Edel und vielseitig

2008


Zuverlässig und pflegeleicht – das sind die Markenzeichen des Deutsch Kurzhaar (DK). Der DK ist ein Vollgebrauchshund, der ebenso durch seine feinen Manieren vor wie durch sein Können nach dem Schuss besticht.

 

von Günter Kornfeld

Die Geschichte des Deutsch Kurzhaar beginnt mit Hunden, die vor langer Zeit bei der Netzjagd auf Federwild – vor allem in den Mittelmeerländern – und bei der Beizjagd eingesetzt wurden. Über Spanien, Frankreich und Flandern kamen diese „DK-Ahnen“ an die deutschen Fürstenhöfe. Ihre wichtigste Eigenschaft war ihre Vorstehleistung. Von 1750 an, dem Jahr, in dem die erste Doppelflinte gebaut wurde, stieg die Nachfrage nach vorstehenden Jagdhunden in ganz Europa rapide an.

Fachliteratur überliefert, dass die Vorfahren des DK nicht ausschließlich unter altdeutschen Leithunden, Schweißhunden, Bracken, Hatzhunden und weiteren einheimischen Jagdhundrassen zu suchen sind, denn diese Hunde waren mehr auf das Stellen und Angreifen der Beute eingestellt, nicht aufs Vorstehen.

Feines Gehör

Die Zerschlagung der Feudalherrschaft durch Napoleon eröffnete damals breiteren Kreisen der Bevölkerung die Möglichkeit, selbst die Jagd auf Niederwild auszu-üben. Dazu wurden Jagdhunde benötigt, die suchten und dem Jäger solange gefundenes Wild anzeigten, bis er nah genug herangekommen war, um es zu erbeuten.

In C.E. Diezels „Erfahrungen aus dem Gebiet der Niederwildjagd“, zweite verbesserte Auflage von 1907, Verlag Paul Parey, Berlin, steht unter anderem zu lesen: „Wie hoch steht aber über allen diesen Geschlechtsverwandten der Hühnerhund! In welchem erstaunenswürdigen Grade lernt er jeder, selbst der reizendsten Versuchung widerstehen, jede Begierde unterdrücken, mit einem Worte, die so unendlich schwere Kunst üben, sich selbst zu beherrschen!“ Und weiter lesen wir über die Abrichtung dieser Hunde: „Welche Eigenschaften und Fähigkeiten der Hund zur Dressur mitbringen muss, ergibt sich aus der Natur seiner dereinstigen Bestimmung. Passendes Alter, vollkommene Gesundheit, scharfes Gesicht, feines Gehör, gute Nase, Schnelligkeit und Ausdauer im Laufe, wie auch natürlicher Verstand respektive gute Talente sind die unerlässlichen Anforderungen, von denen auch nicht eine einzige aufgegeben werden darf!“

Der am häufigsten geführte Gebrauchshund

In nur knapp 100 Jahren vollzog sich die Wandlung des deutsch kurzhaarigen Vorstehhundes von einem plumpen, schwerfälligen Urtyp zu der heute edlen Erscheinung, dessen Stärke durch eine weitreichende Nase, ausdrucksvolles, festes Vorstehen, Spurwillen, Verlorenbringen, die Arbeit auf der Schweißfährte, Härte, Ausdauer und große Wasserpassion züchterisch fest verankert ist.

Hektor I (Stammbuch Kurzhaar, Band I, gewölft 1872) wird als Stammvater unserer Deutsch Kurzhaar-Hunde bezeichnet. Der Typ jenes Hundes war von dem unserer heutigen Kurzhaar weit entfernt. Er erinnerte eher an einen bulligen „Fleischerhund“, war schwer, hatte Wamme und Senk-Rücken, Triefaugen und weiche Pfoten. Infolge dessen war er langsamer und ruhiger bei seiner Arbeit, aber auch er konnte etwas und soll ein besonders guter Verlorenbringer gewesen sein.

Enthusiasten (die es für alle Rassen gibt) des Deutsch Kurzhaar-Jagdgebrauchshundes haben sich stets in engster Anlehnung an die Erfordernisse der praktischen Jagdausübung bemüht und aus eigenem Wissen und eigener Erfahrung heraus zum heutigen Erscheinungsbild des Deutsch-Kurzhaar entscheidend beigetragen. Allerdings – es bedurfte schon vieler solcher „Märchenprinzen“, um alle gewünschten Anlagen wachzuküssen.

