Schleppwild – Wie viel Wild braucht der Hund?

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Schleppwild hat man eigentlich nie genug. Revierjagdmeister Sascha Schmitt verrät deshalb, wie Enten und Kaninchen am besten haltbar gemacht werden und woher man in der Not Schleppwild bekommt.

FOTO: MICHAEL MIGOS

Um es kurz zu machen: Bis zur Herbstzucht- oder Brauchbarkeitsprüfung benötigt man ungefähr ein Dutzend Kaninchen oder Hasen sowie 15 Stück Federwild. Das Schleppwild muss man aber nicht einfach nur sammeln, sondern auch pfleglich behandeln. Frisch erlegtes Wild wird deshalb abgetrocknet und in mehrere Lagen Zeitungspapier eingewickelt. In einem ausreichend großen Beutel kommt es dann in die Tiefkühltruhe. Das Zeitungspapier nimmt Schweiß auf und verhindert, dass das Wild nach dem Auftauen
im „eigenen Saft“ schwimmt. Je frischer das Wild eingefroren wird, desto länger kann man es später benutzen. Wer sich eine ausreichend große Menge an Übungswild einfrieren will, kommt schon in Hinsicht auf den Hausfrieden nicht um eine zusätzliche Gefriertruhe
herum. Verständlicherweise ver spüren die meisten Hausfrauen keine Lust, ihre Lebensmittel zwischen eingefrorenen Füchsen und Enten zu verstauen.

Wer weiß, dass er im folgenden Jahr einen Hund auf Prüfungen vorstellt, sollte keine Gelegenheit auslassen, sich rechtzeitig mit Enten, Kaninchen und Raubwild einzudecken. Beispielsweise direkt am Streckenplatz: Oft kann man sich nach Absprache mit dem Jagdherrn bei den benötigten Wildarten bedienen. Auch sollte der Bekanntenkreis animiert werden zu helfen. Beim Federwild sollte man ausschließlich durchgefiederte Herbst- oder Wintererpel auswählen, da diese sich bei sachgemäßem Umgang im Vergleich zu Fasanen und Tauben am längsten halten. Gerade Tauben lassen beim Schleppen viele Federn und sehen nach kurzer Zeit aus wie gerupft. Wilde Erpel sind aufgezogenen Tieren vorzuziehen, da das Gefieder der erlegten Breitschnäbel richtig durchgefettet ist und sich nicht schon beim ersten Üben mit Wasser vollsaugt. Zudem ist das helle Prachtgefieder der Erpel für den Hund einfacher zu eräugen, was ihm das Auffinden des ausgelegten Stückes auf der Schleppe oder im Schilfwasser erleichtert.

Beim Haarwild empfiehlt es sich schon aus Kostengründen, Kaninchen zu verwenden. Achten Sie peinlichst darauf, dass Sie wirklich nur gute Stücke
auswählen. Zerschossenes, qualitativ minderwertiges Wild eignet sich keinesfalls für die Hundearbeit. Wurden die Kanin mit der Kugel erlegt, sollten größere Ausschüsse sauber vernäht werden, damit kein Gescheide austreten kann. Selbst bei Füchsen sollte man nur mit Schrot erlegte verwenden, da viele Hunde eine Abneigung gegen Fuchsschweiß
zu haben scheinen.Wer mit anbrüchigem oder arg ramponiertem Wild arbeitet, kann seinem Hund die Freude am Apportieren verleiden. So bekam ich einmal eine junge
Deutsch-Kurzhaar-Hündin zur Ausbildung, die sich anfänglich strikt weigerte,
Haarwild zu bringen, während sie Enten nach kurzer Zeit freudig aufnahm und zutrug. Nachdem ich beim Besitzer nachfragte, gab er zerknirscht zu, dass er dem damals noch sehr jungen Hund einen bereits anbrüchigen Hasen vorgelegt hatte. Da die Hündin frisches Haarwild stets sauber brachte, wunderte es den Besitzer, dass sie sich angewidert weigerte, den stinkenden Hasen aufzunehmen. Deshalb verlieh er seinem Befehl mit der Koralle Nachdruck. Diese absolut falsche Behandlung hatte der Vierläufer nicht vergessen, und ich brauchte viel Einfühlungsvermögen und noch mehr Wiederholungen, bis der Hund seine Abneigung gegenüber Haarwild wieder ablegte. Zudem kann ein Vierläufer durch
minderwertiges Schleppwild regelrecht zum Anschneider erzogen werden. Je penetranter
das verwendete Wild stinkt, desto schmackhafter erscheint es manchem Caniden. Denn viele Hunde neigen dazu, ihr Futter einzugraben und es erst zu fressen, wenn es fast schon fault. Deshalb darf es niemanden wundern, wenn der Hund sich beim Finden eines müffelnden Schleppenkanins dazu entschließt, es zu verspeisen, statt es seinem Führer zu bringen. Dass der fertig ausgebildete Hund jegliches Wild, egal in welchem Zustand auch immer, zu bringen hat, steht außer Frage. Doch muss man es seinem Adlatus während der Einarbeitung nicht unnötig schwer machen. Die Menge an Übungswild lässt sich senken, wenn man anfänglich mit Dummies arbeitet. Diese Apportiergegenstände eignen sich hervorragend dazu, auf den ersten Schleppen das Wild zu ersetzen. Um dem Hund die
Arbeit zu erleichtern, packt man den Dummy für eine Nacht zusammen mit einem Kaninchenbalg in eine Plastiktüte, damit der Apportiergegenstand den Wildgeruch annimmt. Wer über keinen Kaninchenbalg oder frisches Wild verfügt, kann auch spezielle Duftstoffe verwenden, die im Fachhandel erhältlich sind.

