Kleiner Hund, großes Herz!

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Teckel – Dackel – Dachshund:
In einer Zeit, in der Reviergrößen sich verringern, kommt dem
kleinsten Jagdgebrauchshund eine wachsende Bedeutung zu.
Nicht zuletzt die steigenden Fuchsbesätze und die vermehrte Jagd auf Schalenwild fordern und fördern gerade den Teckel.

 

Von: Karl-Heinz Kraus

Trotz seiner Zugehörigkeit zu den Erdhunden beschränkt sich der Einsatz des Teckels bei weitem nicht alleine auf die Bodenjagd auf Fuchs, Dachs und sogar Kaninchen. Als spurlauter und (spur-)williger Jäger ist er ein guter Stöberhund für die laute Jagd. Hierbei unterstützt ihn seine hervorragende Nase, die auch Grundlage seiner besonderen Eignung für die Arbeit auf der Wundfährte ist. Gut und konsequent abgeführt, ist der Teckel ein angenehmer und aufmerksamer Begleiter bei Pirsch und Ansitz. Seine Jagdpassion lässt ihn auch geflügelte Enten aus dem Wasser und das geschossene Kanin aus dichten Dornen bringen. Jedoch sind dies schon Grenzbereiche seiner Leistungsfähigkeit, wie auch sein Einsatz auf der Wundfährte eines flüchtigen Stück Hochwildes seine Grenzen hat. Hier ist es ein Gebot der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes, den firmen Spezialisten zum Einsatz zu bringen.

Eine gezielte Züchtung durch den Menschen

Bereits in Schilderungen des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit wird von Hunden berichtet, die unseren heutigen Teckeln sehr ähnlich waren. Im Jahre 1719 erzählt Flemming von Dachshunden und schildert ihre Arbeitsweise: „Nicht allein auf Erden, auf Bergen und Thälern, in Wäldern und Feldern, ja wohl gar unter der Erden, hat der liebe Gott wunderliche wilde Thiere unterschiedlicher Art erschaffen, so ihre Behältnisse sich zu verbergen suchen: Zu welchem Ende man eine besondere Art einiger kleiner Erdhündlein als Schlieffer oder Kriecher gebraucht, so zu ihrem Fortkommen klein, lang und schmahl vom Leibe, mit niedrigen etwas eingebogenen Füßlein versehen und hierzu dienlich sind. …

Die Hunde sind eigentlich die Zwerge aller anderen Hunde zu nennen, und sind, ob sie wohl klein, dennoch so eyffrig und suchen, ihres Herrn Dienst nach äußerstem Vermögen zu vollstrecken: Sie kriechen, treiben, und stöbern ihr Wild, schlagen an, stehen vor mit solchem Fleiß und Eyffer als wohl jemals die andern um ihrem Weydmann anzuzeigen, wo das Wild sich aufhalte. Diese Zwerg-Art ist meistentheils von Farben roth oder schwärzlich, mit behangenen Ohren, fast Jagdhund ähnlich, nur dass sie kleiner als Zwerge.“

Der kleine Hund mit dem großen Herz unter der Erde ist das Produkt einer gezielten Züchtung durch den Menschen. Früher stellte man dem Fuchs und Dachs wegen ihres Balges beziehungsweise Schwarte nach. Damals noch mehr als heute ein begehrtes Gut. Und wo waren beide leichter anzutreffen als in ihren Behausungen unter der Erde. Heute geht es (leider) weniger um Bälge und Schwarten, sondern mehr um eine Besatzregulierung zum Wohle anderer Wildtiere. Die bundesweite Fuchsstrecke hat sich in den letzten fünf Jahren auf etwa 600 000 Stück jährlich eingependelt. Ein Großteil davon wird bei der Baujagd gesprengt, vielfach von Teckeln zu Tage gefördert. Um diesen Einsatz für die Natur weiterhin leisten zu können, ist eine konsequente, tierschutzkonforme Ausbildung des Teckels auch in Schliefenanlagen von großer Bedeutung. Heutzutage ist auch unter Tage nicht der grobe Packer oder Beißer gefragt, der sich wohlmöglich noch selbst in Gefahr bringt, wenn er in maßloser Selbstüberschätzung beispielsweise auf einen Dachs trifft. Teckel soll vorliegen, verbellen und als „Flieger“ immer wieder den Bau verlassen, um dem Fuchs auch die Möglichkeit zu geben, seine Position zu verändern und zu springen.

Kompetenter Helfer am Riemen

Die Nachsuche auf Schalenwild mit dem Teckel berührt die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Ein Hund mit extrem kurzen Läufen sollte bei Schneelagen ab 15 Zentimetern nicht mehr eingesetzt werden. Er würde sich mit seiner Hartnäckigkeit unter Umständen selber schaden, denn Aufgeben tut ein Teckel selten. Dennoch ist er im praktischen Jagdbetrieb beim Auffinden des beschossenen Wildes ein ganz wichtiger Helfer. Es wäre praxisfremd zu erwarten, jeder Jäger solle für jedes Stück Schalenwild, das ihm nach dem Schuss außer Sichtweite abspringt, einen Spezialisten herantelefonieren. Hat ein Jäger in dieser Situation einen Teckel an seiner Seite und ist er in der Lage, ihn fachgerecht zu führen, dann ist er im Sinne der Waidgerechtigkeit auf der sicheren Seite. Wenn der Jäger in der Lage ist, den Anschuss zu beurteilen und festzustellen, ob es sich um einen Laufschuss oder einen Körpertreffer handelt, dann sollte er seinen Teckel einsetzen, um das Stück zu finden, bevor es verhitzt.