Jäger, Führer und Züchter waren es, die den Deutsch Kurzhaar bekannt machten, seine Leistung und seinen Formwert immer wieder verbesserten. Sie wurden in ihrem Bemühen stets von den „Männern der ersten Stunde“ unterstützt. So entstand die zielgerichtete Deutsch Kurzhaar-Zucht in ihrer heutigen Bedeutung. Der DK ist in der Bundesrepublik nach dem Deutsch-Drahthaar (DD) heute der am häufigsten geführte vielseitige Gebrauchshund.

Auf allen Kontinenten erfreut sich Deutsch Kurzhaar neben anderen deutschen Jagdhundrassen inzwischen großer Beliebtheit. Die alljährlichen Prüfungsstatistiken des Jagdgebrauchshund-Verbandes im Stammbuch belegen die Leistungsfähigkeit der DK-Hunde.

Bereits 1880 kam es zur Gründung des „Brauntigerklubs“, der sich aber schon 1891 in den Klub „Kurzhaar Berlin“ umwandelte. Aus diesem Stammklub sind 34 Vereine hervorgegangen. Nach der Wiedervereinigung wurden nach sofortiger Kontaktaufnahme mit den dortigen Hundeleuten sieben Klubs in den neuen Bundesländern gegründet. Deutsch Kurzhaar ist heute in allen Bundesländern vertreten. Seit 1991 besteht der „Weltverband Deutsch Kurzhaar“, dem sich 25 Staaten angeschlossen haben.

Ausgefeilte Zucht- und Prüfungsordnungen

Der Deutsch-Kurzhaar-Verband hat mehr als 6900 Mitglieder, er ist Mitglied im Jagdgebrauchshund-Verband (JGHV) und im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Etwa 1500 Welpen werden jedes Jahr neu eingetragen. Als entscheidende Basis für den Aufbau und die Entwicklung der Zucht erscheint seit 1897 das „Zuchtbuch Deutsch Kurzhaar“. Der DK-Verband bedient sich ebenso seit vielen Jahren der elektronischen Datenverarbeitung.

Prinz Albrecht zu Solms-Braunsfeld war es, der aus einem verwirrenden und mit Irrtümern verbundenen Zustand von Richtlinien die klaren Forderungen zog, Unterscheidungsmerkmale wie Rassekennzeichen, Beurteilungsregeln der Körperform und schließlich auch zunächst einfache Prüfungsregeln für Jagdhunde aufzustellen und gegeneinander abzugrenzen. Er brachte zum Ausdruck, dass „der Typ einer Rasse das Spiegelbild der Summe aller der Eigenschaften sein muss, die den Hund zu den von ihm zu fordernden Leistungen befähigen“.
Heute durchläuft der Deutsch Kurzhaar in breiter Front den anspruchsvollen Filter ausgefeilter Zucht- und Prüfungsordnungen. Als verbandseigene „Instrumente zur Einwirkung auf die Zucht“ wurden die Anlage- und Frühjahrszuchtprüfungen „Derby“ (Jugendsuche ohne Hasenspur), das Prinz-Solms-Memorial „Solms“ (ähnlich der HZP), die Dr.-Kleemann-Zuchtausleseprüfung, die Internationale Kurzhaar-Prüfung (IKP) und Zuchtschauen geschaffen. Aber auch am großen Prüfungsangebot des Jagdgebrauchshund-Verbandes (VJP, HZP, VGP, Btr., Vbr., Sw.) nehmen viele DK-Hunde mit Erfolg teil.
Die züchterische Freiheit ist bei DK obers-tes Prinzip und hat sich bewährt. Das heißt natürlich – wie bei allen anderen anerkannten Jagdgebrauchshund-Rassen auch – nicht, dass man aufs Gratewohl drauflos züchten darf. Folgende Zuchtvoraussetzungen sind zu erfüllen, um gültige DK-Ahnentafeln für die Welpen zu bekommen:

Die Elterntiere müssen frei von körperlichen Mängeln sein, dürfen auch keine Wesensmängel zeigen, mindestens die Note „gut“ im Formwert nachweisen, eine Verbandsprüfung im Fach „Wasserarbeit hinter der lebenden Ente“ bestanden haben und nachweislich frei von Hüftgelenksdysplasie (HD) sein. Mit Rüden darf man nur züchten, wenn sie zusätzlich den Nachweis der Raubwildschärfe erbracht haben und Hündinnen müssen mindestens 18 Monate alt sein.

