Der kleine feine Unterschied

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Bei Fabrique National (FN) im belgischen Herstal wird neben den Browning-Flinten auch die Winchester Supreme gefertigt. Wir sagen vor Aufgang der Entenjagd, welche der beiden die bessere Wahl ist.

 

Die Winchester wird mit Invector-Wechselchokes geliefert, die Browning mit den längeren Invector-Plus-Modellen

Es ist ja nur `ne Flinte. Also Katalog aufgeschlagen, eine Waffe rausgepickt, die im finanziellen Rahmen liegt, und fertig ist der Waffenkauf. Wenn dann noch ein klingender Name wie Winchester oder Browning das Laufbündel ziert, kann erst recht nichts mehr schiefgehen.

Soweit die Theorie. Nun zur Praxis: Die Gemeinsamkeiten der Winchester und der B 425 beschränken sich auf das Kaliber 12/76, stahlschrot-taugliche 71-Zentimeter-Läufe (bei der Browning wahlweise auch 76 Zentimeter), Wechselchokes, selektiven Einabzug mit Umschaltung via Sicherungshebel und ein im Lieferumfang enthaltenes Abzugschloss.

Laufmündung von Mängeln behaftet

Die kleinen feinen Unterschiede der beiden Belgierinnen fallen aber schon vor dem ersten Schuss ins Auge: Während die B 425 Waterfowl hervorragend verarbeitet ist, offenbart sich die Winchester Supreme ihrem Betrachter überdeutlich als CNC-Maschinen-Produkt: Zwischen dem geölten Nussbaum-Vorderschaft und dem Systemkasten der Testwaffe klafften Spalte von bis zu eineinhalb Millimeter Breite. Auch zwischen Hinterschaft und Basküle waren die Passungen alles andere als exakt. Wohlgemerkt, die Flinte ist neu, das Holz kann also noch weiter schrumpfen.

Auch die Laufmündung ist mit Mängeln behaftet, die es bei einer Winchester nicht geben sollte: Einer der beiden dort eingebrachten Keile ragt knapp einen Millimeter hervor – für eine Flinte, die 1456,67 Euro kostet, einfach indiskutabel.

Sehr stabil und technisch einwandfrei ist dagegen der Flankenverschluss, mit dem die Winchester ausgestattet ist. Die Konstrukteure haben ihn obendrein so ausgelegt, dass er sich selbst nachstellt und damit auch nach tausenden Schüssen für festen Halt sorgt. Der Spalt, der anfangs an der Stelle der Flanken zwischen Basküle und Laufbündel zu sehen ist, rührt also nicht von schlechter Verarbeitung, sondern von diesem auf Dauerhaftigkeit ausgelegten Prinzip. Die B 425 dagegen verriegelt mit einem massiven Keilverschluss, der an die Verriegelung der legendären Browning B 25 angelehnt ist und sich millionenfach bewährt hat.
Doch auch beim Abkippen und Schließen zeigt sich, dass die beiden Flinten mit unterschiedlichen Toleranzen gefertigt sind: Während die Winchester bereits als Neuwaffe relativ leicht geht, merkt man bei der B 425 die saugenden Passungen auf jedem Millimeter. Und wer sich daran erfreuen kann, wenn ein Verschluss beim Zuklappen dieses satte Schmatzen von sich gibt, kommt bei der Browning voll auf seine Kosten.

Abzugswiederstände von 21 Newton

Bei Schloss und Abzug setzen sich die feinen Unterschiede fort, wenngleich hier beide Gewehre mit sehr guten Werten glänzen. Um die Winchester abzufeuern, ist ein Druck auf den Abzug von 24 Newton (=2,4 Kilogramm) nötig. Für eine Kastenschloss-Flinte ein guter Wert, vor allem weil für den ersten und zweiten Schuss der gleiche Widerstand zu überwinden ist. Das Züngel hat einen leichten Vorzug von etwa zwei Millimetern, danach steht der Abzug aber sehr trocken.

Dass es die Büchsenmacher in Herstal aber auch hier noch ein wenig besser können, beweist wiederum die Browning: Hervorragende Abzugswiderstände von gerade mal 21 Newton (= 2,1 Kilogramm) gilt es zu überwinden, um die Schrote auf die Reise zu schicken. Und auch die Abzugscharakteristik lässt bis auf den leichten Vorzug keine Wünschen offen.

