Sommerzeit, Parasitenzeit

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Besonders dann, wenn es warm wird, überfallen Zecken Mensch und Tier. WILD UND HUND-Experte Theodor Heßling informiert über die Folgen und gibt Tipps zur Vorbeugung.

Jagdhunde stehen in engem Kontakt zu Fuchs, Igel, Schwarzwild, Dachs und vielen anderen freilebenden Wildtieren. Dadurch sind sie vermehrtem Infektionsdruck von Parasiten und Krankheitserregern ausgesetzt. Zecken, die von Tier zu Tier klettern und dabei Blut rauben, sind aber nicht nur lästig. Sie übertragen Krankheitserreger, die auch für den Jäger selbst zur Gefahr werden können. Deswegen lohnt es, sich genauer über die Plagegeister zu informieren und vorzubeugen.
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Zecken lauern bevorzugt bei feuchtwarmem Wetter auf Beute. Foto: Zecke.de
Zecken lieben Feuchtigkeit und Wärme. Aus diesem Grund sind sie etwa nach einem Regentag im Sommer besonders aktiv. Liegen die Temperaturen unter sieben Grad Celsius, fällt die Zecke in eine Art Winterstarre. Dann ist sie nicht auf Grashalmen sondern unter einer feuchten Laubdecke zu finden.
Hunde, die ständig im Freien leben, können einen Massenbefall mit Hunderten von Zecken haben. Ob Mensch oder Tier – die Zecke macht jedoch keinen Unterschied, wo sie Blut räubert. Dazu kommt, dass sie nicht mit einer einzigen Mahlzeit zufrieden ist. Von der Jugendform (Nymphe) bis ins geschlechtsfähige Alter schlägt sie mehrmals zu. Zwischen den einzelnen Larvenstadien stößt sie zwar durch Häutung ihre Hülle ab, die Krankheitserreger ihrer Beute bleiben dabei aber unversehrt in ihrem Inneren erhalten.
Besonders hoch ist die Gefahr eines Zeckenbisses dort, wo eine Vielzahl an potenteillen Wirten verschiedener Größenklassen zusammenkommt. Nymphen befallen bevorzugt Mäuse und Vögel, reifere Larven wählen größere Wirte, wie Igel, Kaninchen oder Fuchs, und die erwachsene Zecke labt sich gern an Hund, Reh- und Schwarzwild. Weil Zecken meist direkt auf dem Wirtstier begattet werden und sich vollgesogen kaum bewegen können, findet die Eiablage oft an Wechseln oder in der Nähe von Tierbehausungen statt. Die Zecken kriechen an Gräsern und Gebüsch empor, wo sie sich auf Wirte fallen lassen.
Ein Zeckenbiss ist mit äußerster Sorgfalt zu behandeln. Denn im Speichel des Spinnentiers wimmeln Bakterien und Viren: Als Überträger von Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Babesiose, Ehrlichiose oder Rickettsiosen warten sie auf ihre Chance. Dieser Artikel beschäftigt sich weiter unten genauer mit Borreliose und FSME, da diese Erkrankungen am häufigsten auftreten.


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Eine erwachsene Zecke hat sich festgebissen. Foto: zecke.de
Was tun bei Zeckenbissen?
Zecken bleiben längere Zeit am Wirt und sollten sofort entfernt werden. Wird dabei auf den dehnbaren Zeckenleib gedrückt, schwappen darin darin lagernde Krankheitserreger zum Kopfende und können sich so in den neuen Wirt ergießen. Deswegen sollte der Blutsauger vorsichtig und gerade mit einer Pinzette oder Zeckenschlinge am Kopf aus der Bissstelle herausgezogen werden. Wird der Blutsauger frühzeitig entfernt, kann eine Borreliose verhindert werden, eine FSME leider nicht.
Die Borreliose
Am häufigsten übertragen Zecken das Borreliose auslösende Bakterium Borrelia burgdorferi. Alle Säugetiere inklusive Mensch und auch Vögel können erkranken. Erkennbar wird die Infektion durch Antriebs- und Appetitlosigkeit, Fieber und im weiteren Verlauf Gelenksentzündungen. Beim Hund ist eine Behandlung langwierig und kostenintensiv. Betroffene Tiere haben auch nach überstandener Borreliose keine Immunität und können erneut erkranken. Allerdings steht gegen Borrelien in Mitteleuropa für Hunde ein Impfstoff zur Verfügung. Ob diese Präparate halten, was sie versprechen, lesen Sie in WILD UND HUND 13/2012. Je nach Region sind 5 bis 10 Prozent aller Hunde mit Borrelien infiziert.

 


FSME-Risikogebiete in Deutschland auf Landkreisebene nach RKI_72dpi
FSME-Risikogebiete 2012 nach Angaben des Robert-Koch-Institutes. Foto: zecke.de
Die FSME
Angaben über die Häufigkeit von FSME-Fällen z.B. bei Hunden sind widersprüchlich. Offenbar sind sie bisher bei den Vierläufern jedoch selten aufgetreten. Der Mensch scheint gefährdeter zu sein.
Die FSME wird durch ein Virus ausgelöst, das beim Menschen zu einer Hirnhaut- oder Gehirn-Entzündung führen und tödlich enden kann. Das Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an. Risikogebiete für FSME sind vorwiegend im Süddeutschen Raum zu finden, allerdings gibt es immer mehr Landkreise, die als FSME-gefährdet eingestuft werden (siehe Grafik).
Das FSME-Virus kann durch Bisskontakt aus der Speicheldrüse einer Zecke übertragen werden. Nicht jeder Infizierte erkrankt auch an FSME und nicht jede FSME hat einen schweren Krankheitsverlauf. FSME kann nicht medizinisch behandelt werden, eine Therapie beschränkt sich daher auf Linderung der Symptome.
Gegen FSME werden vor allem in Risikogebieten Schutzimpfungen empfohlen und deren Kosten für Bewohner solcher Gebiete auch von den Krankenkassen übernommen.

 


Vollgesogenes Zeckenweibchen _72dpi
Wer vorbeugt, kann genau das verhindern: Die Vermehrung der Zecke. Foto: Zecke.de
Vorbeugung:
Gerade bei Zecken ist Vorbeugung das beste Mittel. Vom Frühjahr bis in den Herbst sollte der Hund gegen Zecken geschützt werden. In der Tierarztpraxis bekommt der Hundehalter vorbeugende Mittel gegen den Zeckenbiß, z.B. Scalibor Halsbänder oder advantix Tropfen für seinen Vierbeiner. Frei verkäufliche Zeckenhalsbänder sind in der Regel kein ausreichender Schutz für den Jagdhund. Selbstverständlich kennt der Markt für Zeckenmittel ohne Chemie keinerlei Grenzen. Aber eine Fütterung mit Knoblauch, die Anwendung einer Bernsteinkette oder ähnlichen Dinge mögen für Hunde, die wenig in der freien Natur umherspringen ausreichen, aber für unsere Jagdhunde meiner Meinung nach nicht.
Der Mensch sollte zur Vorbeugung geschlossene Kleidung tragen sowie Gummistiefel. Nach jedem Freigang sollten Körper und Kleidung nach Zecken abgesucht werden. Die Zeckenkontrolle ist selbstverständlich auch beim Hund anzuraten. Denn es gilt noch immer: Vorbeugen ist besser als Heilen.
Zu weiteren Artikeln des Autors:
  • Flöhe
  • Virushusten

 

 

 

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