Der „Bunny-Dummy“ von Elmar Meder spart bei den ersten Übungen einiges an Schleppwild ein. Es gibt ihn in zwei Größen. FOTO: SASCHA SCHMITT

Gute Erfahrungen habe ich dabei mit dem von Elmar Meder hergestellten „Bunny-Dummy“ gemacht (www.bunny-dummy.de). Dieser dreigeteilte Dummy hat die Form und auch das Gewicht eines Kaninchens. Der Hund muss ihn sauber über den Rücken greifen
und gewöhnt sich beim Tragen des Dummies an das Pendeln der Läufe und des Kopfes. Es gibt ihn in den Gewichtsklassen 500 und 1 100 Gramm –je nach Größe des Hundes.
Wer bis jetzt nicht genug Enten und Kaninchen in der Truhe hat, muss die Flinte noch lange nicht ins Korn werfen. Es gibt mehrere Firmen, die Schleppwild per Post zustellen. Die Preise sind dabei relativ moderat und die Qualität immer zufriedenstellend. Zudem verfügen einige dieser Anbieter über einen Express-Lieferservice, der – selbstverständlich
gegen Aufpreis – binnen 48 oder gar 24 Stunden zustellt. Dabei lohnen sich Sammelbestellungen, da dann oft Rabatte gewährt werden. Schließen Sie sich also in Ihrem Hundeführerkurs, Hegering oder Ihrer Kreisgruppe zusammen.
Um die Anzahl des Schleppwildes möglichst gering zu halten, muss man sorgsam und umsichtig damit umgehen. Das beginnt wie gesagt beim Einfrieren und setzt sich beim Auftauen fort. Vor dem Üben wird das Wild rechtzeitig aus der Truhe und aus dem Gefrierbeutel genommen. Man legt dazu das Wild am besten in einen mit Küchenrolle ausstaffierten Korb. So wird beim Auftauen austretender Schweiß direkt aufgenommen
und sickert nicht in das Gefieder oder den Balg. Alternativ können die Stücke auch aufgehängt werden, damit Flüssigkeiten abtropfen.
Keinesfalls darf mit noch nicht restlos aufgetauten beziehungsweise noch steifen Enten oder Kaninchen gearbeitet werden, da der gefrorene Wildkörper für den Hund äußerst unangenehm ist. Wurde die Schleppe in einer feuchten Wiese gezogen und das verwendete Wild ist nass, wird es nach der Übungseinheit abgetrocknet oder ausgeschüttelt. Besonders
nach der Wasserarbeit muss man bemüht sein, die tote Ente möglichst trocken zu bekommen. Je nasser das benutzte Federwild, desto tiefer liegt es beim nächsten Üben im Wasser. Dem Hund wird dadurch das Finden und vor allem das Aufnehmen unnötig erschwert.

Bei den ersten Schleppen sollte ein Perlonstrumpf über das Wild gezogen werden. Dadurch
wird es weniger beansprucht, und der Hund lernt, besser zu greifen.

Bei den ersten Federwildschleppen empfiehlt es sich, einen ausgedienten Seidenstumpf über den Körper des Erpels zu stülpen. Zum einen liegen die Schwingen dann straff am Wildkörper an, wodurch dem Hund das Greifen und Aufnehmen erleichtert wird, zum anderen leidet das Federkleid der Ente weniger. Ziehen Sie das Schleppwild zudem nie
gegen den Strich. Insbesondere Federwild würde dadurch schnell unansehnlich und unbrauchbar. An heißen Tagen sollte das Wild in einer Kühlbox transportiert werden, um es
vor Verderb zu bewahren. Besonders bewährt haben sich dafür ausreichend große Elektrokühlboxen, die über den Zigarettenanzünder mit Energie versorgt werden. Darin lässt sich bequem ausreichend Schleppwild unterbringen und es verhitzt auch bei hohen Temperaturen nicht.
Wenn man mit mehreren Hundeführern gemeinsam übt, sollte vorher abgesprochen
werden, wer welches Wild mitbringt, da die Hunde durchaus mit demselben Wild arbeiten können. Soll am nächsten Tag wieder geübt werden, wird das Wild nicht im Fahrzeug belassen, sondern an einem kühlen Ort aufgehängt – am besten in einem Wildkühlschrank
oder einer Kühlkammer. Zur Not reicht aber auch ein ausgedienter Kühlschrank, aus dem man die Einlegeböden entfernt. Wichtig ist vor allen Dingen, dass keine Fliegen an das Schleppwild gelangen, sonst entwickelt es gerade im Hochsommer sehr rasch eine durch den Madenbefall bedingte „Eigendynamik“. Ist es jedoch absehbar, dass die nächsten
Tage nicht geübt wird, wird das Wild umgehend wieder eingefroren. Mit etwas Sorgfalt und Umsicht lässt sich so der Bedarf an Schleppwild beträchtlich reduzieren.