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Saisonstart

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Der Mai stand ganz im Zeichen der aufge­gangenen Rehwildjagd. Tobias Thimm berichtet von der aktuellen Lage im Testrevier und den Hürden, die es in Corona-Zeiten zu meistern gilt.

Foto: Sophia Lorenzoni

„Schmalreh tot!“, meldet die WuH-­Revierwelt auf dem iPhone. Unser Volontär Richard Günzel hat an der Feldkanzel das vorletzte Schmalreh für dieses Jagdjahr gestreckt. Der Abschuss der einjährigen weiblichen Stücke ist somit im Testrevier fast erfüllt – und das bereits in der dritten Maiwoche! Gerade im Wonnemonat sind die Schmalrehe noch leicht anzusprechen. Im Spätsommer hingegen kann es deutlich anspruchsvoller sein.
Mit den Jährlingen tun wir uns heuer etwas schwerer. Obwohl bei der traditionellen Rehwildzählung einige schwache Knopfböcke in Anblick kamen, liegt bislang erst ein Spießböckchen. Die gesuchten Knopfer bleiben unsichtbar. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein eher mageres Ergebnis. Im Laufe des Sommers wird der Jährlingsabschuss jedoch sicherlich problemlos erfüllt werden. Mehrjährige Böcke geben die Pächter erst Ende Juli frei.

Inzwischen sollten alle Ricken im ­Testrevier gesetzt haben. Auffällig war dieses Jahr, dass viele dies schon im April getan hatten. Möglicherweise liegen die frühen Setztermine am allgemein deutlich früheren Entwickeln der Natur? Viele hormongesteuerte Prozesse hängen ja eng mit äußeren Faktoren, wie z. B. der Tageslichtlänge uvm., zusammen. Zumindest die Vegetation war in Obertiefenbach im Mai schon so weit wie sonst erst Anfang Juni. Einzelne Frostnächte blieben aus. Nach einer ­ungewöhnlichen Trockenphase ließen ­wenige Regentage auch den letzten Strauch austreiben, wodurch die Rehwildjagd im Wald in den nächsten ­Wochen nicht einfacher wird.

Ein Sturm fällte die altgediente Geiersbergkanzel. Teile des Grundgerüsts sind allerdings noch verwendbar.
Foto: Tobias Thimm

Um die im Grünen abgelegten Kitze vor dem Mähtod zu schützen, wurden nach Feierabend fleißig Scheuchen aufgestellt und Wiesen abgesucht. Redakteur Peter Schmitt markierte zwei der Findlinge. Schon wenige Tage später brachte eine Ohrmarke erste traurige Erkenntnisse: Eines der markierten Kleinen war bereits ausgemäht worden. Der Landwirt hatte sich nicht an den vereinbarten Mähtermin gehalten. Die Chance, seine Wiesen zuvor noch mal gründlich abzusuchen, wurde dadurch vereitelt.
Neben den Jährlingen machten sich auch die Schwarzkittel im Testrevier rar. Möglicherweise haben die vielen überdurchschnittlich erfolgreichen Bewegungsjagden in der Region dazu beitragen, die Bestände etwas zu reduzieren. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass aktuell woanders attraktivere Fraßquellen liegen. Spätestens zur Milchreife werden die ersten Rotten aber wohl nachts wieder in Obertiefenbach im ­Getreide stehen und zu Schaden gehen. Lediglich ein kleiner abgelegener Acker, in dem frisch Mais gesät worden war, stieß bei einzelnen Sauen bislang auf Interesse. Sicherheitshalber haben wir die Fläche verstänkert.

An Revierarbeit mangelt es derzeit nicht. Zwei stürmische Nächte reichten aus, um die altgediente Geiersbergkanzel zu fällen. Der Wiederaufbau wird viel Schweiß kosten, obwohl das Grundgerüst noch Substanz hat und wieder verwendet wird. Auch auf die ehemaligen Sturmflächen mit den stark verbissgefährdeten Pflanzreihen müssen dringend neue Leitern. Derartige Großprojekte mit mehreren Personen sind in Corona-Zeiten allerdings noch undenkbar.

Acht Schmalrehe wurden bis Mitte Mai bereits im Testrevier gestreckt.
Foto: Richard Günzel
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