Vielseitigkeit ist Trumpf

823


Jagdliches Schiessen:
Wer die DJV-Schießleistungsnadeln erringen will, muss Büchse und Flinte gleichermaßen beherrschen. Wolfram Osgyan stellt die Disziplinen sowie ihre besonderen Anforderungen aus der Sicht des Teilnehmers vor und gibt nützliche Tipps.

 

Von Wolfram Osgyan

Die Kontrollschüsse sitzen so, wie es sich gehört, mitten im Schusspflaster der Anschuss-Scheibe. Auf meine Match-Hornet, ein Einzellader, ist demnach Verlass, und der Wettbewerb kann beginnen. Mit ihrem hohen, fülligen Vorderschaft, dem steilen Pistolengriff mit Daumenmulde sowie dem klobigen Hinterschaft mit Überrollbacke repräsentiert sie eine von Abmessungen und Gewicht her limitierte Wettkampfbüchse und keine Jagdwaffe. Sie ist sehr gut ausbalanciert, ruht optimal in der Schulter und wurde auf die Belange des freihändigen Schießens getrimmt. Solche Modelle offerieren unter anderem Anschütz, Krico, Steyr, Walther und Weihrauch. Diese erfreuen sich auch guten Zuspruchs seitens der Aktiven, denn mit einer „normalen“ Jagdbüchse tritt nur selten jemand zum Wettbewerb an. Überdies dominieren eindeutig feine Match- oder Stecherabzüge. Flintenabzüge oder welche mit Druckpunkt sind offenbar nicht so geschätzt. Die fixe, zwölffache Vergrößerung meines Zielfernrohres liegt an der Obergrenze des Zulässigen, der Objektivdurchmesser von 42 Millimeter reicht dagegen vollkommen aus, schließlich wird ja bei guten Lichtverhältnissen geschossen. So sehr ich die hohe Vergrößerung beim Schießen auf die stehenden Scheiben schätze, so nachteilig empfinde ich sie, wenn es damit zum laufenden Keiler geht. Hier bringt einen nämlich das kleine Gesichtsfeld schnell in die Bredouille. Wohl dem, der jetzt die Vergrößerung auf sechs- oder siebenfach zurückdrehen kann. Stünde noch einmal die Kaufentscheidung an, würde ich anstelle des 12×42 von Schmidt & Bender das 4-12×42 aus gleichem Hause, das 3,5-10×40 von Leupold, das 3-10×42 AV von Swarovski oder das 3,5-10×44 Conquest von Zeiss wählen. Selbstredend erfüllen auch die etwas teureren und gewichtigeren Modelle mit 50er oder 56er Objekivdurchmesser aller Markenhersteller ihren Zweck.

Weitere Kaliber fristen aus Kostengründen ein Mauerblümchendasein

Nicht von ungefähr ist die .22 Hornet die beliebteste Patrone für das jagdliche Schießen. Denn neben hervorragender Präzision zeichnet sie sich noch durch einen erträglichen Mündungsknall und einen erschwinglichen Preis aus. Ihre Hauptkonkurrentin, die .222 Remington findet ihre Anhänger vornehmlich unter den Wiederladern. Weitere Kaliber fristen schon aus Kostengründen beim jagdlichen Schießen ein Mauerblümchendasein. Es spielt nämlich bei 20 (mit Einschießen nicht selten 25) Patronen pro Trainingsrunde oder Wettkampf schon eine Rolle, ob der Schuss mit 0,60 Euro oder mit zwei Euro zu Buche schlägt.

Schon aus psychologischen Gründen starte ich mit der leichtesten aller Disziplinen: „Rehbock angestrichen“. Nachdem die fünf Patronen vor mir im Patronenhalter abgelegt sind (grundsätzlich darf nur eine Patrone geladen werden!), kontrolliere ich die Scheibe auf nicht abgeklebte Schusslöcher, präge mir noch einmal den Haltepunkt an der hinteren Blatthälfte ein und lasse die Wildscheibe per Knopfdruck zur 100-Meter-Marke hinausfahren.

