Wenn Blindheit droht

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Grüner Star:
Die Erhöhung des Innendruckes im Auge kann innerhalb
kurzer Zeit zur Erblindung des Hundes führen. Rechtzeitige Diagnose ist entscheidend.

 

Stellt der Besitzer bei seinem Hund erste Symptome fest, muss man sofort zum Tierarzt

Von Dr. Stephan Neumann

Es gibt einige Erkrankungen am Auge, die das Sehvermögen des Hundes gefährden. Dazu gehören der Graue Star, Verletzungen und Geschwüre an der Hornhaut, Krankheiten der Netzhaut und schließlich der Grüne Star. Kaum eine andere Krankheit am Auge kann so schnell zur Erblindung führen wie die Letztgenannte.

Die Anatomie des Auges

Prinzipiell gleicht das Auge einem mit Flüssigkeit gefülltem Ball. Im Gegensatz zu diesem wird im Auge allerdings ständig Flüssigkeit nachgebildet und überschüssige wieder abgeführt, es erfolgt somit ein ständiger Austausch. Betrachtet man die Strukturen im Auge von vorn nach hinten, kommt als erstes die Hornhaut. Sie ist durchsichtig und geht am Augenrand in die weiße Aderhaut über. Hinter der Hornhaut befindet sich die vordere Augenkammer, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. Sie wird nach hinten von der Iris mit der Linse begrenzt. Am Ansatz der Iris wird das so genannte „Kammerwasser“ gebildet und fließt etwas weiter vorne wieder ab. Hinter der Linse folgt der Glaskörper, ein wässrig gallertiger Kern und letztlich die Netzhaut.

Ursächlich können verschiedene Krankheiten Grünen Star hervorrufen. Im Endeffekt haben sie alle gemein, dass die Kanälchen über die das Kammerwasser abfließt, verstopft sind. Die Produktion des Kammerwassers geht dabei immer weiter, und der Innendruck in der vorderen Augenkammer und damit im Auge selbst steigt unaufhaltsam an. Die hauptsächlichen Krankheiten, die zum Grünen Star führen, sind Tumore und Verlagerungen der Linse. Diese wird aus ihrer Verankerung in der Iris herausgerissen und verschließen die Abflusskanälchen für das Kammerwasser. Einige Hunderassen wie Terrier können eine erblich bedingte Schwäche im Aufhängeapparat der Linse besitzen. Solche Hunde neigen nicht nur bei schweren Unfällen zur Linsenverlagerung. Tumore in der Nähe der Abflusskanälchen können selbige durch ihr Wachstum zusammenpressen und so Grünen Star auslösen.

Lichtscheue und Tränenfluss

Die Symptome mit denen ein Grüner Star, auch Glaukom genannt, auftritt, sind ein schmerzhaftes Auge und dadurch bedingt Lichtscheue und eventuell vermehrter Tränenfluss. Weiterhin ist in besonders schwereren Fällen die Pupille deutlich erweitert. Wer seinen Hund genau beobachtet, kann mitunter auch eine Vergrößerung des Auges erkennen. Die endgültige Diagnose muss der Tierarzt stellen. Instrumentell kann der Innendruck im Auge problemlos gemessen werden. Ist dieser erhöht und zeigt der Hund die beschriebenen Symptome, steht die Diagnose Grüner Star fest.

Schnelles Handeln ist wichtig

Eine Erhöhung des Augeninnendruckes kann innerhalb einiger Stunden oder weniger Tage – abhängig von seiner Höhe – die Netzhaut zerstören, und damit das Sehvermögen des Hundes unwiederbringlich erlöschen. Deshalb ist schnelle Hilfe sehr wichtig. Neben der notwendigen Behandlung mit Schmerzmitteln – denn der Grüne Star ist extrem schmerzhaft – werden Medikamente gegeben, die die Produktion des Kammerwassers beeinflussen. Mit diesen Medikamenten kann der Innendruck oft erfolgreich gesenkt und in einigen Fällen sogar auf einem deutlich niedrigerem Niveau gehalten werden. Abhängig von der Ursache kann es notwendig sein, weitere Therapien zu veranlassen, um seinem Hund zu helfen. Ist beispielsweise die Linse verlagert, kann es sein, dass diese komplett entfernt werden muss. In jedem Fall gilt: Schnelles und konsequentes Handeln ist zwingend notwendig, um das Sehvermögen zu erhalten.