Wildunfallverhütung-Starke Töne von Awiwa

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„Awiwa“ – keine Verdi-Oper oder ein japanischer Hifi-Konzern sondern einfach das Kürzel für „Akustischer Wildwarnreflektor“.In langjähriger Arbeit entwickelten drei sächsische Jäger dieses Gerät, um Autofahrer und Wild zu schützen.

 

Wildwechsel auf den nächsten 45 Kilometern – an der BAB 24 ist das Engagement der Jäger gefragt

von Alexander Krah

Drei Jahre unermüdliche, selbstlose und kostenintensive Arbeit liegt hinter ihnen. Dr. Hans-Ulrich Bonewitz, Dr. Rudolf Richter und Rüdiger Trinks aus dem sächsischen Landkreis Freiberg beschlossen 1997, sich mit den dramatischen Zahlen an überfahrenem Wild in ihren Revieren nicht mehr abzufinden und suchten nach Auswegen.

Entwicklungszeit

Ausgangsüberlegung dabei war, das Hörvermögen des Wildes in die bekannten vorbeugenden Maßnahmen wie Wildwarnreflektoren, Duftzaun und andere einzubeziehen. Doch das war ein weiter Weg.

Es begann damit, herauszufinden, wie Schalenwild, besonders Rehwild, auf unterschiedliche Tonfrequenzen und Lautstärken reagiert.

Dabei stellte sich heraus, dass eine Tonfrequenz von vier Kilohertz optimal zu sein schien. Dies nahm man dann als Grundlage für die weitere Arbeit.

Danach entwickelte man erste Versuchsgeräte, um die theoretischen Grundüberlegungen in Langzeitversuchen an besonders wildunfallträchtigen Straßenabschnitten zu erproben.

Mit im Boot war die Elektronikfirma Rank & Vetters aus Flöha, die das technische Know how lieferte. Klein, lautstark, unauffällig, kostengünstig, von Autoscheinwerfern auslösbar und mit einer möglichst langen Energieversorgung versehen-so sollten die Geräte funktionieren.

Sie wurden gebaut und eingesetzt, ohne dass sie schon den Anforderungen an Serienreife entsprachen. Mancher Rückschlag musste hingenommen werden, aber die Ergebnisse auf den Versuchsstrecken stimmten optimistisch und ließen die „kleine Mannschaft“ beharrlich weiterarbeiten.

Dann galt es, den inzwischen erfolgreich erprobten Prototyp in Richtung Serienreife weiterzuentwickeln – mit möglichst unauffälliger Optik und wartungsfrei – sprich mit Solarzellen.

In dieser Phase begann die Zusammenarbeit mit der Firma „Gummiformteile GmbH“ Niedersachswerfen, dem Alleinhersteller und Vertreiber des bekannten „WEGU-Jagdprogrammes“.

Form und Funktion

Die äußere Form des akustischen Wildwarngerätes wurde so konzipiert, dass es mit dem dazu leicht modifizierten „WEGU-Wildwarnreflektor“ zusammenpasst und als Zwischenteil desselben zwischen Leitpfosten und Reflektor unauffällig angebracht werden kann. Dadurch entsteht gleichzeitig der Kombinationseffekt von akustischem Warnton und Lichtreflex.

Es gelang, die komplizierte Elektronik in einem Kunststoffkörper (18,3 x 7,4 x 8,8 Zentimeter) unterzubringen. Das Innenleben des Gerätes besteht aus einer Solarzelle, einem Lichtsensor, der durch Scheinwerferbestrahlung einen 1,5 Sekunden lang dauernden Warnton (mit 83 dB/10 cm Abstand) auslöst und dem Signalsteuer-Element.

Nach Abgabe des Tones – der sich übrigens wie ein schriller Pfiff anhört – aktiviert sich das System innerhalb einer Minute selbst und hält ohne Nachladung etwa 3000 Signale aus. Das Gerät ist wetterfest und arbeitet im Temperaturbereich von -30 Grad bis +70 Grad Celsius.

Nach den bisherigen Ergebnissen wird empfohlen, die Geräte an Unfallschwerpunkten im „Viererset“ in einem Abstand von 70 bis 100 Metern einzusetzen (d. h. jeweils zwei auf beiden Straßenseiten, an jedem zweiten Leitpfosten).

Überzeugende Ergebnisse

Die an den Versuchsstrecken erreichten Ergebnisse sind überzeugend und lassen (auch in der Kombination mit anderen Methoden) hoffnungsvoll auf diese interessante Neuentwicklung blicken.

An der B 173 zwischen Oederan und Freiberg z. B. gingen die Wildunfallzahlen durch den Einsatz von „Awiwa“ (1997 bis 1999) von durchschnittlich sieben Stück Wild (1990 bis 1996) auf Null zurück.

Natürlich fehlen noch statistisch abgesicherte Daten. Hier würde sich bei entsprechenden Lehreinrichtungen ein dankbares Aufgabengebiet auch für die Vergabe von Diplomarbeiten ergeben.

Wildbiologische Prozesse sind außerordentlich vielschichtig und kompliziert. Da spielen das unterschiedliche Verhalten der einzelnen Wildarten, die Jahreszeit, der Lebensraum und seine Ausstattung und vieles andere mehr eine große Rolle.

Deshalb wird man auch kaum ein Verfahren zur totalen Vermeidung von Wildunfällen entwickeln können. Nicht zuletzt ist es die Unberechenbarkeit der Verkehrsteilnehmer selbst, die das Geschehen entscheidend beeinflussen.

Der hier aufgezeigte Weg mit Hilfe von „Awiwa“, trägt hoffentlich dazu bei, die Zahlen der Verkehrsopfer bei unserem Wild und den Verkehrsteilnehmern zu senken.

 

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