Sodann erfolgt der Probeanschlag. Während sich die Führhand am festen Stock abstützt und dabei dem Vorderschaft Auflage gewährt, bringe ich den Oberkörper in gemäßigte Vorlage. Die Füße wiederum stehen leicht gespreizt und annähernd parallel. Ziel ist, die Waffe durch Auflage und Oberkörper so zu stabilisieren, dass das Absehen möglichst wenig Ausschläge auf dem Ziel macht. Doch ist es nicht einfach, die für diese Anschlagsart typischen horizontalen Pendelbewegungen gänzlich einzufrieren. Neun Zentimeter beträgt der Durchmesser der Zehn. Demzufolge gewährt sie nicht viel „Bewegungsspielraum“. Nach dem ersten Schuss darf die Scheibe zur Kontrolle eingefahren werden. Sitzt das Schussloch mittig, fungiert es als Zielhilfe, insbesondere, wenn es auf ansonsten jungfräulichem Spiegel abgeklebt wird. Doch auch eine Schusspflastergruppe im Zentrum ergibt einen guten Anhalt. 50 Ringe (= Punkte) zu erzielen, erfordert demnach keine außergewöhnliche Schießfertigkeit. Versierte Jagdschützen geben hier auch selten mehr als zwei davon ab. Bei einer Ringbreite von jeweils 25 Millimetern für die Neun und die Acht verwundert das nicht weiter.

So gesehen müsste selbst der Anfänger, sofern er es versteht, sauber abzuziehen, mehr als 40 Punkte erreichen können.

Resultate über 40 sind erfreulich

Die Schwierigkeiten der Disziplin „Fuchs liegend“ dagegen werden leicht unterschätzt, denn der liegende Anschlag suggeriert hohe Stabilität. Wichtig dabei ist es, den Körper auf der Pritsche in eine entspannte Haltung zu bringen. Dazu wird ein Bein leicht abgewinkelt. Die Ellenbogen wiederum sind zum Abstützen der Waffe aufzusetzen. Zwangsläufig rückt dabei der Ellenbogen der Führhand weiter nach vorne. Viele Schützen versuchen dabei noch, dessen Auflagepunkt möglichst unter den Vorderschaft zu bringen, weil ihrer Meinung nach der lange Unterarm die Waffe am besten stabilisiert. Andere schränken ihre Stützen mehr, um so die Büchse ruhig zu stellen. Wie schwer das ist, zeigt der Probeanschlag. Mit jedem Pulsschlag „hüpft“, kreist oder pendelt das Absehen – nicht nur horizontal oder vertikal, sondern zu allem Überfluss auch diagonal. Durchatmen, Luft halb auspressen, anhalten, den Zielpunkt an der Hell-Dunkel-Grenze nahe der Blattmitte suchen und kontrolliert abziehen. Dann müsste die Kugel in der Zehn sitzen. Doch wehe, das Absehen macht noch eine kleine Bewegung. Bei 20 Millimeter Ringbreite schlägt dann die Kugel schnell in der Neun oder Acht und gar nicht so selten in der angrenzenden Drei ein. Also entweder links hoch oder – bei Rechtsschützen weitaus häufiger – rechts tief. Passiert dieses Missgeschick nur einmal, sind selbst vier Zehner nur noch Makulatur. 50 Ringe wollen demnach beim Fuchs erst einmal erreicht werden. Gut die Hälfte der Spitzenschützen schafft das nicht regelmäßig, sondern lässt hier einen Punkt und mehr. Übersteht ein Anfänger diese Disziplin ohne „Fahrkarte“, „Eins“ oder „Drei“, dann darf er mit sich zufrieden sein. Demnach sind für ihn alle Resultate über 40 erfreulich.

Nicht von ungefähr wird der „stehende Überläufer“ auch der „Wacklige“ genannt. Sollen nämlich die stehend freihändig abgefeuerten fünf Kugeln die 100 Meter entfernte Zehn finden, braucht es eine besonders ruhige Hand und zudem eine ausgefeilte Anschlags- sowie Abziehtechnik. Ungeachtet der Tatsache, dass die der Zehn folgenden Ringe breiter als bei den beiden „Roten“ (Bock, Fuchs) sind, und eine Fünf den Absturz mildert, sind hier Treffer außerhalb der Ringe durchaus an der Tagesordnung. Vor dem Haltepunkt, dem hellen Fleck auf dem Blatt, sitzt nämlich noch viel schwarze Masse im Zielbild. Zudem bringen es nur ganz wenige Schützen fertig, das Absehen auf der optimalen Trefferfläche zu stabilisieren.

Volle Punktzahl ist sehr selten

Die weitaus meisten „rühren“ entweder auf dem Wildkörper herum und ziehen ab, sobald sich das Absehen dem Zielpunkt nähert oder sie „fahren“ entweder von oben beziehungsweise unten her in die hellere Mitte des Schwarzen und drücken ab. Ein bisschen zuviel der Bewegung, dann landet die Kugel entweder über oder unter der Acht und damit außerhalb der Zähler, ein wenig zu lange gezielt, verkrampft und dann abgezogen, dann muss man sich mit einer Fünf vorne oder hinten bescheiden, und wer dabei gar „reißt“, darf froh sein, wenn er seine Kugel noch auf der Scheibe findet.