Schon unsere Vorfahren haben sich um ständige Weiterentwicklung des DK bemüht, denn der „Markt“ verlangt immer wieder einen „verbesserten Hund“. So werden Typ und leistungbezogene Körperformen ständig auf Zuchtschauen und Leis-tungsveranstaltungen überprüft. Das geschieht immer wieder aus der Überlegung heraus, die Leistungsbreite zu fördern, Wesensfestigkeit, Charakter und typischen Merkmale dieser Rasse mit einzubinden.

Den Deutsch Kurzhaar gibt es in unterschiedlichen Farb-Varianten, die letztlich – wie die Wahl der Rasse selbst – dem persönlichen Geschmack unterliegen. Es gibt den DK als rein braunen Hund, als hellen oder dunklen Braunschimmel oder Schwarzschimmel mit allen dazwischenliegenden Übergangsformen.

Im „Standard Deutsch Kurzhaar“ ist festgelegt, wie der vielseitige DK-Jagdgebrauchshund beschaffen sein soll, damit er befähigt ist, alle Anforderungen im rauen Jagdbetrieb möglichst bis ins hohe Alter zu erfüllen.

Anpassung ohne Einbußen

Im FCI-Standard heißt es: „Das allgemeine Erscheinungsbild ist das eines edlen, harmonischen Hundes, dessen Körperbau Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit gewährleisten.“ Zu klein darf ein vielseitiger Jagdgebrauchshund nicht sein, weil er dann zum Beispiel kaum in der Lage ist, einen ausgewachsenen Fuchs in schwierigem Gelände über weite Strecken zu bringen. Und zu großrahmige und zu schwere Hunde zeigen leicht Konditionsmängel. Deshalb hat man für die einzelnen Rassen „zweckmäßige“ Widerristhöhen festgelegt. Das sogenannte Stockmaß soll bei DK-Hündinnen zwischen 58 und 63 Zentimetern, bei Rüden zwischen 62 und 66 Zentimern liegen.

Es ist eine Freude, mit einem gut ausgebildeten DK aus Leistungszucht zu jagen. Wenn dieser elegante Hund in raumgreifender, systematischer Suche das Gelände revidiert, den „Wind kaut“, Wittrung bekommt, plötzlich langsamer wird, stoppt, wie zur Salzsäule erstarrt, nachzieht und dann bombenfest durchsteht, bis der Führer herangekommen ist, dann geht wohl jedem Jäger und Liebhaber guter Gebrauchshundarbeit das Herz über. Und wenn der selbe vierläufige Jagdhelfer nach dem Schuss auf den Fasanenhahn auch noch hunderte von Metern das Geläuf des geflügelten Vogels ausarbeitet, den Hahn findet und verlorenbringt, dann ist die Welt wohl für jeden Jäger in Ordnung. Dann weiß er, was es bedeutet, einen guten Hund zu führen.

Die reine Feldarbeit ist in heimischen Revieren aber heute meist nicht mehr das Hauptaufgabengebiet unserer Jagdgebrauchshunde. Diesem Umstand hat sich auch der Deutsch Kurzhaar angepasst. Ohne seine charakteristischen Stärken einzubüßen, kann er zuverlässig viele Aufgaben im Jagdbetrieb übernehmen.

Er kann stöbern und buschieren, verfügt über eine große Wasserpassion und -ausdauer. Bei gezielter Einarbeitung zeigt er beachtliche Leistungen am Schweißriemen – wenn auch sicher nur ausnahmsweise in der Vollkommenheit eines Schweißhundes. Sicher im Verlorenbringen auf jede erdenkliche Entfernung, kann sich der Jäger auf ihn verlassen.

Pflegeleicht und temperamentvoll

Den wesensfesten, gelehrigen und führerbezogenen DK möchte man weder auf der Jagd noch im Haus missen, wenn man seine Vorzüge einmal kennengelernt hat. Neben seinem freundlichen Wesen gegenüber Menschen lässt seine angewölfte Wild- und Raubwild-Schärfe in der Regel nichts zu wünschen übrig. Der pflegeleichte DK – beispielsweise ist er nach der Wasserarbeit im Nu wieder trocken – möchte gern in die Familie einbezogen werden. Aber der temperamentvolle Hund will gefordert werden, er braucht seinen täglichen Auslauf.

Gute Anlagen allein genügen nicht, nur gründliche Ausbildung führt zum Erfolg. Hier hat der DK gefunden, nimmt das Bringsel in den Fang und kommt zum Hundeführer zurück

 

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