Spitzen-Arbeit

1968


 

Noch nie wurde ein Nachsuchengespann in der 104-jährigen Geschichte des Vereins Hirschmann auf einer Hauptprüfung so hoch bewertet wie „Nuscha von der Föhrenhaid“ mit Führer Winfried Wagner.

 

Winfried Wagner und seine Hannoversche Schweißhündin „Nuscha von der Föhrenhaid“ haben bewiesen, zu welchen Leistungen ein harmonisches Nachsuchengespann fähig sein kann

Von Joachim Meister

Bei einer Jagd im Süsing (Lüneburger Heide) wurde gegen 10 Uhr ein Rotwildkalb mit hohem Vorderlaufschuss von zwei Vorstehunden verfolgt und nicht zur Strecke gebracht. Am Nachmittag desselben Tages und am Folgetag wurde das Kalb mit zwei Schweißhunden nachgesucht, jedoch ohne Erfolg.

„Nuscha“ und Winfried Wagner hatten eine Kontroll-suche auf einen gekrellten Frischling durchgeführt und wurden nun zur Prüfungsarbeit in den Süsing gerufen, wo man gegen 14.30 Uhr eintraf, und die Hündin am Auswechsel des Kalbes anhalste.

„Nuscha“ zeigte bei der Vorsuche sofort großes lnteresse an der bereits 28,5 Stunden alten Fährte. Mit großer Ruhe und Sorgfalt arbeitete sie in Leithundmanier die Fährte aus und verwies nach etwa 150 Metern den ersten Schweiß auf einem Buchenblatt.

Das Kalb war im Altholz viel hin und her gezogen. Durch wiederholtes Bogenschlagen brachte die Hündin die Fährte immer wieder voran.

Hier erwähnt der Nachsuchenbericht die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Führer, der voller Vertrauen der Hündin größte Freiheit gewährte. Dann fand „Nuscha“ den Abgang an einem Kulturgatter.

Die Hoffnung stieg weiter, als sie sehr eindrucksvoll an einer Zaunecke Schweiß verwies. Nach einem scharfen Haken ging es auf einer Forststraße talwärts. Dort war, durch die in der vergangenen Nacht niedergegangenen Regenfälle, erstmals die verwaschene Fährte des Kalbes auszumachen.

Von der Forststraße aus war das Kalb in eine geläuterte Fichtendickung gewechselt. Die Hündin zeigte hier abgestreiften Schweiß und wurde heftiger. Auch diesen Einstand hatte das Stück aber wieder verlassen und war in eine Nachbardickung gezogen, wo es etliche Widergänge gemacht hatte.

Einer Rückegasse folgend, war das Kalb dann zu einem Wassergraben gezogen, wo die Hündin einen Widergang mit anschließendem Haken sauber ausarbeitete. „Nuscha“ kontrollierte sich selbst, indem sie 300 Meter zurückarbeitete und wieder zum Wassergraben wendete. Hier fand sie, als sie gut 50 Meter im Wasser gesucht hatte, den Ausstieg des Kalbes.

Die weitere sichere Arbeit – mitten durch den Haupteinstand des Rotwildes hindurch – ließ keinen Zweifel mehr aufkommen. Schon gar nicht, als man erneut die Fährte des gesuchten Stückes auf einem Gestell fand.

Durch eine Fichtendickung ging es weiter in einem Eichenaltholz mit Fichten-Naturverjüngungs-Horsten, dem Platz der letztjährigen Eichelvollmast im Revier.

Nachdem die Suche in einem dichteren Teil der unterständigen Fichten noch etwa 100 Meter weitergeführt hatte, zeigte die Hündin unverkennbar an, dass sie geschnallt werden wollte. Dies geschah, und „Nuscha“ wurde sofort laut. Nach etwa einer Minute ließ sie von offensichtlich gesundem Wild ab und kam von sich aus zurück.

Sie wollte sofort weiterarbeiten. Der Führer halste die Hündin an und diese führte weiter in eine Dickung, in deren Mitte sich eine große Suhle befand. Durch das dortige „Fährten-Chaos“ führte Nuscha nun eine Böschung hoch.

Oben angelangt, blieb sie vor einer Dickung stehen und brachte heftig zum Ausdruck, dass sie erneut geschnallt werden wollte. Und ab ging die fährtenlaute Hatz.

Nach etwa zehn Minuten vernahmen Führer und Korona den herrlichen, vollen Standlaut der Hündin. „Nuscha“ hatte das Kalb, nach gut einem Kilometer Hetze, in einem Teich gestellt, und ein Fangschuss beendete um 16.20 Uhr die hervorragende Hauptprüfungsarbeit.

Die Richter benoteten die Arbeit mit der höchsten Bewertung, die je in der 104jährigen Geschichte des Vereins Hirschmann nach dem Wertungs-
ziffer-System vergeben wurde:
9, 8, 8, 8 = I. Preis. Folgende Erschwernisse wurden festgehalten:

 

  • Arbeit nach dem Einsatz von zwei anderen Hannoverschen Schweißhunden;
  • ein Fährtenalter von 28,5 Stunden;
  • eine Fährtenlänge von etwa 2700 Metern;
  • heftige Regenfälle über Nacht;
  • starke Verleitungen.

Die Jägerschaft der Hegegemeinschaft Hinterlandswald gratuliert dem Sachkundigen und Jagdfreund Winfried Wagner herzlichst zu diesem Erfolg, und wünscht ihm und seiner Hündin noch viel Waidmannsheil.

 

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