Wertvolles Streuobst

1938


 

Unser WILD UND HUND-Revier:
Wo die alten Apfelbäume herkamen und was sie heute noch bedeuten.

 

Beim Wild beliebt – Apfelbäume nahe am Bestand

Im WILD UND HUND-Revier gibt es keine riesigen Schläge, sondern eine relativ reich strukturierte Feldmark. Überall, nicht nur rund um die Höfe, sind Obst- und vereinzelt auch Walnussbäume zu finden. Vor allem mit Apfelbäumen ist das Revier gesegnet, und in diesem Jahr lagen Äpfel in beeindruckender Fülle darunter. Zum Teil säumen sie die Feldwege, und auch fast überall in den Koppeln freute sich im Sommer das Vieh über die knorrigen Schattenspender. Wer hat die Bäume gepflanzt, und warum sind sie nicht, wie das ab Mitte der 1950er Jahre üblich war, gerodet worden? In dieser Zeit sind die traditionellen Streuobstwiesen überall dort verschwunden, wo Gelände, Klima und Bodenverhältnisse andere Intensivkulturen zuließen. Vielleicht ist es der steinige relativ karge Boden des Taunus-Revieres, der eine massive Flurbereinigung verhindern half.

Die Kunst des Obstbaus: Bauern besuchen Kurse

„Die meisten Apfelbäume stammen aus den 20er Jahren“, erzählt Oswald Becker, der Schwiegervater des größten Landwirtes am Ort. „Ein Promovierter aus Geisenheim hat Kurse über das Pflanzen und die Pflege von Apfelbäume angeboten, und viele haben das auch genutzt“. Damals zogen im Winterhalbjahr Wanderlehrer der Forschungsanstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim über die Dörfer und gaben Unterricht. Sie klärten die interessierten Bauern über den Schnitt der Hochstämme und die Kunst des Propfens auf. Außerdem hatten sie neue, leistungsfähige Apfelsorten im Gepäck. Neben dem „Boskop“ hauptsächlich „Renette“. Dies ist die Bezeichnung einer ganzen Sortenfamilie flach gebauter, meist grün-roter Tafeläpfel. Die Bäume sind inzwischen größtenteils überaltert und wenig gepflegt. Viel reifes Obst bleibt einfach liegen. Das ist natürlich ein Geschenk an unser Wild und eröffnet uns auch bei der Bejagung zusätzliche Chancen. Magnetisch werden Dachs und Fuchs (Mäuse!) angezogen, und auch das Schwarzwild sucht die Bäume im Herbst gezielt auf. Wir schossen bereits einen Frischling beim „Nüsseknacken“, und einem anderen wurde seine Vorliebe für die „Renette“ zum Verhängnis.

Der Reichtum der Arten wird noch unterschätzt

Verschiedene Flechten und Moose auf den Stämmen, Baumhöhlen, – überall sind begehrte Kleinstlebensräume an den Obstbäumen anzutreffen. Etwa 5 000 Tier- und Pflanzenarten sind in solchen Biotopen bereits gezählt worden. Viele Arten davon sind gefährdet, wie etwa der Siebenschläfer, „Tier des Jahres 2004“, und die in die Wahl mit einbezogenen anderen Schläferarten wie Haselmaus, Baumschläfer und Gartenschläfer. Fledermäuse, Steinkauz, Wiedehopf, Grünspecht, Wendehals und zahlreiche Insekten- und Schmetterlingsarten können vorkommen. Angesichts des raschen Verschwindens der Streuobstwiesen haben Bund, Länder und Gemeinden vielfältige Fördermaßnahmen eingeleitet. Es gibt beispielsweise Obstbauberatungsstellen der Kreise, und auch die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine geben Interessierten wertvolle Hilfestellung. Letztere sind in Landesverbänden organisiert, und deren Anschriften sind über die Bundesarbeitsgemeinschaft für Gartenkultur und Landespflege (BAGL) zu erfahren: BAGL, Webersteig 3, 78462 Konstanz, Tel. 0 75 31/ 1 52 88, Fax 0 75 31/2 65 30.

Noch ist der Tisch für alle gedeckt. Die Bauern lassen die liegengebliebenen Äpfel auch gezielt von ihren Rindern fressen

 

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