Eine führige

Und die Praxis? Da mussten beide Flinten auf dem Jagdparcours zeigen, was in ihnen steckt. Und der erste Eindruck sollte nicht täuschen: Die Winchester ist mit ihren 3,25 Kilogramm eine führige, handliche Flinte, die vor allem bei schnell hingeworfenen Schüssen voll in ihrem Element ist. Der Schwerpunkt liegt unter dem Scharnierbolzen, die Balance ist hervorragend. So gibt die Winchester dem Schützen jederzeit das Gefühl, schnell und sicher das Ziel aufnehmen und beschießen zu können. Weite und hohe Tauben, allerdings, bei denen man lang und gleich-mäßig mitschwingen muss, erfordern eine sichere Führhand, denn so schnell sich die Supreme in Schwung bringen lässt, so schnell stoppt sie diesen auch wieder, wenn man ihr nicht mit Nachdruck den Weg weist.

Sauber schießen und treffen

Im Vergleich zur Winchester ist die B 425 Waterfowl ein starkes Stück: 3,45 Kilo Gesamtgewicht sind ein Batzen, und statt 1,75 Kilo, die bei der Winchester für Laufbündel und Vorderschaft zu Buche schlagen, ruhen hier 1,9 Kilo auf der Führhand. Aber dafür schwingt dieses Gewehr phänomenal: Vor allem weite Querreiter oder ankommende Scheiben, die lange in der Luft sind, werden mit der B 425 zur sicheren Beute. Wo Waterfowl – zu deutsch Wasserwild – draufsteht, ist also auch Waterfowl drin, denn die Browning besticht durch eine astreine Flugwild-Performance: Einmal angeschlagen und beschleunigt, zieht dieses Gewehr den Schwung fast von alleine durch, lässt sich auch im Schuss nicht aus der Bahn werfen und gibt dem Schützen so die nötige Ruhe, um sauber schießen und treffen zu können.

Sobald man aber in engen Schneisen auf Rollhasen stößt, wird deutlich, dass hier einiges Gewicht in Fahrt gebracht werden will. Da hat die Winchester eindeutig die Schnappschuss-Vorteile auf ihrer Seite.

Kunststoff-Waffenkoffer statt Pappkarton

Wer jedoch die ganze Palette der Niederwildjagd ausschöpfen kann, hat mit der B 425 Waterfowl die bessere Flinte in der Hand. Auch Anfänger oder weniger versierte Schützen werden sich mit der Browning leichter tun, da eine schwerere und homogener schwingende Flinte hektisches Fuchteln und den Hang zum Stehenbleiben immer besser kompensiert als ein leichtes Gewehr

Die B 425 Waterfowl geht als klarer Sieger aus diesem Vergleichstest. Sie kostet zwar stolze 1737,88 Euro und ist damit um knapp 300 Euro teurer als die Winchester Supreme, doch dafür bekommt man eine Top Flinte mit ausgereifter Technik, die im Gegensatz zur Winchester nicht im Pappkarton, sondern im Kunststoff-Waffenkoffer geliefert wird. Außerdem gewährt Browning auf die B 425 zehn Jahre Garantie auf den Systemkasten und drei Jahre auf alle übrigen Teile.

Die Winchester Supreme macht zwar in der Praxis einen guten Eindruck, doch die Verarbeitung dieses Gewehrs kann den Preis bei weitem nicht rechtfertigen. Auch Frankonia rät allen Winchester-Interessenten, im Ladengeschäft aus mehreren Supremes die beste auszuwählen.

Die Browning dagegen ist ihr Geld wert, selbst wenn einem der Lackschaft nicht so gut gefällt. Sollte es daran wirklich scheitern, kann Frankonia Jagd mit dem kompletten B 425-Sortiment aufwarten, das nicht nur Gravur-Alternativen, sondern auch Ölschäfte bietet.

Bezug: Frankonia Würzburg, Tel. 0 93 02/200 oder im Fachhandel

Bei der Browning ist das Widerlager für den Verschlusskeil deutlich zu sehen

 

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