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Die Sprache der Füchse

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Fast das ganze Jahr sind sie zu hören: Mal ist es ein verhaltenes Keckern, mal ein schaurig klingendes Bellen oder Kreischen – Reinekes Lautäußerungen. Unser Lockjagdprofi Klaus Demmel verrät in WILD UND HUND 1/2012 wie und wann Sie diese für die Jagdpraxis nutzen können.

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Foto: Nature Picture Library


Im Frühjahr, sobald die Jungfüchse vor dem Bau toben, kündigen sich die Futter zutragenden Eltern mit Lockrufen an. Leise, verhalten klingt das schnell hintereinander gesetzte „waff-waff-waff-waff“, das sogenannte Lockmuffen. Es bedeutet: Alles in Ordnung, Futter ist im Anmarsch. Sollte dem Altfuchs etwas nicht geheuer sein, warnt er die Welpen mit einem sehr lauten meist einsilbigen „Wau“. Die Jungen verschwinden dann im Bau. Ist die Luft rein, begrüßen sie die Fähe winselnd und verteidigen Geschwistern gegenüber keckernd ihre „Beute“.
Im Sommer scheinen die Füchse einen besonders lockeren Hals zu haben. Oft ist das heisere, langgezogene „Wauuu“, schon in den frühen Abendstunden zu hören. Meinen Beobachtungen nach handelt es sich dabei in den meisten Fällen
um Jungfüchse. Es fällt mir jedoch schwer, das Verhalten zu deuten. Eventuell trainieren die Halbstarken nur ihre Stimme, da diese für sie später im späteren Jahresverlauf noch eine wichtige Rolle spielen wird. Vielleicht sind es aber
auch Kontaktlaute zwischen Eltern und Geschwistern untereinander. Im Herbst hält sich Reineke „musikalisch“ sehr bedeckt. Es ist die Zeit, in der die Jungfüchse das elterliche Revier verlassen müssen und sich auf Wanderschaft begeben – die sogenannte Disperalphase.
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Der Ranzbeller von Klaus Demmel.
Bereits Anfang Dezember werden die roten Freibeuter stimmlich wieder aktiver. Zu dieser Jahreszeit ist es wohl Teil des Territorialverhaltens. Akustisch werden so schon vor dem großen Finale – der Ranz – die Reviergrenzen abgesteckt.
Das Verhalten ähnelt dem der Rehböcke, die im Frühjahr durch Schrecklaute ihre Revieransprüche kund tun. Die Hauptranz dauert von Ende Dezember bis Mitte Februar. Ich habe jedoch bereits an Weihnachten, aber auch noch Ende Februar sich paarende beziehungsweise hängende Füchse beobachtet.
Mit Duftmarken signalisiert die Fähe dem Rüden ihre Paarungsbereitschaft. Wenn der Rüde den verlockenden Duft wittert, nimmt er die Botschaft auf und sucht lauthals Kontakt zur Fähe. Sein drei- bis fünfsilbiges „Wau, Wau, Wau, Wau“ ist in kalten Winternächten weithin hörbar. Von der Fähe ist während der Ranz häufig ein helles, einsilbiges, in die Länge gezogenes „Wauuuuu“ zu hören. Es klingt schaurig und sehnsüchtig zugleich. Ob diese Lautäußerungen der Fähe zur Partnersuche oder Revierabgrenzung dienen, können selbst Wissenschaftler bis heute nicht beantworten.

 


