Ist HD zu stoppen? Schreckgespenst HD

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„Ihr Hund leidet an Hüftgelenksdysplasie.“ Woran?
Der Tierarzt zeigt auf das Röntgenbild, genauer auf die Hüftpfanne. „Der Oberschenkelkopf ist hier zu klein, er passt nicht exakt in die Pfanne.“ Folgen für den vierläufigen Jagdhelfer: Schmerzen, im schlimmsten Falle Lahmheit.

 

Eindeutig Hüftgelenksdysplasie. Der Gelenkkopf findet keinen festen Halt mehr in der Pfanne

Ist HD zu stoppen?
Schreckgespenst HD

„Ihr Hund leidet an Hüftgelenksdysplasie.“ Woran?
Der Tierarzt zeigt auf das Röntgenbild, genauer auf die Hüftpfanne. „Der Oberschenkelkopf ist hier zu klein, er passt nicht exakt in die Pfanne.“ Folgen für den vierläufigen Jagdhelfer: Schmerzen, im schlimmsten Falle Lahmheit.

Dr. Stephan Neumann

Es ist ein alter Hut, dass Elterntiere mit schlechten Hüften ihr Leiden kontinuierlich an ihre Nachkommen weitervererben. Aber nicht alle ihrer Welpen entwickeln deshalb automatisch selbst HD.

Es kann auch Nachwuchs geben, der mit gesunden Hüften durchs ganze Leben läuft und trotzdem seinerseits das ererbte Manko an seine Nachkommen weitergibt. Es ist seit langem bekannt, dass die HD vererbbar ist, aber das Schreckgespenst HD tatsächlich in Griff zu bekommen, macht Schwierigkeiten.

Vor allem bei großen Hunden tritt die Gelenksdeformation häufiger auf. Leichte Fälle lassen sich in der Regel mit entzündungshemmenden Medikamenten therapieren. Bei zu stark ausgeprägter HD müssen schwerere Geschütze aufgefahren werden. Der Hund muss unters Messer.

Aber nicht allein das Erbgut ist für die Krankheit verantwortlich. Manche Hundeführer glauben nämlich, ihren Welpen oder auch Junghund ganz besonders hart rannehmen zu müssen, frei nach dem Motto: Je länger der Spaziergang, desto besser wird mein Hund auf Ausdauer trainiert. Vorsicht!

Nichts gegen Bewegung, allerdings sollte man Maß halten, vor allem wenn der Hund definitiv noch nicht ausgewachsen ist. Jedes „zuviel“ ist von Übel, auch bei unseren vierläufigen Jagdhelfern.

Apropos – zuviel einseitige Ernährung, die pfundweise aus Vitaminen und Mineralien besteht, ist gut gemeint, aber auf Dauer nicht gesund. Ausgewogenes (Fertig-) Futter, speziell für Welpen und Hunde im Wachstumsstadium, sollten in den Fressnapf kommen – keine unausgewogenen Eigenkompositionen aus dem Haushalt.

Wissenschaftler dokumentierten dieses Futterphänomen vor gut dreißig Jahren an einem Wurf mit angewölftem HD-Schaden. Einigen Welpen wurde energie- und eiweißreiches Futter vorgesetzt, die übrigen bekamen restriktives Futter. Erschreckend klar das Ergebnis:

Die energie- und eiweißreich ernährten Hunde entwickelten fast alle eine HD im Gegensatz zur restrektiv ernährten anderen Hälfte. Und noch eins: Schlanke Hunde sind lange nicht so anfällig für Gelenksdeformationen wie stark übergewichtige Drangtonnen.

Allein Futtermischung und Ration machen es jedoch auch nicht. Mit übertriebenem Treppauf, treppab und unnötigem Springen tut man einem Welpen und Junghund keinen Gefallen, im Gegenteil.

Man provoziert eine Lockerung im Hüftgelenk. Und im fortgeschrittenen Alter bilden sich dann möglicherweise Arthrosen, die dem Hund schmerzhaft zusetzen.

Aber selbst wenn der Hundehalter all dies berücksichtigt, kann es trotzdem den eigenen Hund treffen, sofern die angewölfte Anfälligkeit unterschwellig präsent ist. Vererbung steht nach wie vor an erster Stelle für HD-Schäden. Exakt an diesem Punkt, versucht man seit längerem die Wurzel des Übels zu packen.

HD-Untersuchungen sind Pflichtprogramm

Die seriösen Zuchtverbände greifen seit längerem zu zuchthygienischen Bekämpfungsmaßnahmen. Die Halter lassen ihre Hunde, bevor sie zur Zucht zugelassen werden, beim Tierarzt röntgen.

Unter standardisierten Bedingungen, wie Narkose, Rückenlage, gestreckten Läufen. Diese Strapazen sollten Besitzer ihrem Hund nur dann zumuten, wenn er ausgewachsen ist.

Um hier Unregelmäßigkeiten Paroli zu bieten, einigten sich die meisten Zuchtverbände auf ein Mindestalter von einem Jahr. Je später die HD-Untersuchung, desto sicherer kann die Beurteilung sein.

Mit dieser Maßnahme versucht man nun seit zwanzig Jahren, der HD einen Riegel vorzuschieben. Die Tendenz dieser Geißel ist rückläufig, aber eben nur rückläufig. Das Schreckgespenst HD pendelt sich auf einem gewissen Niveau ein.

Der richtige Weg wäre, konsequent alle HD-behafteten oder nur -verdächtigen Tiere von der Zucht auszuschließen. Das geht natürlich nur bei Rassen mit ausreichend breiter Zuchtbasis. Ganz ausmerzen wird man die HD nie können, aber man kann sie noch stärker minimieren.