Füchse, Füchse, Füchse

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Unser WILD UND HUND-Test-Revier:
Es ist schon erstaunlich, wie wohl sich Reineke in Revieren mit hohem Feldanteil fühlt, gerade wenn sie rundum von Wald umgeben sind. Das trifft auch für unser Testrevier zu. Wir haben diesem Tatbestand Rechnung getragen, speziell durch die Bodenjagd.

 

14. Dezember 2003: der Drei-Fähen-Tag. (v. l.) Michael Cosack, Karl-Heinz Betz, Arndt Bünting, Julia Numßen

Von Dr. Karl-Heinz Betz

Unsere Fuchsstrecke im Jagdjahr 2003/2004 umfasste bis Redaktionsschluss 28 Rotröcke. 20 inklusive Jungfüchse konnten auf dem Ansitz erlegt werden, neun haben wir aus unseren sechs Kunstbauen gesprengt. Vor der Saison hatten wir geplant, durch systematische Kontrolle der Baue im Abstand von drei Wochen ab Anfang Oktober Daten zu sammeln, um gegebenenfalls einige allgemein gültige Regeln aufzustellen wie zum Beispiel: Wann und bei welchem Wetter stecken die Füchse im Bau, oder welche Baue werden besonders gut angenommen.

Trotz des für statistische Erhebungen eher ungenügenden Materials, gab es einige signifikante Phänomene. Wir haben in unserem Testrevier drei Mester-Baue, einen Reinken-Bau und zwei Kunststoffmodelle anderer Hersteller eingebaut.

Kunstbaukontrolle alle drei Wochen

Bis Redaktionsschluss um den 10. Februar konnten die Baue von Oktober ab sechs Mal kontrolliert werden.

Interessant, dass in dieser Saison alle Füchse ausschließlich aus dem Reinken- bezie-hungsweise den Mester-Bauen gesprengt wurden. Die Mester-Baue sind einröhrig und teilen sich zwei Meter vor dem Kessel. Der Reinken-Bau besitzt zwei Kessel. Die anderen Modelle wurden nicht angenommen.

Da das Sprengen aus den Kunstbauen überhaupt kein Problem darstellte – die Füchse sprangen in der Regel nach kaum einer Minute, spielte die Schärfe der verwendeten Hunde, insgesamt drei verschiedene (Teckel, Foxterrier, Westfalenterrier), keine Rolle.

Zwei Baue taten sich besonders hervor: Drei Füchse konnten aus dem Reinken-Bau in einem Altholz gesprengt werden, dessen Öffnung nach Süden zeigend am oberen Rand der Böschung eines tiefeingeschnittenen Abzugsgrabens mündet.

Der beste Mester-Bau brachte fünf Füchse. Wir haben ihn auf einer mit Obstbäumen bestandenen Pferdekoppel eingebaut, und er verbirgt seine Einfahrt in einem Dornengestrüpp. Nur knappe 100 Meter sind es zu einem Fichtenaltholz, in dem sich eine gewaltige Dachsburg befindet, die auch von Füchsen (und Kaninchen) genutzt wird.

Diesen Kunst-Bau mussten wir im Sommer öffnen, weil sich ein Jungdachs eingenistet hatte, der den einen der beiden Kesselzugänge offenbar als „Toilette“ missbraucht und damit nicht nur verstopft, sondern auch „verwittert“ hatte. Mittels eines Wasserwagens, den ein Landwirt für einen Kasten Bier zur Verfügung gestellt hatte, spülten wir vom geöffneten und von Polstermaterial gereinigten Kessel aus die Dachsexkremente aus der Röhre, ließen den Bau gut austrocknen und streuten frischen Sand in den Kessel. Erst eine Woche danach verschlossen wir ihn wieder. In dieser Zeit standen aber schon Fuchsspuren im frischen Kesselsand. Ein verheißungsvolles Zeichen!

Aus diesem Bau sprengten wir bereits am 30. November einen Rüden zusammen mit einer ranzigen Fähe. Bemerkenswert ist auch das Geschlechterverhältnis der gesprengten Rotröcke: Von den neun Kunstbaufüchsen waren sieben Fähen! Bis auf ein einziges Mal war bei den jeweiligen Baukontrollen immer nur ein Bau zur selben Zeit befahren, einmal allerdings mit dem bereits erwähnten Pärchen.

Die einzige Ausnahme war der 14. Dezember: Es war regnerisch mit sturmartigen Böen und fünf Grad Celsius: An diesem Tag steckten drei Fähen in verschiedenen Bauen, die alle zur Strecke kamen. Alles in allem waren wir mit diesem Ergebnis zufrieden, hatten wir doch neun Füchse mit relativ wenig Aufwand bekommen. Zumal für die Kontrolle der Baue schon zwei Mann und ein Hund völlig ausreichen.

Mehr Kunstbaue

Wir denken ernsthaft darüber nach, an der einen oder anderen Stelle im Revier noch weitere Kunstbaue einzugraben, es gibt noch einige geeignete Lagen. Und bequemer kommt man kaum an die herrlichen Winterbälge. Nur: Bei unserem guten Dachsbesatz wird es nicht ausbleiben, dass wir trotz zwanziger Röhrenausgänge immer mal wieder einen Jungdachs in den Bauen haben. Doch das bedeutet: Kessel öffnen, Polstermaterial entfernen und gegebenenfalls auch eine Dachstoilette nachhaltig reinigen oder die Baue nach der Saison verschließen. Denn ohne diesen Aufwand macht Reineke einen großen Bogen um den noch so attraktiv gelegenen Kunstbau.

Das erste Ranzpaar des Reviers? Rüde und ranzige Fähe wurden bereits am 30. November aus dem erfolgreichsten Bau gesprengt

 

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