Hat der Rüde die Fähe gefunden, verfolgt er sie auf Schritt und Tritt. Sollte sich das Pärchen dennoch aus den „Augen“ verlieren, halten sie häufig durch Rufen Kontakt. Ein von beiden Partnern langgezogenes „Wauuu“ hält die Bindung aufrecht. Mitunter entsteht dabei eine Art „Unterhaltung“. Die Stimmen der Füchse sind recht unterschiedlich, man gewinnt sogar den Eindruck, jeder habe seine eigene Stimmlage. Die Palette reicht vom hellen, glockenklaren Ruf bis hin zum tief heiser klingenden Schrei, ähnlich dem Schrecken des Rehwildes. In manch kalter Winternacht entsteht durch die unterschiedlichen Rufe und Schreie ein wahres Konzert.
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Beim Morgenansitz erlegte dieser Jäger einen Fuchs, der auf den Ranzbeller zustand.Foto: Klaus Demmel
Genau diese Laute sind es, die sich der Jäger während der Ranz zunutze macht, um an Reinekes Balg zu kommen. Denn teilweise ignorieren die Füchse während der Ranz die typischen Locker wie Hasen- oder Kaninchenklage. Daher versuchen Raubwildjäger die Paarungsrufe nachzuahmen, um Beute zu machen. Im Gegensatz zur Reizjagd, bei der ein Beutetier nachgeahmt wird, kann man dabei wirklich von Lockjagd sprechen. Der Jäger hat die einmalige Chance, mit den Füchsen zu kommunizieren. Man könnte fast von der „Hirschbrunft des kleinen Mannes“ sprechen.
Diese Strategie ist nicht neu, denn schon früher versuchten Jäger die Bell-Laute mit dem Mund nachzuahmen. Allerdings führt diese Übung bei den meisten Waidmännern schon nach kurzer Zeit zu Erstickungsanfällen und Heiserkeit. Wesentlich einfacher ist es, sich eines Lockinstrumentes zu bedienen. Der von mir entwickelte „Rottumtaler Ranzbeller“ leistet mir alljährlich sehr gute Dienste (weitere Infos zum Rottumtaler Ranzbeller, sowie Hörproben finden Sie unter www.klaus-demmel.de).
Wie mit jedem anderen Lockinstrument, sollte sich der Jäger auch mit dem Beller vor dem ersten Reviereinsatz im „Trockentraining“ fit machen. Die unterschiedlichen Stimmen der Füchse kommen uns dabei sehr entgegen. Unser Bellen muss nicht perfekt sein, sondern nur ähnlich klingen. Draußen im Revier entscheidet die Situation, welcher Laut nachgeahmt wird. Generell sollte nur nachts und bei genügend Licht (Mond, Schnee) während der Ranz von Dezember bis Ende Februar gelockt werden.
Ich verfahre folgendermaßen: Die erste halbe Stunde des Ansitzes lausche ich, ohne zu locken. Sollte sich während dieser Zeit ein Fuchs melden, spiele ich den Partner und antworte. Tut sich während dieser Wartezeit nichts, beginne ich selbst zu rufen. In der Regel ertönt als erstes der helle, langgezogene Ruf der Fähe. Drei bis vier Rufe mit kurzen Unterbrechungen, wenige Minuten Pause und das Ganze noch einmal. Bleibt die Antwort aus, lege ich zirka fünfzehn Minuten Pause ein und spiele dann die „Arien“ des suchenden Rüden.
Drei bis fünf kurze, schnell hintereinander gesetzte „Wau“-Laute bilden eine Serie. Wenige Minuten nach der ersten Serie folgt eine zweite und nach weiteren vier bis fünf Minuten eine dritte – immer vorausgesetzt, die Antwort bleibt aus. Meine Erfahrungen zeigen, dass auch Fähen auf den Fähenruf antworten, was nach der Erlegung eindeutig festzustellen war. Auch Rüden antworten auf den Ruf eines Nebenbuhlers. Es ist somit keine Seltenheit, dass, wenn der Jäger anstimmt, mehrere Rüden antworten.
So ein „Gespräch“ kann sich in die Länge ziehen – zehn bis fünfzehn Minuten sind keine Seltenheit, je nachdem, wie weit der Fuchs entfernt ist. Aufgrund der individuell unterschiedlichen Stimmen sind die Rufe von Fähe und Rüde manchmal nicht einfach zu unterscheiden. Dies ist auch nicht weiter tragisch, denn als „Fähensimulant“ liegt der Jäger in den meisten Fällen richtig.
Normalerweise kommt der Fuchs, während er ruft, stetig näher. Der Jäger sollte es aber vermeiden, ihn auf zu kurze Distanz „anzubellen“.
Spätestens bei einhundert Metern ist Schluss. Reineke findet den restlichen Weg auch ohne dass gelockt wird. Im Wald, wo man ohnehin weniger Sicht hat, muss sich der Jäger auf sein Gehör verlassen und die Entfernung zum Fuchs abschätzen. Steht der rote Freibeuter zu und wird erlegt, rate ich, sitzen zu bleiben und etwa zwanzig Minuten ohne zu locken abzuwarten, um danach erneut „Liebesarien“ in die kalte Mondnacht zu schicken.
Es ist keine Seltenheit, dass innerhalb weniger Stunden mehrere Füchse zustehen, und wenn Diana uns hold ist, auch erlegt werden.

 

 

 

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