund

Der Hund soll Freude an der Arbeit haben, nicht an der Belohnung nach der Arbeit. Das kommt auch in dem guten englische Leitspruch zum Ausdruck: „The dog should have the will to please.“ Der Hund soll Freude daran haben, dir zu gefallen.

Auf die Frage, was denn mit wirklich schwierigen Hunden, sogenannten Verbrechern ist, lautete die Antwort: „Auch manch harter und verdorbener Hund ist noch in den Griff zu bekommen, wenngleich das in der Regel sehr zeitaufwendig ist. Das Gerät versetzt ja durch mehrere Reizstufen in die Lage, je nach Temperament und Härte die Einwirkung zu dosieren.

Wir machen es dem Hund grundsätzlich leicht, das Richtige und schwer, das Falsche zu tun. Wichtig ist, dass die Einwirkung im Ansatz erfolgt. Nicht dann, wenn etwas Ungewünschtes geschehen ist, sondern in dem Moment, in dem es gerade geschieht.

Das geht mit herkömmlichen Methoden nur selten. Und entscheidend ist, während der Ausbildung nicht bei der Übung Y oder Z anzufangen um etwas zu reparieren, sondern immer von vorn bei A, dann B und so weiter. Aufzubauen und Vertrauen zu schaffen ist keine Phrase. Sie bringt dann Erfolg, wenn sie über kurz oder lang zur Partnerschaft wird.“

„Ich habe selbst“, so Uwe Heiss, „jede Menge Fehler bei der Ausbildung von Hunden gemacht und bin von Haus aus kein Weich-Ei, falls sie das glauben, nur weil ich das Wort Partnerschaft so oft gebrauche. Wir halten überall in Deutschland Seminare ab, in denen andere Hundeführer aus unseren Fehlern und deren positive Umsetzung lernen können. Diese Seminare bringen mehr Verständnis für diese neue Methode rüber, als der beste geschriebene Text. Und sie ersparen Lehrgeld.“

Vorstehen ohne wenn und aber mit dem „Taubenwerfer“

Wir gingen mit einer fast rohen DK-Hündin zum Vorstehen ins Feld. Zur Erläuterung: Es handelt sich um die Hündin mit den ernsthaften Wachstumsproblemen, von der in WuH 10/2000, Seite 80, berichtet wurde.

Wegen ihrer langen Krankheit hatte die Hündin großen Nachholbedarf, zumal sie kurz darauf auf dem Derby bei DK-Weser-Bremen vorgestellt werden sollte. Es drängte also, die Hündin zum festen Vorstehen zu bekommen.

In einem großen Senfschlag fand der Hund zunächst eine Fasanenhenne und Paarhühner, aber mit dem Vorstehen wollte es nicht klappen.

Mit „Juhuh“ warf sie das Wild heraus. Sie wusste offensichtlich nicht, worum es ging. Jetzt trat der Inotek-Taubenwerfer in Aktion. Hierzu wurden lebende Brieftauben in drei der Behälter gesteckt und diese „Vorstehhilfen“ an unterschiedlichen Plätzen in der Deckung aufgestellt.

Sowie der Hund aus der Suche heraus Wind bekam, die Witterung markierte, anzog und mittels langer Feldleine am Einspringen gehindert wurde, löste ein Fern-Impuls die Arretierung des Taubenkastens und der Vogel strich ab.

Nachprellen und Einspringen verhinderten die am Hund doppelt gesicherte Leine und die beruhigende Einwirkung des Führers. Das erste mal klappte es noch nicht so richtig, die zweite Taube stand sie schon ganz passabel vor und bei der dritten war keine „Leinenbremse“ mehr nötig.

Die Hündin hatte begriffen. Noch mehrmals zeigte sie an diesem Tag, dass es sich nicht um „Zufallstreffer“ gehandelt hatte. Derby und VJP bestand sie übrigens mit Bravour und hoher Punktzahl.

Vorteile des Taubenwerfers: Diese Vorstehhilfe ist revierschonend, tierschutzgerecht und schließt aus, dass versehentlich einmal Übungswild gegriffen wird.

Sie imitiert sehr gut plötzlich aufstehendes Wild, erzieht zur Standruhe und ermöglicht es dem Führer, in Bezug auf Zeitpunkt und Entfernung auszulösen. Zuvor kann er gezielt eingreifen und lenken; denn er weiß ja, wo sich „das Wild drückt“.

Greifertypen kommen leicht ins Meideverhalten, wenn ihr Einspringen und Greifenwollen mit „Pfui“ oder Härterem geahndet wird. Das entfällt hier.

Sekundierhund-Attrappen- was soll der Blödsinn?

Uwe Heiss stellte zwei Kästen mit darin „liegenden“ Kunststoff-Hunden im Senffeld auf. Wir schmunzelten still in uns hinein; denn nun wurde es, wie vermutet, so richtig schön amerikanisch.

Aber schauen wir zunächst, was geschah.

Ein junger Rüde wurde zur Suche ins Feld geführt und als er so richtig in Schwung war, klappten die beiden „Plastik-Pointer“ in Vorstehpose plötzlich neben ihm hoch. Kurzes Erschrecken, dann richtete sich der Rüde selbst in die Vorstehrichtung der Pappkameraden ein und versuchte Wind zu bekommen. Schon beim zweiten Mal sekundierte er den beiden „Artgenossen“. Was will man hiermit bezwecken?

„Vor allem“, so hieß es „wollen wir vermeiden, dass ein Hund, der aus der Distanz im Jagdbetrieb einen vorstehenden Artgenossen eräugt, zu diesem hinrennt und das Wild aus Beuteneid herausschmeißt.

Oder haben sie eine solche Situation noch nicht erlebt?“ Doch, das hatten wir.

„Wird aber durch das Eräugen der Attrappen der Trieb zum Mitstehen oder Sekundieren gefördert und gefestigt, unterbleibt solches Ärgernis in Zukunft.“

Gut, dachten wir, auch wenn uns der Aufwand mit den Kästen, dem Fernauslöser und den Pappkameraden für diese letzte Übung etwas aufwendig erschien.

Aber unser Interesse für die neue Ausbildungs-Philosophie generell war geweckt.

Fazit: In jedem Fall werden wir in Kürze für einen größeren Kreis von Hundeführern ein Seminar mit den Inotek-Spezialisten buchen; denn dabei kann man nur lernen.

 

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