Jagdschützen, die regelmäßig die volle Punktzahl ernten, sind sehr selten. Sie und auch diejenigen, die dem Ideal nahe kommen, operieren fast ausschließlich mit dem so genannten Luftgewehranschlag. Sie winkeln demnach den Arm der Führhand zum Körper hin ab und betten den Vorderschaft entweder auf die Fingerkuppen oder die ersten Fingerglieder. Auf diese Weise versuchen sie, den Zielpunkt zu halten. „Pendler“ dagegen steuern den Vorderschaft mit langem Arm. Gelingt es ihnen, Fünf oder Fahrkarte zu umschiffen, sind ebenfalls 45 und mehr Punkte drin. Doch unabhängig von der gewählten Technik dürfen Novizen, die bei der „wackligen“ Disziplin mehr als 35 Ringe erzielt haben, zu Recht mit ihrer Leistung zufrieden sein.

Rasantere Patronen kommen mit etwas weniger Vorhalt aus

Fahrkarten beim 50 Meter beziehungsweise 60 Meter entfernten laufenden Keiler („Flüchtiger Überläufer“) gehören durchaus zum gewohnten Bild. Ein gar nicht so kleiner Teil selbst versierter Jagdschützen langt während eines Durchgangs wenigstens einmal in den „Sauertopf“ und fischt eine Niete. Meistens sitzen hier die Schüsse zu hoch oder zu tief. Das liegt dann weniger am falschen Haltepunkt, sondern in der Mehrzahl am unkontrollierten Ab-ziehen. Wer nämlich am Abzug reißt, bringt auch seine Waffe aus der Richtung. Ringe rechts von der Zehn erzielt vorwiegend, wer entweder seinen Haltepunkt im Halsbereich sucht oder beim Abziehen stehen bleibt, während der Mann für die vorderen Treffer entweder im Gebrechbereich abkommt oder mit zuviel Schwung durch die Sau fährt.

Hornet-Schützen, die zuverlässig und sauber am Scheitel des Bäckchens abkommen, bringen ihre Kugel auch regelmäßig im oder am Zentrum der Ringe unter. Rasantere Patronen kommen mit etwas weniger Vorhalt aus.

Drei Sekunden Zeit

Eigentlich gibt es keinen Grund, beim laufenden Keiler hastig oder gar hektisch zu agieren. Dem Schützen bleiben nämlich nach dem Abrufen bis zu drei Sekunden Zeit, die Waffe in Anschlag zu bringen und sich so einzurichten, dass er keine Höhenkorrektur mehr vornehmen muss. Wer sich vor dem ersten Schuss beispielsweise eingeprägt hat, in welcher Höhe der Bande der Wurf auftaucht, befindet sich bereits auf der sicheren Seite.

Ab dem Erscheinen bleibt die laufende Scheibe zirka zwei Sekunden sichtbar und legt dabei sechs Meter Weg zurück. Die Spanne reicht allemal, das Ziel aufzunehmen und den Haltepunkt zu suchen. Eng wird es in der Regel nur, wenn der Schütze versucht, den Haltepunkt noch zu korrigieren. Dabei geht nämlich der Rhythmus verloren, und eventuelle Schlenker werfen dann den Steuermann aus der Bahn. Ein Durchgang ohne Fahrkarte muss das Ziel beim laufenden Keiler bleiben. Kommen dabei mehr als 40 Punkte heraus, sind die meisten Jagdschützen zufrieden. Spitzenschützen wiederum schenken selten mehr als zwei Punkte her, und Anfänger haben ihre Sache gut gemacht, wenn sie mehr als 35 Zähler sammeln. Übrigens: Keine Disziplin „lebt“ mehr von der Übung als der laufende Keiler. Daher ist es kein Kunststück, sich die Fertigkeit über häufige Schießstandbesuche zu erwerben.

Ziehen wir nach dem Kugeldurchgang eine Zwischenbilanz, dann hat der absolute Spitzenschütze mehr als 195 von 200 Punkten erreicht, ein Top-Schütze über 190 und ein sehr guter nicht weniger als 180. Zur Erinnerung: Jeweils 50 bei den „Roten“ und je 40 bei den „Schwarzen“ oder zehnmal die Zehn und zehnmal die Acht sum-mieren sich zu letztgenanntem Wert.

Im Mittel vierzig Ringe bei Bock sowie Fuchs und dreißig bei beiden Sauen sind auch für einen halbwegs bewanderten Anfänger machbar. Er hätte dann 140 Zähler auf der Habenseite.