Gerade der Teckel kann ein ganz kompetenter Helfer am Riemen sein. Denn schließlich ist er eine kleine Bracke. Und mit seiner guten Nase und seiner dickschädeligen Beharrlichkeit wird er in den meisten Fällen das verendete Stück finden. Sollten unglückliche Umstände dazu führen, dass dabei ein noch nicht verendetes Stück aufgemüdet wird, dann ist das zwar nicht gut, aber auch noch keine Katastrophe. Tierschutzrelevant wird es erst, wenn dann ein Hund geschnallt wird, der einerseits nicht schnell genug ist, um das Stück einzuholen, andererseits aber mit seinem enormen Spurwillen ein krankes Stück lange erfolglos vor sich her treibt. Wenn der Führer aber am warmen Wundbett abbricht und dann den Spezialisten ruft, ist es für diesen und den Erfolg noch nicht zu spät. Im Gegenteil, das ist die Praxis für viele Schweißhundführer. Der Teckel ist also für den Durchschnittsjäger ein problemlos zu haltender, vielseitiger Jagdbegleiter, der durch sein Brackenerbe gute Eigenschaften für einfache Nachsuchen mitbringt. Damit ist allerdings nicht die Variante Zwergteckel gemeint, sondern der robuste Schlag, der wegen des Schnees keine langen Haare zwischen den Ballen hat, und der stark und groß genug ist, sich auch in mittelschwerer Vegetation noch bewegen zu können.

Das Wild darf nicht in Panik versetzt werden

Gleiche Eigenschaften an Körper und Konstitution muss der Teckel auch für sein drittes Arbeitsfeld mitbringen, die Stöberarbeit. Der Fährten- bzw. Spurlaut ist ihm hier von größtem Nutzen. Unsere heutigen Jagdstrategien auf Rotwild, Damwild, Sauen und Rehwild verlagern sich immer mehr weg von der Einzeljagd zu groß angelegten Gemeinschaftsveranstaltungen, bei denen große Waldflächen mit vielen Schützen dicht besetzt werden. Will der Waidmann aber auch hier selektieren, darf das Wild nicht in Panik versetzt werden. Es soll langsam vor die Schützen kommen, dass es sauber beschossen und vorher angesprochen werden kann. Und genau das bewirkt nur ein kleiner Hund, der langsam und zuverlässig spur- und fährtenlaut, das heißt nasenorientiert, jagt. Er soll das Wild anrühren und durch „Belästigung“ in Bewegung bringen. Er soll es nicht hetzen. Das Wild orientiert sich an der lauten Jagd des Hundes, ohne mit tiefem Lecker durchs Treiben zu „rasen“. Oft ist zu erleben, dass beispielsweise selbst Rehwild die spurtreuen Hunde sehr nah herankommen lässt, bevor es die Flucht fortsetzt.

Nahtstelle zwischen Jagd und Tierschutz

Gewiss wird dies nicht überall so gesehen. Nicht einmal selten wird alles, was Hund heißt, sogar stumme Hühnerhunde oder so genannte Packer zur Treibjagd auf Hochwild in den Wald geschickt. Noch wird gelegentlich „action“ im Treiben mit kultiviertem Waidwerk verwechselt. Aber gerade die so genannten Gesellschaftsjagden sind ein ganz sensibles Feld an der Nahtstelle zwischen Jagd und Tierschutz. Gerade dort ist das flüchtige Wild besonders schwer anzusprechen, gerade dort ist es auf begrenztem Schussfeld in hoher Flucht nur schwer waidgerecht zu treffen, und gerade dort ist der Anteil jagdbetrieblich unkundiger Sonntagsjäger, die aus gesellschaftlichen oder geschäftlichen Gründen eingeladen werden, besonders hoch.

Dabei zeigen Teckel, dass sie durchaus auch eine Rotte Sauen in Bewegung bringen können. Sie verbellen stärkere Stücke solange, bis entweder der begleitende Jäger beziehungsweise Treiber zu Hilfe kommt. Oder das Stück Schwarzwild stiehlt sich aus der Unruhezone langsam davon, um nicht mehr von dem kleinen aber hartnäckigen „Quälgeist“ belästigt zu werden. Die Befürchtungen vieler Revierinhaber, der Teckel ist kaum vom Strick, da schlieft er schon in den Bau ein und niemand stöbert mehr, ist zum Teil unbegründet. Der Hund kann durchaus unterscheiden, welches Programm an einem Tag ansteht. Zum anderen sollte ein Teckel derart konsequent abgeführt werden, dass er nur auf Kommando in den Bau geht. In vielen Fällen wird damit einem Entschwinden vorgebeugt.

Sturkopf ist gewollt

Sein viertes „Arbeitsfeld“ teilt er sich mit den meisten Jagdhunden: Der Teckel ist ein verträglicher Familienhund, verträglich mit Kindern und auch für den Jäger ohne Garten einfach zu halten. Sein ihm nachgesagter Sturkopf ist gewollt, schließlich ist der Teckel bei der Arbeit im Bau und beim Stöbern im Dickicht auf sich gestellt. Dort verlangen wir von dem Hund, Entscheidungen zu treffen. Daher sollte wir uns nicht zu sehr wundern, wenn der Teckel auch in seiner Freizeit manchmal seinen eigenen Kopf hat: Das zeichnet ihn aus!

 

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