Lockjagd auf Aaskrähen

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Die einen dürfen gar nicht, die anderen nicht mehr und der Rest nur noch ein paar Tage. Und darum heisst es für die „Glücklichen“, denen das Landesgesetz noch erlaubt, Niederwild, Bodenbrütern und anderen Arten zu helfen: Krähen schiessen, Krähen schiessen und noch mal Krähen schiessen. Mit der hier gezeigten Methode auch kurz vor „Schlusspfiff“ kein Problem.

 

Plaste und Elaste: Knapp 100 DM kostet der Plastik-Uhu mit beweglichen Flügeln; das Modell mit starren Schwingen gibt`s für 44 DM. Die teurere Version bringt aber mehr Erfolg.

von Matthias Klotz

Der Fuchs sieht aus, als wäre er einem Genlabor entsprungen. An Hässlichkeit kaum noch zu überbieten. Aber die völlig zerzauste, mittlerweile 40 Jahre alte Präparation soll auch nicht schön sein, sondern Krähen reizen. Und das tut sie hervorragend: Schon streicht der erste schwarze Geselle heran, um auf Reineke herabzuhassen.

Aufgebracht krächzend kreist er einige Male über dem Fuchs, um dann auf dem nahegelegenen Baum einzufallen. Gerade will er zu weiteren Schimpftiraden ansetzen, da werfen ihn die Drei-Millimeter-Schrote ins Gras.

Klappt ja vorzüglich. Doch halt – mit lautem „Krah, Krah“ rauscht schon die nächste Krähe herbei.

Aufbaumen lassen? Ach was, Flinte hoch, Schuss, und schon gesellt sie sich unfreiwillig zum weiter unablässig dumm dreingrienenden Fuchs.

Hüttenjagd ohne „Auf“

Hüttenjagd nannte man früher diese beliebte und erfolgreiche Methode, nicht nur Rabenvögel zu regulieren. Doch damals saß der Jäger tatsächlich in einer Hütte, und anstelle eines ausgestopften Fuchses lockte der „Auf“ – ein zahmer Uhu, der auf einer Jule in Baum- und Hüttennähe aufblockte.

Mittlerweile ist es verboten, einen lebenden Uhu für diese Jagdart zu „missbrauchen“. Es wäre für die majestätische und zurecht streng geschützte Eule auch sicher kein Vergnügen, sich den ganzen Tag das empörte Gezeter der schwarzen Nesträuber anzuhören und regelmäßig beim Donnerhall einer 12er Flinte zusammenzuzucken.

Auch hässlich fängt

Aber auch hier kann man sich helfen: Egal, ob Fuchs oder Uhu – schauen Sie sich doch einfach mal in der verrauchten Dorfkneipe, der „Rumpelkammer“ Ihres Präparators oder in Schulen um: Dort kann man oft völlig zerzauste Exponate für die Jagd ausleihen. Aber wie gesagt, auch „hässlich“ fängt.

Wird man bei Präparaten nicht fündig, bietet der Jagdfachhandel einen Kunststoff-Uhu mit beweglichen Schwingen an. Über eine Zugschnur kann man diese in Wallung und die Krähen zur Weißglut bringen. Ganz billig ist die Attrappe allerdings nicht, aber die knapp 100 DM lohnen sich.

Ganz wichtig ist, dass direkt neben dem „Lockvogel“ ein einzelner Baum steht. Dort nämlich fallen die Krähen ein, um gegen den vermeintlichen Kontrahenten anzukrächzen.

Diesen Solitärbaum muss man auch sicher mit der Schrotgarbe erreichen können, ohne eräugt zu werden. Und das ist gar nicht so einfach; denn bevor die Krähen zum „Nahkampf“ übergehen, betreiben sie eine akribische Luftaufklärung.

Erst nach ein paar Beobachtungsrunden kommen sie in Schussweite. Für den Schützen gilt also, unbedingt ein tarnendes Dach über sich zu bauen.

Sichtschutz

Das muss nun nicht unbedingt eine eigens dafür gefertigte Hütte sein. Ein über den Stand gespanntes Tarnnetz tut es genauso. Nach vorn und zur Seite muss man natürliche ebenfalls für ausreichend Sichtschutz sorgen, aber der ist in wenigen Minuten gebaut.

Alles, was man jetzt noch braucht, ist eine Flinte und Patronen in 2,7 oder 3 Millimeter. Drunter sollte man keinesfalls bleiben; denn Krähen sind recht schusshart. Und sie müssen unbedingt liegen. Schießt man nämlich daneben, oder „kratzt“ die Krähe gar an, kann es sein, dass der schlaue Vogel seine Artgenossen warnt. Dann bleibt die Bühne leer.

Reicht der optische Reiz mit Fuchs oder Uhu nicht, kann man das ganze noch akustisch untermalen: Mit einem Krähenlocker (im Fachhandel) täuscht man den Nesträubern vor, dass rund um den Stand die „Stimmung“ bereits kocht. Bald werden die neugierigen Vögel kommen, um mitzuschimpfen.

Aufpassen muss man, wenn man eine Krähe erlegt hat. Lässt man sie einfach so liegen, kann es sein, dass die Artgenossen den „Braten riechen“ und einen großen Bogen um den Stand machen.

Besser ist es, schnell nach vorn zu laufen, die Beute auf den Bauch zu drehen und die Schwingen leicht zu spreizen. Dieser Trick bringt zusätzlichen Lockeffekt.

Die besten Tageszeiten sind der späte Vormittag oder nachmittags. Zu anderen Zeiten sind die Chancen dagegen eher gering. Und je besser das Wetter, um so besser die Aussichten.

Im eisigen Sturm z. B. rührt sich nicht viel, bei Sonnenschein und lauer Brise geht’s aber oft Schlag auf Schlag. Und dann reichen die verbleibenden paar Tage, um vor der Brut- und Setzzeit den „Druck von oben“ etwas zu mildern.

 

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