Nach der Pflicht die Kür

Nach der Pflicht, dem Büchsenschießen, folgt mit dem Flintenschießen die Kür. Allein die besten Büchsenergebnisse zählen nicht mehr viel, wenn die Flintenleistung nicht stimmt. Beim Schrotschießen gilt es jetzt, der Reihe nach 15 Traptauben und 15 Skeettauben mit ein- und derselben Flinte zu treffen. Dabei dürfen zwischen den Durchgängen weder das Laufbündel noch der Choke-Einsatz gewechselt werden.

Weil beim Trap selbst flinke Schützen mit offener Bohrung kaum einen Blumentopf erben, macht es keinen Sinn, beide Disziplinen mit der Skeetflinte bestreiten zu wollen. Angemessen sind vielmehr Jagdflinten mit den Bohrungen 1/4- beziehungsweise 1/2-3/4 oder 1/2-1/1. Selbst mit einer reinen Trapflinte wäre man beim Skeet nicht chancenlos, weil Streupatronen den Choke zu kompensieren vermögen. Da im Laufe der Jahrzehnte die Vorlage zunächst von 36 Gramm auf 32 Gramm gesenkt wurde, 1989 die Beschränkung auf 28 Gramm erfolgte und seit der Jahrtausendwende bei Bundes- und Landesmeisterschaften nur mehr Patronen mit 24 Gramm benutzt werden dürfen, versuchen schnelle Schützen zunehmend das Minus an Schrotkörnern auszugleichen, indem sie auf die kleinere Schrotgröße 8 (= 2,25 Millimeter) für den ersten Schuss ausweichen. Für den zweiten allerdings gibt es zur Größe 7 1/2 keine Alternative. Top-Ergebnisse fallen einem demnach nicht mehr in den Schoß.

Eine Schippe drauf packen

Damit die Richter den korrekten Jagdanschlag überwachen und Frühstarter „zurückpfeifen“ können, muss jeder Schütze die Spitze seines Hüftknochens durch eine 25 Zentimeter lange und zwei Zentimeter breite Markierung dauerhaft kennzeichnen. Die Unterkante der Schaftkappe darf beim zulässigen Anschlag nicht oberhalb dieser Markierung anliegen.

Weil jede getroffene Taube mit fünf Punkten zu Buche schlägt, können jeweils maximal 75 Punkte bei Trap und Skeet, in der Summe mit der Flinte also 150 Punkte eingebracht werden. Diese Leistung erzielt auch bei den Bundesmeisterschaften, wenn die Besten der Landesjagdverbände aufeinandertreffen, höchstens eine Handvoll der über 400 Teilnehmer.

Da zwei getroffene Tauben einen Fehlschuss beim Büchsenschießen aufwiegen und ein passabler Jagdschütze pro Wettkampf selten mehr als zwei Fahrkarten produziert, schmilzt ein Vorsprung beim Büchsenschießen schnell dahin, wenn es mit der Flinte nicht recht klappen will, beziehungsweise ein überdurchschnittlicher Taubenschütze kann viel Boden gut machen. Ein Meister mit der Kugel beispielsweise, der 197 Ringe erzielt und zwanzig Tauben trifft, zieht immer gegen einen Konkurrenten den Kürzeren, der im Büchsenschießen 20 Ringe verliert, jedoch fünf Tauben mehr „putzt“. Das wiederum beweist, dass nur ein sehr guter Flintenschütze hohe Punktzahlen erreichen kann.

Anfänger lassen vornehmlich beim Skeet Federn und da eher bei den Hochhaustauben auf den Ständen eins, drei, vier und fünf als bei den Niederhaustauben und zudem bei den Dubletten auf den Ständen zwei und sechs. Würde einer die genannten alle fehlen, den Rest aber kriegen, käme er auf sieben Treffer oder 35 Punkte. Mit etwas Übung lässt sich aber das Niveau schnell auf zehn Treffer beziehungsweise 50 Punkte heben. Erbringt er beim Trap die gleiche Leistung, dann gesellen sich hundert Flintenpunkte zu den fiktiven 140 mit der Büchse. 240 Punkte wiederum sind 20 mehr als man für den Erwerb der Schießleistungsnadel in Bronze (220 Punkte) benötigt. Silber setzt ein Ergebnis von 260 Punkten voraus (beispielsweise 140 Kugel und 24 Tauben). Doch um die Schießleistungsnadel in Gold (300 Punkte) zu erlangen, würden jetzt selbst 30 getroffene Tauben nicht mehr reichen. Die Faustregel dafür heißt 180 Kugelpunkte und 24 getroffene Tauben. „Gold“ kann übrigens nur bei Landesmeisterschaften verliehen werden oder bei Bezirksmeisterschaften, bei denen ein vom Landesjagdverband benannter sachkundiger Vertreter des Landesschießobmannes anwesend ist.

Die höchste Auszeichnung im jagdlichen Leistungsschießen wird nur einmal verliehen: Sie heißt „Sonderstufe Gold“, im Jargon auch „Großgold“. 320 Punkte sind die Mindestvoraussetzung für die vergoldete Nadel aus massivem Silber. Und dieses Ergebnis muss entweder bei der Bundesmeisterschaft oder dem einmal jährlich ausgeschriebenen Großgold-Schießen erzielt werden. Dafür zugelassen sind nur Schützen, die das Leistungsabzeichen in Gold besitzen. Nach aller Erfahrung scheitern 94 Prozent der Kandidaten an dieser hohen Hürde. Nicht zuletzt deswegen, weil die Leistung am festgelegten Tag abgerufen werden muss. So darf es nicht wundern, dass nicht wenige Gold-Inhaber zwar über das Potenzial verfügen, jedoch dem begehrten Ziel vergeblich nachjagen. Am Tage X wollen halt 190 Kugelpunkte gesammelt und 26 Tauben getroffen oder zehn fehlende Ringe durch zwei Taubentreffer mehr gut gemacht werden.

Mit einer solchen Leistung aber landet man bei den Bundesmeisterschaften gerade mal unter den ersten 100. Wer unter die „Top-Ten“ will, muss schon noch eine Schippe beim Kugelschießen drauf packen. Selbst 195 Kugel- und 150 Taubenpunkte (= 345 Punkte) sind noch kein Garant für den Titel. 1991 beispielsweise schaffte der Baden-Württemberger Ronald Beckhaus 347 Punkte und wurde damit der beste Zweite aller Zeiten. Er hatte das Pech, dass der Sieger mit einem Punkt mehr den deutschen Rekord egalisierte. Bei Punktgleichheit aber entscheidet das bessere Flintenergebnis über Sieg und Rang. Führt dieses keine Entscheidung herbei, werden zunächst die Zweittreffer, dann das bessere Skeetresultat, dessen Ersttreffer und schließlich die Ringe des laufenden Keilers, des stehenden Überläufers, des Fuchses und des Bockes herangezogen. Ist dann immer noch der Gleichstand gegeben, entscheidet ein Stechen auf den laufenden Keiler.

Beim Mannschaftswettbewerb starten sechs Jagdschützen in einer Rotte, von denen die vier besten in die Wertung kommen. Der deutsche Rekord, von der Mannschaft der Landesjägerschaft Niedersachsen 1991 aufgestellt, liegt übrigens bei 1 359 Punkten. Im Schnitt brachte damit jeder Teilnehmer 339,75 Punkte ein – fantastisch.

Deutscher Rekord liegt bei 199 Punkten

Zum Kurzwaffenschießen sind Selbstladepistolen und Revolver ab dem Kaliber .22 l.f.B. zugelassen, deren Lauflänge sechs Zoll nicht überschreiten darf. Sie müssen zudem weniger als 1,4 Kilogramm wiegen und einen Abzugswiderstand von 1,36 Newton aufweisen.
Geschossen wird auf die DJV-Scheibe Nr. 7 aus einer Entfernung von 25 Metern. Beim Zeitschießen erscheint die Scheibe fünfmal für drei Sekunden und wird je einmal beschossen. Beim folgenden Fertigkeitsschießen klappt die Scheibe zehnmal für jeweils vier Sekunden nach vorne. Doch muss hier vor jedem Schuss die umge-schnallte Waffe von der Jacke überdeckt im Holster ruhen. Der Schütze erwartet die Frage: „Sind Sie fertig?“ mit herabhängenden Armen und zieht mit Erscheinen der Scheibe.

Beim dritten Teil, dem Schnellfeuerschießen, bleiben dem Schützen acht Sekunden Zeit, fünf Schüsse auf die Scheibe abzufeuern.

Von 200 möglichen Punkten reichen 145 für die Schießleistungsnadel in Bronze, Silber bedingt 165 Punkte, Gold 175 Punkte, und die Leistungsnadel Sonderstufe Gold erhält, wer bei eigens ausgeschriebenen DJV-Schießen 185 Punkte errungen hat. Der deutsche Rekord liegt übrigens bei 199 Punkten und wurde 1997 von Joachim Schwenke (LJS Niedersachsen) aufgestellt. Sein Team erreichte im gleichen Jahr mit 773 Punkten ebenfalls eine neue Bestmarke.

 

ANZEIGEAboangebot